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01. September 2011

Studie über Störche

Winterurlaub auf der Müllkippe

Viele Störche verändern ihr Zugverhalten – Forschungsprojekt mit Schweizer Storch bringt erste Erkenntnisse.

  1. Viele Storche ziehen im Winter nicht mehr nach Westafrika, sonder auf spanische Mülldeponien. Foto: Zoo Basel

BASEL (BZ). Der im Zoo Basel geschlüpfte Storch "Amelios" hat sich auf seine weite Reise Richtung Süden gemacht. Zur Zeit befindet er sich in der Nähe von Barcelona. Am 7. Juli erhielt er einen Satellitensender, seither kann seine Reise verfolgt werden. Die Aktion ist ein Projekt der Gesellschaft "Storch-Schweiz", die das veränderte Zugverhalten dieser Vögel analysieren möchte. Nun hat das Projekt erste Erkenntnisse gebracht.

Ein kleiner Rucksack sendet regelmäßig die Koordinaten von Zolli-Storch "Amelios: Nachdem er einige Zeit in der Region zwischen Wahlen und Oberwil hin und her gependelt ist, hat er am 24. August die Schweiz verlassen, am 26. August durchquerte er das Rhonetal. Einen Tag später überquerte er Montélimar und gelangte, vorbei an Nîmes und Montpellier, entlang der Küste nach Spanien. Am 27. zog er weiter und erreichte 12 Kilometer nördlich von Barcelona den Ort Cami de la Torra Negra. Rund 120 Fans und 220 Freunde verfolgen derzeit Amelios Reise auf seiner Fanseite und seinem Facebook-Profil. Auch auf den Webseiten des Zoo Basel und von Storch–Schweiz lässt sich sein Zug verfolgen.

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Dank den mit Sendern ausgerüsteten Störchen konnten erste Erkenntnisse gewonnen werden. Die Koordinaten von Amelios’ Kollegen "Sämi" zeigen beispielsweise, dass er sich auf einer Mülldeponie in Spanien aufhält. Über diesen Ort gingen schon früher Rückmeldungen ein.

Amelios soll mithelfen, ein Rätsel zu klären. Ein großer Teil der westwärts ziehenden Störche fliegt zum Überwintern nicht mehr nach Westafrika, sondern nach Spanien. Dort finden sie Nahrung in Reisfeldern, vor allem aber auf großen Mülldeponien. Es gilt nun herauszufinden, ob die Verhaltensänderung auf Zucht- und Auswilderungsprojekte zurückzuführen sind, oder ob die Mülldeponien in Südspanien mit ihrem großen, nicht immer gesundem Nahrungsangebot dafür verantwortlich sind. Amelios mit der Ringnummer SG555 ist einer von insgesamt fünf Jungstörchen, die beim Projekt "SOS Storch - Storchenzug im Wandel" mit einem Sender ausgestattet wurden.

Seinen Namen hat der Storch einem Wettbewerb zu verdanken, den der Zolli ausgeschrieben hat. Der Name Amelios wurde ausgewählt, weil er aus dem griechischen übersetzt "der Sorgenfreie" bedeutet. Amelios schlüpfte im Mai und wurde unter den 38 Jungstörchen auserwählt, den Sender zu tragen. Jungstörche, die das erste Mal in den Süden ziehen, bleiben einige Jahre dort, bevor sie zurückkehren. Der Zoo Basel hofft, dass Amelios die anstrengende Reise übersteht und mithelfen kann, Erkenntnisse über den Zug der Störche zu gewinnen.

Autor: bz