Nach dem Brand

Europa-Park will "Piraten in Batavia" bis 2020 wieder aufbauen

Klaus Fischer

Von Klaus Fischer

Di, 17. Juli 2018 um 12:58 Uhr

Rust

Die Fans der "Piraten in Batavia" können aufatmen: Das durch den Brand Ende Mai völlig zerstörte Fahrgeschäft im Europa-Park wird wieder aufgebaut und in Thema und Gestaltung dem Original gleichen.

"Wir werten derzeit altes Fotomaterial aus, es gibt auch schon einige Pläne", kündigt Armin Hänßel von Mack Solution an, "natürlich wird die Technik heutigen Standard haben, die Figuren sich filigraner bewegen. Aber wer die ’Batavia’ vor dem Brand gefahren war, wird diese in der neuen Version wiedererkennen."

Schon am Tag nach dem Brand fiel die Entscheidung

Die Entscheidung für einen 1:1-Wiederaufbau von Fahrgeschäft und den Themenbereich Holland und Skandinavien sei bereits am Sonntagabend – einen Tag nach dem verheerenden Brand am Samstag, 26. Mai – gefallen. "Da waren der Familie die hochemotionalen Reaktionen der Europa-Park-Fans, die den Wiederaufbau von Batavia wünschten, noch gar nicht präsent. Denn auch für die Familie hängen gerade an dieser Bahn viele Emotionen und Erinnerungen", erklärt Hänßel am Dienstag bei einem Vororttermin an der Brandstelle.



Zum Beispiel diese: Ulrich Damrau, der als Architekt des europäischen Themenkonzepts im Europa-Park gilt, habe jede einzelne Szene der Bootstour auf dem Zeichentisch bis ins Detail entworfen. Es war dabei eine Art Storybook für die Attraktion entstanden. Selbst der Ruf des Äffchens aus der Dekoration "Gib den Schlüssel her" war von Damrau festgelegt worden. Ein anderes: Während Bauphase vor der Eröffnung der Bahn im Sommer 1987, war Damrau bei einer Besichtigung der Baustelle in eine Grube gefallen und hatte sich dabei eine Schulterprellung zugezogen. Sein Freund und Europa-Park-Gründer Franz Mack passierte Tage später das gleiche Missgeschick, er fiel in die gleiche Grube. In der Folge sei bei Baustellenbesichtigungen der eine mit eingegipstem Arm, der andere mit eingegipstem Bein erschienen.

Wiederaufbau im holländischen Themenbereich

"In dieser Bahn stecken so viele Erinnerungen und Anekdoten, dass es für Bautechniker, Techniker und Designer eine gewaltige und zugleich spannende Aufgabe wird, diesen Themenbereich wiederzubeleben", erklärt Armin Hänßel. Der Zeitplan scheint ehrgeizig. Bis zur Wintersaison 2020 soll der gesamte Komplex im holländischen Bereich mit Bahn und Gebäuden wieder stehen. Schon ein Jahr zuvor, so der Plan, soll der norwegische Themenbereich, der durch den Brand bis auf die Grundmauern niederbrannte, fürs Publikum wieder geöffnet sein.

"Der ganze Abriss läuft unter der Regie der Versicherungsunternehmen." Armin Hänßel
Unterdessen gleicht das etwa 12 000 Quadratmeter große Areal, auf dem am 26. Mai das Feuer wütete, noch einem Trümmerfeld. Ein Monstrum von Bagger knackt mit seinen Greifern aufgetürmte, riesige Betonteile, so dass Stahl und Eisen wie der Kern einer Erdnuss herausbrechen. An die 10 000 Kubikmeter Stahlbeton aus Decken, Wänden und Bodenplatten werden zerteilt. Ein riesiger Schredder wird Ende dieser Woche auf der Baustelle erwartet, der dann die von Stahl und Eisen befreiten Betonbrocken zerkrümelt, bevor sie als Sondermüll auf die Deponie transportiert werden. "Der ganze Abriss läuft unter der Regie der Versicherungsunternehmen. Deren Zeitplan geht davon aus, dass der Rückbau in der ersten August-Woche abgeschlossen ist", sagt Hänßel.

Nur die Außenwände aus Beton von Batavia-Bahn und norwegischen Themenbereich werden die Räumungsarbeiten überdauern. Sie müssen aus statischen Gründen erhalten werden, "sonst könnten wir derzeit das Fjord-Rafting nicht betreiben", erklärt Armin Hänßel. Die Betonteile waren nach dem Brand auf ihre Standsicherheit geprüft und wo nötig verfestigt worden. Auch Teile der Betonrinne des Fjord-Raftings waren saniert worden, weshalb die Bahn erst knapp zwei Wochen nach dem Feuer wieder für das Publikum geöffnet war.



Durch die enorme Hitzeentwicklung haben auch an das Abrissgelände angrenzende Gebäude Schaden genommen, in denen es nicht direkt brannte. Auch ein Wasservorhang, den die Feuerwehr beim Großbrand zwischen dem Brandherd und den technischen Gebäuden in unmittelbarer der Nachbarschaft aufgebaut hatte, hatte dies nicht verhindern können. So waren im Werkstattbereich Fenster geborsten oder Teile der Aluminiumverkleidung und Rollladenkonstruktionen geschmolzen. Überreste sind noch heute, sieben Wochen nach dem Brand, zu sehen.

Vom Feuer nicht verschont blieb auch eine Lagerhalle, in denen sich Kostüme für die Europa-Park-Künstler befanden. Einige Tausend gingen in Flammen auf oder sind durch den Rauch nicht mehr brauchbar.

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