Befreit von den Klischees

Ulrike Spiegelhalter

Von Ulrike Spiegelhalter

Mi, 18. Dezember 2013

Bernau

Heidi Nübling zeigt im Hans-Thoma-Museum Bilder aus dem Schwarzwald und aus dem Norden.

BERNAU. "Schwarzwald und der hohe Norden" ist die neue Ausstellung überschrieben, die jetzt im Hans-Thoma-Kunstmuseum gezeigt wird. Ausgestellt sind Werke der Malerin Heidi Nübling. Die Schau könnte man auch mit einer Reise durch Europa vergleichen, sagte die Künstlerin in ihrer Einführung. Ihre Gemälde zeigen eine Reise vom Schwarzwald über das schwedische Fjäll nach Grönland und weiter nach Spitzbergen bis zum 79. Breitengrad.

Es ist auch eine Reise durch die Jahreszeiten mit schönen, ausdrucksstarken Bildern vom Winter und Sommer im Schwarzwald und in Schweden und vom Sommer auf Spitzbergen, der eigentlich ein Winter ist, wie Heidi Nübling berichtete. Zur Jahreszeit passend liegt auch der Schwerpunkt ihrer Ausstellung auf den Winterbildern.

Im großen Ausstellungssaal sind die gewaltig beeindruckenden Spitzbergen-Bilder zu sehen, die im August und September nach einer Reise im Juni entstanden sind. Von Longyearbyen, dem größten Ort auf Spitzbergen zog sie in Richtung Nordpol bis an die Packeisgrenze. Die Landschaft sei sehr beeindruckend gewesen, erzählte sie. Bei so gewaltiger Größe und Dimension habe sie zunächst gedacht, dass dafür das Format der Leinwand viel zu klein sei. Sie habe versucht, die Landschaft von Spitzbergen, die Gletscher, die Schneeberge, das besondere Licht und die Farbe des Nordmeeres einzufangen. Das ist ihr sehr gut gelungen.

Vieles würde als Zufallsmoment auch während des Arbeitsprozesses beim Eintauchen in die Malerei entstehen, ließ sie die Kunstfreunde wissen, die ihre geschilderte abenteuerlichen Reise mit offenen Booten durch das Treibeis, vorbei an riesigen Eisbergen miterlebten, festgehalten in ihren Grönlandbildern. Im "Grönlandzimmer" sind Zeichnungen und Aquarelle zu sehen, auch Kohlezeichnungen, die das frühere und jetzige Leben der Grönländer zeigen.

Wie malt man Schnee, welche Arten von Schnee gibt es? Diese Frage habe sie sich gestellt – ihre Winterbilder empfindet sie heute als etwas sehr Spezielles.

In einem weiteren Ausstellungsraum hängen nordische Winterlandschaften, Natur- und Baumbilder, beispielsweise einzelne Fjällbirken, die wie menschliche Figuren wirken. Dort können die Besucher auch die Schwarzwaldbilder von Heidi Nübling entdecken. Für sie ist das Charakteristische des Schwarzwaldes vielleicht der Blick auf die vielen schönen Täler, der Wechsel von Bergrücken und Tälern, die sich bis in weite Ferne fortsetzen. Wer meine "Schwarzwald" sei ein leichtes Thema, der irre sich, sagte sie. Das Gegenteil sei der Fall. Zu viele Klischees und zu viel Romantik würden ihm anhaften. Für sie gelte, die Landschaftsbetrachtung von all diesen Klischees zu befreien, auf die Natur zu blicken, wie sie sich darstelle. Da seien Tannen, ein bisschen licht und zerzaust, manchmal herrsche Chaos aus umgestürzten Bäumen. Doch finde man dort Stellen voller Atmosphäre, wie sie es auf ihrem Bild "Flimmernde Lichtung" zeigt, das voller Licht, Stille und herrlicher Farben ist.

Fast alle Bilder sind mit Öl auf Leinwand gemalt. Wichtig ist für die Künstlerin, Stimmungen einzufangen und eine lebendige, ausdrucksstarke Malerei zu schaffen, wovon die Bernauer Ausstellung Zeugnis gibt. Heidi Nübling wurde 1957 in Grenzach-Wyhlen geboren. Sie studierte von 1979 bis 1983 Grafikdesign an der Fachhochschule Pforzheim. Sie lebt und arbeitet in Bad Hersfeld und in Dänemark.