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25. Januar 2011 21:02 Uhr
Nachruf
Bernd Eichinger: Der Mann, der Deutschland ins Kino lockte
Er war der erfolgreichste deutsche Filmproduzent, nicht unbedingt auch der beliebteste. Das ließ sich wohl auch kaum erzwingen: Bernd Eichinger war das, was man einen Tycoon nennt. Nun ist er im Alter von 61 Jahren gestorben.
Vielen Filmen versuchte er, seinen persönlichen Stempel aufzudrücken. Ungewöhnlich war dieser Tycoon gekleidet: Am liebsten lief er in weißen Turnschuhen zum edlen Sakko herum. Die Treter waren sein Markenzeichen, so wie er selbst eine Marke im deutschen Kino war. Am Montagabend ist Bernd Eichinger in Los Angeles bei einem Essen im Familienkreis an einem Herzinfarkt gestorben.
Allein an den Titeln der von ihm produzierten Filme lässt sich deutsche Kinogeschichte erzählen. Es ist eine Geschichte des Mainstream-Kinos, wenn man von Autorenfilmen wie "Der Taugenichts" (Regie: Bernhard Sinkel) oder "Falsche Bewegung" (Regie: Wim Wenders) aus der Anfangszeit in den Siebzigern absieht. Eichinger, Absolvent der Münchener Filmhochschule, ermöglichte die Filme anderer.
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Ein großes Medienecho löste die Drogenstory "Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo" aus, der erste Film, den er mit seiner Firma Neue Constantin produzierte. So hart hatte im deutschen Kino noch niemand von einem Junkiemädchen erzählt. Und dann reihen sich die Kassenknüller aneinander: "Die unendliche Geschichte" (1984), "Der Name der Rose" (1986), "Das Geisterhaus" (1993), "Der bewegte Mann" (1994), "Nirgendwo in Afrika" (2001), "Der Untergang" (2004), "Das Parfum" (2006), "Der Baader Meinhof Komplex" (2008) und die Bushido-Biografie "Zeiten ändern Dich" (2010).
Eichinger drehte mit Hollywoodstars wie Meryl Streep, Sean Connery oder Antonio Banderas. Wenn er sich zwischen Erfolg beim Publikum und Wertschätzung der Kollegen entscheiden musste, wählte er im Zweifelsfall den Erfolg. Manche würden das weniger freundlich formulieren: Er schnappte sich Literaturbestseller und jagte sie durch den Drehbuch-Wolf.
Er war berüchtigt dafür, jeden Tag am Drehort aufzutauchen. Hinterher jedoch waren die meisten fasziniert von dem Herzblut, das er verschüttet hatte. Das galt für Tom Tykwer ("Das Parfum") wie für Til Schweiger – auch für Doris Dörrie, die Eichinger bei ihrer zotigen Penis-Komödie "Ich und Er" (1988) in den USA beinahe in den Wahnsinn trieb. Sie ihn umgekehrt wohl auch. Offensichtlich wusste er Dörrie zu schätzen: Später finanzierte er ihren Film "Bin ich schön?" (1998), als das Projekt zu scheitern drohte – ohne Einmischungen, wie sie sagt.
Wenn Eichinger einen Stoff haben wollte, dann kriegte er ihn auch. Seine "Rossini"-Komödie (Regie: Helmut Dietl) erzählt verklausuliert von seinem Werben um den Autor Patrick Süskind, dem er erst nach Jahren die Rechte für "Das Parfum" abluchsen konnte. Mehr als 80 Millionen Zuschauer sahen in Deutschland seine Filme. Statistisch hat er also jeden Deutschen einmal ins Kino gelockt. Es gibt hierzulande nicht viele Produzenten von ähnlicher messbarer Bedeutung.
Auf seine Kräfte hat Eichinger dabei nie Rücksicht genommen. Das war unverkennbar, wenn man ihm beim Interview gegenübersaß. Mochte er noch so erschöpft und gereizt sein – für seinen neuen Film legte er immer noch eine Antwort drauf. Das Erschrecken unter Kollegen über die Nachricht seines Todes ist groß: Für viele ist der deutsche Film ohne Bernd Eichinger kaum vorstellbar.
Autor: Stefan Stosch
