Pflege ist Therapie

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Sa, 10. März 2018

Beruf & Karriere

Gelebte Interdisziplinarität entscheidend / Fallbeispiel in der neurologischen Frührehabilitation.

24/7 und das an 365 Tagen im Jahr. In Akutkrankenhäusern und der stationären Rehabilitation ist die Pflege rund um die Uhr für Patienten verfügbar. Es gibt keine Alternative dazu: Patienten mit schweren und schwersten Beeinträchtigungen sind auf die ständige Präsenz von Pflegenden angewiesen.

So ist es auch in der BDH-Klinik Elzach, die auf die neurologische Frührehabilitation unter intensivmedizinischen Rahmenbedingungen spezialisiert ist. "Die meisten unserer Patienten leiden unter Bewusstseinsstörungen und können nicht oder nur eingeschränkt kooperieren. Das ist aber eine notwendige Voraussetzung, um in der Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie aktiv mitzuüben", sagt Professor Claus Wallesch, der ärztliche Direktor der BDH-Klinik Elzach. Deshalb sei das therapeutische Kernteam erst mit der Pflege komplett. Ihr kommt die Aufgabe zu, durch die Einbeziehung des Patienten in den Pflegeprozess dessen Aufmerksamkeit zu wecken, zu lenken, zu richten und aufrechtzuerhalten und seine so Kooperation zu fördern. Kurz gesagt: Pflege kann und soll als Therapie gestaltet werden.

Der Träger der BDH-Klinik Elzach ist der gemeinnützige Sozialverband BDH Bundesverband Rehabilitation. Er hat aufgrund der Bedeutung der Pflegetherapie für die Rehabilitationsmedizin pflegewissenschaftliche Promotionsstipendien ausgeschrieben, die in Kooperation der BDH-Klinik Elzach, der Katholischen Hochschule Freiburg sowie der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg betreut werden.

Dabei stand auch die Kooperation zwischen der Pflegetherapie und den übrigen Berufsgruppen im Kernteam im Fokus. Die Untersuchungen an allen fünf Kliniken des BDH belegen, dass die Bedeutung patientenbezogener interdisziplinärer Kommunikation von allen Berufsgruppen auch anerkannt wird. Konkret heißt das: Behandlungsziele werden nicht nur gemeinsam formuliert, sondern auch von allen Berufsgruppen gemeinsam verfolgt. Dabei könne eine Pflegekraft etwa ihr Augenmerk in enger Absprache mit einer Schlucktherapeutin auf sicheres Schlucken legen.

Die interdisziplinäre Kommunikation erhalte einen festen Rahmen in den räumlichen Gegebenheiten (kleine, übersichtliche Stationen, Therapieräume auf der Station, gemeinsame Sozial- und Pausenräume), aber auch in der Teamorganisation. In jedem Fall sei ein täglicher interdisziplinärer Informationsaustausch zwischen Pflege und den anderen Therapien wichtig und erleichtere die Tagesorganisation. Das Verständnis der Berufsgruppen untereinander werde durch Wissen über die Funktion und Ausbildung der anderen und durch Reflexion der eigenen Rolle gefördert. Davon profitierten nicht nur die Patienten, vor allem auch von Seiten der Pflegenden werde die Erweiterung der eigenen Rolle in Richtung Therapeuten in allen fünf Kliniken des BDH selbstbewusst und positiv gesehen. Die neue Rolle erfordere therapeutisches Handeln, das Eingehen auf Signale des Patienten und das Formulieren und Verfolgen eigener therapeutischer Ziele.

"Wenn über die Hälfte der Patienten der Frührehabilitation an der BDH-Klinik Elzach die weiterführende Rehabilitation erreicht, ist das vor allem ein Verdienst der aktivierend-therapeutischen Pflege", betont Wallesch. "Es ist vor allem die Pflege, die Patienten wieder in die Lage versetzt, in den Therapien strukturiert und aktiv mitzuarbeiten, um so durch Lernen die noch bestehenden Defizite bestmöglich auszugleichen."