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28. Februar 2015

Berufsorientierung von Anfang an

Arbeitskreis Schule-Wirtschaft plant ganz neue Wege, um Jugendlichen die Berufswahl zu erleichtern / Mitstreiter gesucht.

  1. Birgitta Stephan (links) und Renate Heizmann präsentieren völlig neue, praktische Ideen, mit denen der Arbeitskreis Schule Wirtschaft die Berufsorientierung junger Menschen optimieren kann. Christopher Bäuerle (2. von links) und Bürgermeister Michael Scharf unterstützen sie dabei. Foto: Martha Weishaar

  2. Bisher präsentierten sich Handwerker beim Berufsinformationstag in den Klassenzimmern des Bildungszentrums. Künftig sollen die jeweiligen Branchen dezentral Gelegenheit zum Einblick in die jeweiligen Berufsfelder bieten. Foto: Martha Weishaar

  3. Birgitta Stephan (links) und Renate Heizmann präsentieren völlig neue, praktische Ideen, mit denen der Arbeitskreis Schule Wirtschaft die Berufsorientierung junger Menschen optimieren kann. Christopher Bäuerle (2. von links) und Bürgermeister Michael Scharf unterstützen sie dabei. Foto: Martha Weishaar

BONNDORF. Mit völlig neuen Ideen will der Arbeitskreis Schule-Wirtschaft das Thema Berufsorientierung angehen. Bereits vom Kindergarten bis hin zur Schulentlassung sollen sich künftig verschiedene Maßnahmen durchziehen, die den Heranwachsenden möglichst vielseitige Einblicke in berufliche Möglichkeiten gewähren. Vor allem aber sollen die Kinder und Jugendlichen ihre eigenen Fähigkeiten und Neigungen erkennen können, um auf dieser Basis ihre Berufswahl zu treffen.

Die Vorsitzenden des Arbeitskreises, Renate Heizmann und Birgitta Stephan, präsentieren eine Fülle interessanter Neuerungen, und das gerade mal drei Monate, nachdem die Personalchefin von Ametek-Dunkermotoren und die Rektorin der Werkreal-, Grund- und Förderschule ihr Amt angetreten haben. Bürgermeister Michael Scharf, der den Arbeitskreis im Beirat unterstützt, begrüßt die Initiative der beiden Vorsitzenden: "Das erhöht die Bildungschancen aller Kinder. Es beginnt schon im Kindergarten damit, die Stärken jedes Einzelnen herauszuarbeiten. Vor allem die Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen kommt den Kindern zugute."

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Fakt ist, dass viele Kinder in ihrem Alltag zu ganz profanen Tätigkeiten gar keinen Zugang mehr haben. Selbst der Umgang mit einfachsten Werkzeugen ist ihnen fremd, das Bild der strickenden Oma gehört längst der Vergangenheit an und kaum ein Kind ist mit Gartenarbeit vertraut. Die Liste ließe sich noch lange fortsetzen. In diesen Bereichen will man nun ansetzen und den Kindern mit ihrer natürlichen Neugier und ihrem Forscherdrang neue Horizonte öffnen.

Mit "TECHNOlino" – einem Programm der Südwestmetall zur Förderung von Naturwissenschaft und Technik – werden künftig die Kinder aller Bonndorfer Kindergärten frühzeitig für ihre Umwelt, technische Zusammenhänge, Naturphänomene, aber auch für Handwerk oder Dienstleistungen sensibilisiert. Die Elemente sollen für die Kinder erfahrbar werden, sie dürfen beobachten, forschen und vor allem etwas tun. Dabei setzt man auf Bildungspartnerschaften mit den Betrieben vor Ort. Zuvor werden die Kindergartenleiterinnen in speziellen Fortbildungen auf "TECHNOlino" geschult. Die zu erwartenden Kosten in Höhe von 20 000 Euro für Schulungen sowie die technische Ausstattung der Kindergärten tragen jeweils zur Hälfte die Stadt Bonndorf und die Industrieunternehmen Hectronic und Dunkermotoren.

In der Grundschule wird das Programm fortgeführt. Unter anderem soll dort eine "TeCbox" Schüler für Naturwissenschaft und Technik begeistern. Die Erst- und Zweitklässler dürfen konstruieren und bauen, die Dritt- und Vierklässler befassen sich umfassend mit dem Thema Energie. Weitere Bausteine, die sich mit Ernährung oder auch verschiedenen Handwerken befassen, ergänzen diese Module. "Wir sind bei all dem auf die Hilfe von Handwerkern angewiesen", sagt Birgitta Stephan, die diese neuen Bildungsinhalte in den Arbeitsgemeinschaften der offenen Ganztagsschule anbieten wird. In der Werkreal- und Realschule werden die begonnenen Maßnahmen anschließend konkret in Schnupper- oder auch längeren Praktika fortgeführt. Die Schüler sollen ihre Neigungen erkennen, auf deren Basis sie ihre Berufsentscheidung treffen können. Den Ablauf der Praktika wird man künftig besser an die Voraussetzungen in den jeweiligen Betrieben, aber auch an die Präferenzen der Schüler anpassen. Außerdem sollen die Lehrkräfte die regionalen Betriebe besser kennen lernen, da doch viele Pädagogen ortsunkundig sind und die Begebenheiten vor Ort unzureichend kennen.

Auch die Berufsinformationstage werden künftig in anderer Form organisiert. Der bevorstehende Berufsinfotag am 21. März wird zwar noch in bewährter Weise stattfinden. Ab 2017 jedoch stehen die Veranstaltungen unter dem Motto "Bonndorf öffnet sich". Die jeweiligen Branchen wie Handwerk, Dienstleistungen, Handel oder Industrie werden sich in Kleingruppen dezentral präsentieren und vor Ort weitaus umfassendere Einblicke in ihr Metier gewähren, als dies in der bisherigen Form im Schulgebäude möglich war, eventuell sogar in Verbindung mit einem verkaufsoffenen Sonntag.

Mitstreiter aus allen Branchen werden gesucht

"Das wird eine Gesamtbereicherung für Bonndorf und die Umgebung. Was wir allerdings brauchen, sind Mitstreiter aus allen Branchen, vor allem aus dem Handwerk", zeigt sich Renate Heizmann zuversichtlich. Insbesondere das Handwerk soll viel stärker in den Fokus gerückt werden. Die HeDu-Ausbildungstage von Hectronic und Dunkermotoren, die in der Vergangenheit von jeweils rund 500 Schülern besucht wurden, werden künftig ebenfalls breiter aufgestellt sein, indem sich Handel, Dienstleistungsbereiche, Verwaltung sowie Handwerk präsentieren können.

"Wenn wir neben den typischen Industrieberufen artverwandte oder auch fremde Berufsfelder vorstellen, erreichen wir vielleicht auch Schulen, die wir bisher nicht erreicht haben", hofft Renate Heizmann. Tatsache ist, dass sich viele Berufsbilder enorm verändert haben. Nur im unmittelbaren Kontakt mit den Firmen können sich Schüler davon ein Bild machen. Natürlich sollte auch den Eltern die Dringlichkeit all dieser Maßnahmen bewusst sein, denn nach wie vor werden drei Viertel aller Berufsentscheidungen "am Küchentisch" getroffen. Schule und Wirtschaft sind jedenfalls auf einem guten Weg, jungen Menschen beste Voraussetzungen für die richtige Berufswahl zu schaffen.

Autor: Martha Weishaar