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25. September 2013

Die Jugend wählt von Marschall – und rot-grün-orange

Neuntklässler der Bötzinger Schule wählten bei einer Juniorwahl Piraten in den Bundestag / Großes Interesse bei den Schülern.

  1. Jeanne Bachmann und Simon Brodbeck, hier mit Gemeinschaftskundelehrer Bernd Jansen, bildeten einen der Wahlvorstände. Foto: wal-schule

BÖTZINGEN (fri). Matern von Marschall hat auch die Jugend hinter sich – jedenfalls in Bötzingen: Bei der Juniorwahl in der Bötzinger Wilhelm-August-Lay-Schule sahnte der CDU-Kandidat kräftig ab und fuhr mit über 56 Prozent eine satte Mehrheit der abgegebenen Erststimmen ein. SPD und Grüne kamen zusammen aber auf mehr Zweitstimmen als die Union und gemeinsam mit den Piraten hätte es zu einer rot-grün-orangenen Mehrheit gereicht. Denn die Piraten haben bei den Zweitstimmen kräftig gezogen. Sogar die Tierschutzpartei wäre, wenn es nach den Bötzinger Kids ginge, noch ganz knapp in den Bundestag gezogen, die FDP dagegen war bei ihnen komplett abgemeldet.

Diese Wählerstimmen kamen von den Schülern der vier neunten Klassen, die an dem bundesweiten Projekt der "Juniorwahl 2013" teilnahmen. Bei der echten Bundestagswahl waren die im Schnitt 14 bis 15 Jahre alten Schüler natürlich nicht wahlberechtigt. Aber das bremste ihren Eifer nicht, sich an dem von der Bundeszentrale für politische Bildung veranstalteten Wahlprojekt zu beteiligen. Ihre Wahlbeteiligung war jedenfalls traumhaft hoch. Von den 98 Wahlberechtigten, die alle zuvor eine Wahlbenachrichtigung erhalten hatten, nahmen bei der am vergangenen Freitag ausgerichteten Wahl 95 Schüler teil. In der Schule war eigens eine Wahlkabine aufgebaut worden, es gab ein Wählerverzeichnis und einen richtigen Wahlvorstand für jede der vier teilnehmenden Klassen. Im Gemeinschaftskundeunterricht hatten die Schüler zuvor mit ihren Lehrern Bernd Jansen (9c und 9d), Iris Wehr (9b) und Stephan Zier (9a) das Thema Bundestagswahl im Unterricht behandelt. Anders als die Erwachsenen benutzten die Juniorenwähler aber keine Stimmzettel aus Papier, sondern stimmten in der Wahlkabine online ab, mit einer durch eine Pin-Nummer geschützten Stimmabgabe am Computer, denn in der Kabine stand ein Laptop. Eine Briefwahl oder eine Online-Abstimmung von Zuhause aus war nicht eingerichtet. Darum konnten auch die Zehntklässler nicht an der Wahl teilnehmen – sie waren auf ihren Abschlussfahrten. Mehr als ein Trost für sie: fast alle werden im Mai bei einer echten Wahl teilnehmen können, denn dann sind, nach der Wahlrechtsreform der grün-roten Landtagsmehrheit, schon 16-Jährige bei den Kommunalwahlen stimmberechtigt.

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Mit einigen Mausklicks konnte so auch das Wahlergebnis am Sonntagabend um 18 Uhr sofort ermittelt werden, während im Fernsehen erst die Prognose Hinweise auf das spätere echte Wahlergebnis gab. "Die Schüler waren mit großer Ernsthaftigkeit und viel Interesse bei der Sache", zeigte sich Schulleiter Bernd Friedrich beeindruckt. Mit keiner anderen Methode hätte man zum Beispiel das demokratische Prinzip einer geheimen Wahl so hautnah erleben können.Diese Testwahl habe auch gezeigt, dass eine online-Stimmabgabe machbar sei. Es würde ihn nicht wundern, wenn diese Technik eines Tages auch bei richtigen Wahlen zum Einsatz gelange, meinte Friedrich.

Hier das Ergebnis der Juniorwahl an der Bötzinger WAL-Schule: 98 Wahlberechtigte, 95 Wähler, ungültig 3 Erststimmen und 2 Zweitstimmen.
Erststimmen: Matern Marschall von Bieberstein (CDU) 52, Gernot Erler (SPD) 22, Kerstin Andreae (Grüne) 7, André Martens (Piraten) 5, Elke Fein (AfD) 2, Sascha Fiek (FDP) 2, Tobias Pflüger (Linke) 1, Markus Benz (Violette) 1 Stimme.
Zweitstimmen: CDU 34, SPD 18, Grüne 18, Piraten 13, Tierschutzpartei 5, Linke 2, AfD 2, PBC (Bibeltreue Christen) 1.

Autor: bz