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18. August 2017

Raubgräber behindern Forschung

Unbekannte durchsuchen archäologische Ausgrabungsstätte in Bötzingen und schaden damit auch der Wissenschaft.

  1. Die Ausgrabungsarbeiten in Bötzingen im neuen Gewerbegebiet sind mittlerweile abgeschlossen, die Natur erobert sich das Areal zurück. Foto: Jonas Hirt

  2. Archäologen fanden in Bötzingen antikes Keramikgeschirr, mit dem die Römer einst gekocht haben. Foto: Manfred Frietsch/Jonas Hirt

BÖTZINGEN. In Bötzingen haben Raubgräber ihr Unwesen getrieben. Auf den Feldern des Steinmattenhofs, wo bis Anfang August die Firma Archbau nach Überbleibseln einer römischen Siedlung gegraben hat, suchten Unbekannte mit Metallsonden illegal nach Schätzen.

Als die Mitarbeiter der Firma Archbau im Juli die Ausgrabungsfläche betraten, entdeckten sie mehrere Erdlöcher, die auf illegale nächtliche Aktivitäten hindeuteten. Daraufhin informierten Mitarbeiter die Polizei. Wie diese mitteilte, wiesen die Löcher einen Durchmesser von etwa 20 Zentimetern auf. Ob tatsächlich etwas gestohlen wurde und vor allem was, konnte die Polizei indes nicht sagen. "Wir wissen ja nicht, was sich zuvor an dieser Stelle unter der Erde verbarg", so Winfried Pfeifer vom Polizeirevier in Breisach. Da weder die vom Bauinvestor beauftragte Firma Archbau noch das zuständige Landesamt für Denkmalpflege Anzeige erstattet hätten, habe die Polizei keine Ermittlungen eingeleitet. Darüber hinaus verzichtete die Landesbehörde darauf, die Öffentlichkeit über die Vorfälle zu informieren. Auch auf Nachfrage der Badischen Zeitung hielt sie sich eher bedeckt.

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Für Bürgermeister Dieter Schneckenburger war dies der erste Fall von Raubgrabungen. Allerdings habe es in seiner 14-jährigen Amtszeit auch noch keine archäologischen Ausgrabungen in Bötzingen gegeben, so der Rathauschef. Für weitere Informationen verwies er auf das Landesamt für Denkmalpflege, genauso tat es die Firma Archbau, die selbst keine Stellung zu den Vorfällen bezog.

Nach Angaben der Pressestelle des Regierungspräsidiums Stuttgart habe der Vorfall in Bötzingen den Ablauf der weiteren Grabungen zwar nicht gestört, aber den Wert des Ortes als Geschichtsquelle beeinflusst, sagte Sprecherin Désirée Bodesheim. Die durch die illegalen Nachforschungen zerstörten Bereiche seien für immer verloren.

250 000 Euro Strafe für Raubgräber möglich

Wenn Raubgräber ihre Funde unsachgemäß bergen, "werden diese unwiederbringlich aus ihrem archäologisch-historischen Kontexten entfernt", erklärt Bodesheim. Das hat zur Konsequenz, dass Wissenschaftlern wichtige Bezugspunkte fehlen, um die Geschichte eines Ortes zu erforschen.

Wer sich gezielt auf eigene Faust, also ohne behördliche Genehmigung, auf die Suche nach Fundstücken im Boden begibt, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Und wer Gegenstände einsteckt, ist ein Raubgräber und muss mit einer Geldstrafe von bis zu 50 000 Euro, in besonders schweren Fällen von bis zu 250 000 Euro rechnen, informiert die Behörde. In einem Flyer verweist sie außerdem daraufhin, dass behördliche Sondengänger auf freiem Feld nur in Ausnahmefällen unterwegs seien und sich dann stets ausweisen könnten. Schöpfen Bürger Verdacht, sollen sie in jedem Fall die Polizei oder die zuständige Forstbehörde verständigen.

In der Praxis ist es schwierig, Raubgräbern auf die Schliche zukommen. Daher hat das Landesamt für Denkmalpflege das Projekt "Qualifikation und Integration von Sondengängern in die archäologische Denkmalpflege" initiiert. Als Sondengänger gelten Personen, die Metalldetektoren einsetzen, um nach im Boden verborgenen Metallobjekten zu suchen und diese zu bergen. Hobbyarchäologen werden über denkmalpflegerische Aspekte aufgeklärt und ermuntert, unter Anleitung zu graben. Ihre Lust am Buddeln soll somit in legale Bahnen gelenkt werden. Das Projekt zielt darauf, "privates Engagement für den Schutz und die systematische Erfassung der archäologischen Denkmale zu nutzen", so Bodesheim.

Dass in Bötzingen archäologische Ausgrabungen ausgeführt wurden, hängt mit der geplanten Erweiterung des Gewerbegebiets Frohmatten zusammen (die BZ berichtete). Dieses will die Gemeinde um rund neun Hektar nach Süden erweitern. Im geplanten Erweiterungsgebiet liegt das Gewann Steinmatten, auf dem eine ein Hektar große Fläche als archäologischer Prüffall eingestuft worden ist. Bevor hier gebaut werden darf, musste der Boden untersucht werden. Und die Archäologen wurden fündig. So fanden sie dort Zieglesteine von Dächern und Keramikscherben, aber auch Knochen und Zähne von Hoftieren.

Mittlerweile sind die Untersuchungen abgeschlossen, konkrete Ergebnisse hat das Landesamt für Denkmalpflege bislang noch nicht veröffentlicht. Auch Bürgermeister Schneckenburger sagte, dass er noch auf den Abschlussbericht warte.

Autor: Sebastian Krüger