Ein richtiger Familienbetrieb

Axel Dröber

Von Axel Dröber

Mo, 30. Juni 2008

Bollschweil

BZ-SERIE LANDWIRTSCHAFT: Das Weingut und die Straußenwirtschaft von Gerhard Mangold in Bollschweil.

BREISGAU. Die Milch, die wir morgens beim Frühstück trinken, kommt aus dem Supermarkt, das Fleisch, das wir samstagabends grillen, vom Metzger. Aber bevor wir Milch und Fleisch kaufen können, muss jemand die Kühe melken und die Schweine großziehen. Das macht der Bauer. Vom Leben und Arbeiten auf dem Hof erzählen wir in der Serie "Landleben", die in loser Folge erscheint. Es wird hinter Stalltüren geschaut, auf Felder und Weiden geblickt und am Tisch der Bauersfamilien Platz genommen.

Gerhard Mangold betrachtet prüfend seine Reben. "Diese Jahr haben sie erst später ausgetrieben", erinnert der Bollschweiler Winzer und lässt seinen Blick über die anderen Rebstöcke am Hang schweifen, "aber das war mir ganz recht, wegen der Eisheiligen." Tatsächlich macht sich der Klimawandel hier viel stärker bemerkbar als anderswo. War die Ernte mal erst Mitte Oktober, werden die Trauben jetzt einen Monat früher geerntet– dann, wenn es noch richtig heiß ist und die Weinlese trotz moderner Maschinen eine schweißtreibende Arbeit ist.

Das Weingut Mangold in Bollschweil ist noch ein richtiger Familienbetrieb. Drei Generationen helfen, den Betrieb aufrecht zu erhalten. Vor rund zehn Jahren hat Gerhard Mangold von seinen Eltern den Hof übernommen, der damals noch ein gemischter landwirtschaftlicher Betrieb war, dessen Erträge vor allem der Selbstversorgung der Familie dienten. Der Wein war da noch Nebensache. Heute hat der Hof zweieinhalb Hektar Rebflächen, der Anbau von Trauben ist zur Hauptsache geworden. Für Gerhard Mangold war das eine ganz bewusste Entscheidung. "Wir mussten einfach den Betrieb erhalten. Ein gemischter Hof ist heute nicht mehr möglich, man braucht zu viele Maschinen", erläutert der Winzer. Am ertragreichsten sei die Weinproduktion. "Von der Traube an der Rebe bis zum Wein im Glas machen wir alles selbst", erklärt Mangold stolz.

Was ihm so leicht über die Lippen kommt, ist ein hartes Stück Arbeit. Sechs verschiedene Rebsorten züchtet und pflegt der Hof, 15 000 Flaschen werden pro Jahr abgefüllt und verkauft. Dazu kommt noch der Betrieb in der kleinen Schnapsbrennerei und in der Strauße, die im März und April sowie im Oktober und November geöffnet ist.

Der Arbeitstag auf dem Hof fängt morgens um sieben Uhr an. Da wird erst einmal die Strauße ausgefegt, werden Vorräte aufgefrischt und schon mal die Kartoffeln gekocht. Die kleine Wirtschaft ist in der ehemaligen Stube des Hofes untergebracht, wo ungefähr vierzig Gäste Platz finden. Ihnen werden Speisen und Getränke aus eigener Produktion gereicht. Mangold legt Wert auf diesen ursprünglichen Charakter, der eine Strauße erst wirklich zu einer Strauße mache. Und auch die Besucher schätzen den urigen Charakter der "Stuben Straußi". Sonntags wie unter der Woche ist sie gut besucht.

Die meiste Zeit kostet aber die Arbeit auf dem Weinberg, der in unmittelbarer Nähe zum Hof liegt. Die Pflege ist sehr aufwendig. Bei jeder einzelnen Pflanze müssen beispielsweise die überschüssigen Triebe herausgebrochen werden und jede einzelne Pflanze muss auf Schädlinge untersucht werden. Klar, dass da neben den Großeltern auch die 16-jährige Tochter und der 15-jährige Sohn mit anpacken, sobald sie von der Schule kommen und ihre Hausaufgaben gemacht haben. Die Arbeit auf dem Hof betrifft eben die ganze Familie.

Neben der Pflege der Pflanzen wird noch die Gärung in den Weinfässern im Keller kontrolliert. Und schließlich müssen ja auch noch die abgefüllten Flaschen etikettiert und verkauft werden. Dabei kann sich Gerhard Mangold auch an Zeiten erinnern, in denen viel Arbeit umsonst war, und die Erträge eingebrochen sind. Zwei aufeinander folgende Hageljahre, 2003 und 2004, bescherten dem Hof fast zwei Drittel Ernteverlust. "Das war eine schwierige Zeit für den Betrieb und für die Familie", erinnert sich Mangold, "wir sind erst 2006 wieder auf den normalen Produktionsstand gekommen."

Mit dem jetzigen Ertrag des Hofes ist Mangold mehr als zufrieden. Wie die Zukunft aussieht, kann er aber kaum abschätzen. Zehn Jahre seien für ihn noch drin, dann möchte er den Hof gerne abgeben. Es sei aber noch zu früh, um zu sagen, ob sein Sohn oder seine Tochter einmal den Betrieb übernimmt. "Vielleicht fällt die Entscheidung ja schon in den nächsten Jahren. Ich würde mich über eine zusätzliche Arbeitskraft sehr freuen", denkt Mangold nach. Größer soll der Betrieb aber nicht werden. "Das Weingut soll ein auch weiter Familienbetrieb bleiben. Und außerdem möchte ich auch gerne Zeit für andere Sachen haben", sagt Mangold schmunzelnd und denkt an seine Hobbys.