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06. Juni 2015

Bürgermeister und Revolutionär: Das Leben des Johann Nepomuk Hiltmann

Das Leben des Johann Nepomuk Hiltmann / Teil I: Kindheit, Jugend und sein Weg auf die politische Bühne.

  1. Johann Nepomuk Hiltmann (1804 bis 1878) aus Bonndorf war elf Jahre lang Bürgermeister der Stadt und er war Revolutionär. Schulze Foto: Uli Schulze

BONNDORF. Bei den Recherchen zum Buch "Bonndorf – wie es war..." kam auch eine umfängliche Abhandlung zum Vorschein, die das politische und persönliche Leben, Wirken und Leiden des Bonndorfer Bürgermeisters Johann Nepomuk Hiltmann schildert. Hiltmann spielte eine große Rolle in den Wirren der Badischen Revolution. Die Badische Zeitung bereitet in zwei Teilen diese historisch interessante Epoche auf. Heute: Teil 1: Der Weg auf die politische Bühne.

In der Chronik der Stadt ist Johann Nepomuk Hiltmann in der Galerie der Bonndorfer Bürgermeister als Vierter verzeichnet, nach Sales Greiner, Lorenz Frey und Josef Ebner. Vorher, seit etwa 1400, lautete der Titel Schultheiß; Sales Greiner war von 1821 bis 1822 deren letzter und danach bis 1829 der erste Bürgermeister Bonndorfs.

Über sie gibt es kaum verlässliche Daten. Bei Recherchen über die badische Revolution hat Professor Dr. Ulrich Halfmann aus Kirchzarten, ein ehrenamtlicher Mitarbeiter des Deutschen Tagebucharchives (DTA), Emmendingen, Details über Johann Nepomuk Hiltmann, entdeckt und darüber eine Schrift vorgelegt, die "eng mit der Geschichte Bonndorfs" verbunden ist und zur Revolutionsperiode 1848/49 gehört.

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Hineingeboren in eine

turbulente Zeit, hatte Johann Nepomuk Hiltmann keine leichte Kindheit.

Zu Beginn des neunzehnten Jahrhunderts – Napoleon war 1815 endgültig gestürzt – wurde beim Wiener Kongress Europa neu geordnet: Aus dem Rheinbund entstand der Deutsche Bund, der zwar so hieß, aber politisch und wirtschaftlich in tausende kleine und kleinste Besitztümer des Kleinbürgertums zersplittert war. Im Vormärz – den Jahren 1830 bis 1848 – breiteten sich auch im Hochschwarzwald liberale und demokratische Ideen aus; es entstanden Volksvereine und Bürgerwehren; das Fundament der Badischen Revolution, die mehr war, als eine lokale Episode.

Die Mannheimer Juristen Gustav Struve und Friedrich Hecker forderten die Abschaffung der Feudalherrschaft, Einheit des deutschen Volkes, Bewaffnung des Volkes – und: Pressefreiheit. Rädelsführer einiger Freischärler im Schwarzwald war Johann Grüninger, Pächter der Rothaus-Brauerei. Bonndorf, mit etwa 1200 Bewohnern, war seit dem Jahr 1815 Amtsstadt.

In diese turbulenten Jahre wurde am 12. August 1804 in Bonndorf Johann Nepomuk Hiltmann hinein geboren. Er hatte, wie es in der Biographie heißt, "keine leichte Kindheit." Vier seiner Brüder starben bald nach ihrer Geburt; seine Mutter litt an "Auszehrung" (Tuberkulose). Sie starb im Jahr 1808, da war der Knabe Johann Nepomuk gerade mal vier Jahre alt. Hiltmann schrieb dazu: "Ich erinnere mich, wie ich laut rief: Mutter, Mutter, steh doch auf . . . Sie stund (aber) nicht mehr auf."

Hiltmanns Vater, ein Schneider, heiratete schon 1809 "eine Person namens Anna Monica Hornung von Leipferdingen"; in der Folge musste die "treue Dienstmagd" Anna Muchenberger das Haus verlassen. "Ehe ich das 6.te Jahr zurückgelegt hatte, kam ich zu Lehrer Gabriel Isele in den Schulunterricht", zitiert Halfmann aus den Unterlagen Hiltmanns. Dies korrespondiert mit der Chronik der Stadt (Gabriel Isele war der erste angestellte Lehrer in Bonndorf, 1816-1843). Sie ist jedoch nicht ganz korrekt, Hiltmann wurde von Isele erst später unterrichtet.

"In mir lebte die

Vorliebe, mich nicht bloß meinem

Handwerk, sondern noch wichtigeren und allgemein nützlichen Geschäften zu widmen."

J.N. Hiltmann
Halfmann notiert: "Einige Einträge Hiltmanns sind schlecht zu entziffern". Noch im gleichen Jahr – 1810 – wurde des Knaben Elternhaus am 10. April ein Raub der Flammen. Hier brechen die Original-Notizen ab, bis 1825. Hiltmann war da 21 Jahre alt und wie sein Vater: Schneider.

Zwei Jahre später erlebte Hiltmann den zweiten großen Brand Bonndorfs 1827. Als in der Folge die Händler Gracelli kurzzeitig Bonndorf verließen, erkannte Hiltmann seine Chance und erweiterte seine Schneiderei und den Warenbestand. Wo sein Haus stand, ist nicht überliefert.

Bald danach, 1833, begann sich Hiltmanns Augenlicht zu verschlechtern, ohne dass ein Grund dafür diagnostiziert werden konnte; dazu schüttelten ihn zeitweise Krämpfe (Epilepsie?). Gleichwohl sammelte er zu jener Zeit erste politische Erfahrungen bei der Unterstützung des Kandidaten (Deputierten) Joseph von Aschbach in die Zweite Kammer des Badischen Landtags.

Im Zwei-Jahres-Rhythmus folgten: Übernahme des elterlichen Geschäftes 1835, Heirat seiner langjährigen Liebe Maria Ursula Zolg (1837), der Tochter des Waisenkassen-Verwalters; dann der Tod seines am 27. Mai 1838 geborenen Sohnes am 11. Februar 1839; Tage darauf der seines Vaters am 16. Februar; nicht lange danach wurde am 4. Oktober 1839 seine Tochter Josefa geboren (wir werden von ihr noch lesen).
Die politische Bühne betrat Johann Nepomuk Hiltmann im Jahre seiner Verehelichung, nämlich 1837. "Durch das Vertrauen seiner Mitbürger wurde er Gemeinerath" und schon im November zum Bürgermeister gewählt. Hitmann notiert: "Obgleich schon in meiner frühen Jugend überzeugt, wie undankbar diese öffentlichen Dienste seien, so lebte in mir die Vorliebe, mich nicht bloß meinem Handwerk, sondern noch wichtigeren und allgemein nützlichen Geschäften zu widmen".

Im Teil II berichtet die BZ über Hiltmanns Arbeit als Abgeordneter, seine Flucht in die Schweiz und sein Ende.

JOHANN NEPOMUK HILTMANN

Johann Nepomuk Hiltmann war Bürgermeister von Bonndorf von 1837 bis 1848, also elf Jahre lang. Seine Lebensgeschichte ist stark geprägt von der Badischen Revolution von 1848/49 – und dies ist die Ursache dafür, dass über Hiltmann nun nähere Kenntnisse vorliegen. Professor Dr. Ulrich Halfmann, emeritierter Amerkanistik-Professor und ehrenamtlicher Mitarbeiter des Deutschen Tagebucharchives (DTA) in Emmendingen, hatte in dessen Auftrag einige Dokumente aus dem Kontext der Badischen Revolution transkribiert und war dabei auf Material gestoßen, das Hiltmanns Enkelin Paula Bender und seine Urenkelin Dorothee Bender hinterlassen hatten, in schönster Schreibschrift (Sütterlin und verschnörkelter Kurrent) gehalten. Damit ist diese Lebensbeschreibung eines Bonndorfer Bürgermeisters zwar ein eher zufälliges Dokument, aber immerhin reichert es die Biographien der Stadt um ein Detail an. Zumal, wenn man Hiltmanns Leben und Wirken in Bonndorf in die eng damit verwobene Geschichte der Katholischen Kirche und deren Geistliche stellt, und in die Wirren der Badischen Revolution einordnet.  

Autor: shu

Autor: Ulrich Werner Schulze