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24. Juni 2011

Burg hoch über der Steina errichtet

BURG STEINEGG (II): Nach schwerem Erdbeben zogen die Steineggs nach Wittlekofen / Vater errichtete, Sohn plünderte Klöster.

  1. So dürfte die Burg Steinegg im Steinatal einmal ausgesehen haben. Foto: Freiherr von Steinegg

BONNDORF. Mit der Geschichte seiner Vorfahren, des einst in Wittlekofen herrschenden Adelsgeschlechts von Steinegg, hat sich Christoph Freiherr Steinig von Steinegg aus Herne in Jahrzehnte langer Forschung gemeinsam mit seinem Bruder Heinz beschäftigt. In einer vierteiligen Serie stellt die Badische Zeitung diese Geschichte vor. Der heutige Teil II beschäftigt sich mit der Gründung Wittlekofens und dem Bau der Burg im Steinatal. Der Vater der Einwanderer gründete das Kloster und sein Sohn überfiel Klöster und wurde exkommuniziert. Die Kinder wurden schon damals anders, als sich die Eltern dies vorstellten.

Die Wittlekofer Steineggs stammen aus Steinigunekka in der Nähe von Huttweil und Stammheim im schweizerischen Kanton Thurgau. In diesem Gebiet und im Großraum des Bodensees wütete im Februar 1062 ein grausames Erdbeben, mit viel Blitz und Donner, dem eine Pestepidemie folgte. Im April 1062 war es dort so kalt, dass viele Vögel und Vieh verdarben, auch sind die Raben zum größten Teil erfroren, heißt es in alten Aufzeichnungen. Hungersnot und eine große Verteuerung waren Folgen dieser Katastrophe.

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Das Anwesen, Ländereien und Güter der Steineggs wurden so zerstört, dass wohl nicht mehr alle Familienmitglieder dort leben und existieren konnten oder wollten. Nur ein Teil blieb dort, denn genau an dieser Stelle gibt es heute noch ein bestens erhaltenes Schloss, welches ein reicher Engländer gekauft hat und weitgehend in den Urzustand zurück versetzt hat.

Der 988 geborene Geroldus ging mit einem Teil der Familie zu einem nicht mehr exakt feststellbaren Zeitpunkt nach Wittlekofen. Am 3. Juni 1065 bestätigt aber Kaiser Heinrich IV. die Gründung des Klosters Witlikovens (Wittlekofen). Dieses werde "errichtet in der Provinz Teutonica Helvetica, im Erzbistum Konstanz, im Bezirk St.Blasien, in der Umgebung von Batemaringen (Bettmaringen), welches neben dem Fluß Steinaha (Steina) gelegen ist." Dieses gehörte früher zum Schweizer Gebiet, welches deutsch war. Weiter bestätigt der Kaiser, dass der "Ankömmling, durch den das besagte Wittilinchoven ehrenvoll mit Geld ausgestattet und eigentlich fertig errichtet ist, ein gewisser adliger Berchtoldo von Steinegg, geboren am 15. Oktober 1032, ist." Seine Gattin Mathilda, Tochter vom Berthold I. von Thurgau (aus dem Zähringer Geschlecht), sein noch lebender 988 geborener adliger Vater Geroldus, sein Sohn Bertholdo, geboren 1060 und seine Töchter Adilheid, geboren 1062, und Gertrude, kamen ebenfalls mit an. Weiter ist noch zu lesen, dass die genannte adelige und berühmte Familie von Steinigunekka, aus dem Gebiet Turigowe (Thurgau) kommt. Es wird auch berichtet, dass sie nach ihrem Recht in Wittenlichovenski (Wittlekofen) herrschen. So ist sie auch dem Hochadel zuzuordnen. In gleicher Urkunde steht auch, dass diese Familie in den Freiherrenstand erhoben wurde und dieses Recht auf die Nachkommen vererbbar ist. Dieses ist ein recht frühes Privileg, wo selbiges erst so ca. 100 – 200 Jahre später üblich wurde.

Dieses Datum ist auch der Gründung von Wittlekofen gleich zusetzen. Mit dieser Bestätigung änderte Berchtoldo seinen Namen "von Steinegg" oder auch "von Steinig" in "von Wittlekofen", was in der damaligen Zeit durchaus üblich war. Es erleichterte naturgemäß die Einbürgerung, wenn das direkt im Ort herrschende Adelsgeschlecht denselben Namen trägt wie der Ort. Im Laufe der Zeit wurden in der Umgebung Ländereien erworben und Ansiedlungen (Dörfer) gegründet. Bis jetzt bekannt gewordene Ländereien waren unter anderem in Brunnadern, Wittlekofen, Mauchen und Bettmaringen.

Aus den "von Steineggs" wurden die "von Wittlekofen"

Der freie und adelige Herrscher Bertholdo von Wittelinchoven, geboren 1060 als Sohn von Berchtoldo von Steinegg, wurde im Oktober 1108 im Landgut Tannegg zu einer Geldstrafe von 100 Mark verurteilt und exkommuniziert. Dies war die Strafe für seine sehr vielen und wirksamen Raubeinsätze und Brandschatzungen, durch die die Kirche St.Blasien in größerem Umfang Schaden erlitten hatte. Diktatorisch von der Kirche verurteilt, schrieb Bertholdo außerdem der Kirche als Schenkung (?) sein Grundstück in Brunnadern zu, um sich so von seinen Fehlern zu befreien. Dies war mit der Bedingung verknüpft, dass er und seine Mutter Mathilda dafür jährlich fünf Solidi (zwölf Denar) erhalten. Mit unterschrieben hatten seine Söhne Geroldus, geboren 1086, Berchtoldus, geboren in der Mitte des Juni-Kalenders 1083, und sein "Edler Bruder Wolfiganch".

Hoch über der Steina wurde eine Burg gebaut

Im Zuge der Mode des allgemeinen Burgenbaus errichteten die sich "von Wittlekofen" nennenden Steineggs dann etwa um das Jahr 1145 eine Burgfeste hoch oberhalb der Steina. Mit dem Einzug in die Burg nahmen sie wieder ihren Stammnamen "von Steinegg" an. Sie konnten sich wohl nie so recht an "von Wittlekofen" gewöhnen. Sie trugen diesen Namen so etwas nur drei Generationen lang. Etwa um diese Zeit verkaufte ein Mandoldus von Steinegg einen Weinberg für vier Talentis (Taler). Am 29. Oktober 1149 wird den Mönchen von Wittenlinchoven das Privileg über die Güter in Bettmaringen bestätigt. Hierbei tritt unter anderem der Gerold von Steinegg aus dem Adelsgeschlecht von Wittenlichoven als Zeuge auf. Somit steht fest, dass zu diesem Zeitpunkt der Namenswechsel "von Wittenlichoven" wieder zurück in die ursprüngliche Bezeichnung "von Steinegg" bereits vollzogen war.

Die maßgebende Bedeutung derer von Steinegg im Großraum Wittlekofen bedarf keiner besonderen Heraushebung, wenn man bedenkt, wie oft sie als Zeugen aufgetreten waren. Dies, obwohl ihre Burg eine kleine und bescheidene war.

Das Leben der Steineggs auf der Burg war geprägt von Höhen und Tiefen. Darüber berichten wir im nächsten Teil der Serie.

Autor: bz