Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

31. Januar 2017

Die Essensabfälle bleiben eher Mangelware

Birgit Eske legt sich schwer ins Zeug, damit sich die Schüler im Logo Food und der Grundschule wohl fühlen / Zauberformel "Schülerbeteiligung".

  1. Birgit Eske, Leiterin der Logo Food-Mensa im Bonndorfer Bildungszentrum, freut sich, denn den Schülerinnen und Schülern scheint es zu schmecken. Speiseabfälle fallen in geringen Mengen an. Foto: Stefan Limberger-Andris

BONNDORF. Irgendwie dürfen sie sich wie eine große Familie fühlen – die Schüler, die in der Mensa der Grundschule sowie der Logo Food-Mensa der Haupt- und Werkrealschule samt Realschule zu Mittag essen. Leiterin Birgit Eske tut viel dafür, dass sich die täglich insgesamt bis zu 110 Schüler der beiden Mensen des Bonndorfer Bildungszentrums wohl fühlen. Große Mengen an nicht verzehrten Mahlzeiten, die zurückgehen? Fehlanzeige, resümiert Birgit Eske.

Dass Schüler die angebotenen Mensamenüs weitgehend auch verspeisen, ist indes deutschlandweit gesehen keine Selbstverständlichkeit. Wissenschaftler des Projekts REFOWAS (REduce FOod WASte) des Johann Heinrich von Thünen-Instituts, ein Bundesforschungsinstitut für Ländliche Räume, Wald und Fischerei, resümierten anhand einer Studie an elf deutschen Ganztagsschulen, an denen Stichproben erhoben worden waren, dass durchschnittlich etwa ein Viertel der Mensaessen als Essensreste weggeschmissen wird.

Es ist wichtig, mit den

Schülern im

Gespräch zu bleiben.

Werbung

Hochgerechnet auf sämtliche deutschen Ganztagsschulen, landen jährlich rund 29 000 Tonnen Lebensmittelabfälle im Wert von annähernd 58 Millionen Euro im Abfall. Auf einen einzelnen Schüler heruntergerechnet sind dies 22 Kilogramm. Die Studie betont aber auch, dass es selbst zwischen vergleichbaren Schulen zu erheblichen Unterschieden bei den Mengen der Essensreste kommen könne. Die Problematik großer Mengen an Essensresten sei in den beiden Bonndorfer Mensen an den wöchentlich vier Verpflegungstagen unbekannt, konstatiert Birgit Eske auf Nachfrage der BZ. Natürlich landeten auch Essensabfälle im Mülleimer – dies jedoch in sehr geringem Maße. Grundprinzip der Bonndorfer Mensen sei, so die Leiterin, dass das Essensangebot für alle Beteiligten vom Schulträger über den Anbieter bis hin zu den Schülern vertretbar sei. Die angelieferte, tiefgekühlte Ware eines Unternehmens lasse sich gut auf der Basis der täglichen Essensbestellungen kalkulieren.

Um eine zufriedene Klientel zu haben, sei es wichtig, mit dieser im Gespräch zu bleiben – will heißen: Schüler geben Kritik an Birgit Eske weiter. Kritik sei hier im positiven wie negativen Sinne zu verstehen. Für diese Kritik diene ein Kummerkasten ebenso wie eine direkte Ansprache. Ein zweiter Punkt sei die Einbeziehung eines "Internen Offenen Kompetenzteams" in die Arbeit, wie Birgit Eske eine Gruppe von Schülern umschreibt, die sie beim Erstellen des Speiseplans ebenso unterstützt wie bei der räumlichen Gestaltung der Logo Food-Mensa. Die Mitarbeit geht sogar so weit, dass die Schüler selbst Hand anlegen, um die Versorgung mit den kleinen Extras sicherzustellen. So sammelten im vergangenen Herbst beispielsweise Schüler zusammen mit dem Schwarzwaldverein Obst auf einer Streuobstwiese und ließen daraus Apfelsaft pressen, der nun ausgeschenkt wird.

Rund 110 Essen werden in den beiden Schulmensen

täglich ausgegeben.

Bedeutsam sei es, auf die Bedürfnisse der Schüler einzugehen, wie etwa ein Essensangebot, das eine austauschbare vegetarische Komponente enthält und die Kennzeichnung der Inhalte der Lebensmittel auf dem Speiseplan aufweist. Hier komme es ihr zupass, dass sie beim Zusammenstellen der Menüs frei sei, erläutert Birgit Eske. Damit sei gewährleistet, dass möglichst wenig Wiederholungen im Speiseplan eines Schuljahres auftauchten. Zu guter Letzt spiele das räumliche Umfeld während des Mittagessens eine entscheidende Rolle: Sie habe immer das Radio eingestellt mit Musik, die die Jugend auch sonst anhört. Die Schüler gestalteten ein eigenes Mensalogo, das seit Oktober 2016 den Raum ziert – Identifikation pur.

Birgit Eske leitet die Logo Food-Mensa im Haus Ruth seit Ostern 2016. Zuvor hatte sie ab 2009 für die Mensa im Dachgeschoss der Grundschule Bonndorf verantwortlich gezeichnet. Mittlerweile bestellt sie nicht nur die Menüs, sie bereitet und gibt auch das Essen in der Logo Food-Mensa aus. Auch fertigt sie den Speiseplan und bestellt die Essen für die Grundschule. In der Grundschule seien es täglich bis zu 60 Essen, in der Logo Food-Mensa durchschnittlich 50 Essen täglich.

Zurück zu der REFOWAS-Studie. Als Hauptgrund der Essensverschwendung in den untersuchten Mensen machten die Forscher fehlende Kommunikation zwischen Mitarbeitern der Schulküchen und der Caterer aus. Letztere hätten häufig gar keinen Überblick darüber, wie viele Lebensmittelabfälle anfielen. Die Folge: Es werde oft zu viel bestellt und produziert oder am Wunsch der Schüler vorbei das Falsche angeboten.

Und dann fällt in dieser Hinsicht ein bemerkenswerter Satz: Sie sei auch weiterhin im Aufbau des Mensabetriebs begriffen. Also – nichts mit "Auf den Lorbeeren ausruhen". Birgit Eske macht in Sachen "Vermeidung von Essensmüll" offensichtlich alles richtig. Hinzu kommen die durchorganisierten Anmeldungen und die Ausgabe der Essensbons. Hierfür müssen die Schüler sich Essensmarken im 10er-Block im Schulsekretariat besorgen, der über eine Bankeinzugsermächtigung bargeldlos bezahlt wird. Der Essensbon besteht aus einem Anmelde- und einem Abholcoupon. Mit dem Anmeldecoupon muss sich der Schüler bis spätestens 9.15 Uhr täglich zum Mittagessen anmelden, der zweite Coupon muss beim Abholen des Essens vorgezeigt werden. Seit 2011 besteht die Möglichkeit einer finanziellen Unterstützung aus dem Bildungspaket "Bildung & Teilhabe – Gemeinsames Mittagessen", die beim Jobcenter des Landratsamts beantragt werden kann. Das drei Euro teure Mittagessen vergünstigt sich dadurch um einen Euro.

Die Stadt Bonndorf lässt sich die Mensen etwas kosten. Im Haushalt 2017 sind für die Grundschulen/Förderschule aus dem Mensabetrieb Einnahmen von 23 000 Euro und Sachkosten von 15 000 Euro geplant (Rechnungsergebnis 2015 insgesamt 29 160 Euro Einnahmen und 17 824 Euro (Sachkosten). Für die Hauptschule/Werkrealschule sind Einnahmen von 15 000 Euro und Sachkosten von 27 000 Euro geplant (Rechnungsergebnis 2015 insgesamt 15 510 Euro und Sachkosten 26 859 Euro).



Autor: Stefan Limberger-Andris