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19. Juni 2017

Es qualmt aus den Auspuffrohren

Bonndorf und das Umland tragen zu rund einem Siebtel am CO2-Ausstoß des Straßenverkehrs im Landkreis Waldshut bei.

  1. Bei der „Rush Hour“ in der Martinstraße in Bonndorf gibt es teils kaum ein Durchkommen in späteren Nachmittagsstunden. Die Stadt ist in der Region die Kommune mit der zweithöchsten Belastung durch Emissionen aus dem Straßenverkehr. Foto: Stefan Limberger-Andris

BONNDORF UND UMLAND. Jeder spricht von CO2-Emissionen aus dem Straßenverkehr, die den Klimawandel forcieren. Allein der Straßenverkehr, der 2014 durch Stühlingen, Bonndorf, Grafenhausen, Ühlingen-Birkendorf und Wutach rollte, trug mit 34 513 Tonnen zu 14,6 Prozent an den insgesamt 235 442 Tonnen CO2- Ausstoß des Verkehrs im Landkreis Waldshut bei. Dies geht aus einem von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz vorgelegten Kataster hervor.

Straßenverkehr erzeugt Emissionen verschiedener Stoffgruppen – nicht nur durch Abgase, sondern auch durch Staub, Abrieb und Verdunstung. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz hat ein Kataster für 2014 vorgelegt, in dem landesweit 1101 Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg unter anderem mit Blick auf den Straßenverkehr bewertet werden.

Es gibt neben dem Straßenverkehr im Landkreis natürlich auch noch andere
CO2-Emittenten. Die Umwelt wurde belastet durch kleinere und mittlere Feuerungsanlagen (342 427 Tonnen), Industrie und Gewerbe (74 696 Tonnen) und sonstige technische Einrichtungen (63 833 Tonnen). Insgesamt waren es 2014 im Landkreis Waldshut zusammen mit dem Straßenverkehr 720 267 Tonnen CO2. Die größten CO2-Emittenten im Landkreis waren demnach der Straßenverkehr mit etwa einem Drittel sowie kleinere und mittlere Feuerungsanlagen mit einem Anteil von rund 48 Prozent.

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Kohlendioxid spielt eine große Rolle

Nach Angaben aus dem Landeskataster spielte bei Emissionen aus dem Straßenverkehr das CO2 im Vergleich mit anderen Emissionen wie Kohlenmonoxid (CO), Stickoxide (NOX) sowie Staub, Aufwirbelungen und Abrieb sowohl im Landkreis wie auch in den fünf Kommunen zu rund 99 Prozent die größte Rolle. Die erheblichsten Belastungen in der Region wiesen Stühlingen (2014: 4959 Einwohner) und Bonndorf (6861 Einwohner) sowie Ühlingen-Birkendorf (5121 Einwohner) auf (siehe Info-Box). Grafenhausen (2213 Einwohner) und Wutach (1215 Einwohner) hatten im Vergleich mit diesen drei Kommunen doch deutlich geringere CO2-Emissionen zu ertragen.

Die meisten CO2-Emissionen des Straßenverkehrs verursachten in diesen Kommunen die Personenfahrzeuge. Stühlingen (15501 Tonnen) lag vorne, Bonndorf wies etwas mehr als die Hälfte der Hohenlupfenstadt auf, Ühlingen-Birkendorf rund 38 Prozent des Stühlinger Werts. In Grafenhausen war es nicht ganz ein Fünftel und in Wutach rund ein Siebtel des Stühlinger Werts.

Leichte und schwere Nutzfahrzeuge hinterließen in Stühlingen 6270 Tonnen
CO2-Emissionen, in Bonndorf waren es gut ein Drittel dieses Werts, in Ühlingen-Birkendorf knapp ein Fünftel, in Grafenhausen acht Prozent und in Wutach etwas mehr als ein Zehntel. Motorräder bliesen in Stühlingen 160 Tonnen, in Bonndorf etwa 84 Prozent dieses Werts, in Ühlingen-Birkendorf rund sechs Zehntel, in Grafenhausen etwa 28 Prozent und in Wutach knapp 22 Prozent aus dem Auspuff.

Kohlenmonoxid und Stickoxide in erheblichem Umfang

An weiteren Abgasen der Verbrennungsmotoren aus dem Straßenverkehr in der Region Bonndorf traten aus den Auspuffrohren aus das stark giftige Kohlenmonoxid (CO) sowie auch Stickoxide (NOX). Auch hier, wie beim CO2, findet sich im kommunalen Vergleich die gleiche Rangfolge: Stühlingen wies eine Summe aus CO und NOX von insgesamt 114 Tonnen auf, Bonndorf im Vergleich rund sieben Zehntel, Ühlingen-Birkendorf knapp die Hälfte, Grafenhausen rund ein Fünftel und Wutach schließlich etwa ein Sechstel.

Emissionen aus dem Straßenverkehr wie Staub sowie Aufwirbelungen und Abrieb können Menschen ebenso gesundheitlich belasten. Stühlinger Einwohner mussten 2014 davon 15 Tonnen ertragen, die Bonndorfer mit sieben Tonnen deutlich weniger, die Ühlingen-Birkendorfer fünf Tonnen, die Grafenhausener drei Tonnen und die Wutacher zwei Tonnen.

Die Emissionen sämtlicher Fahrzeuge, die durch oder an diesen fünf Kommunen des Landkreises Waldshut vorbei fuhren, können auf die jährliche Fahrleistung in Kilometer umgerechnet werden. Ein hypothetischer Wert, der allerdings ein anschauliches Bild der Verkehrsbelastung bietet. Der Straßenverkehr auf der Gemarkung Stühlingen brachte es demnach umgerechnet auf rund 68,51 Millionen Kilometer Fahrleistung (etwa 1713 mal rund um den Äquator), in Bonndorf auf etwa 38,88 Millionen Kilometer (972 mal rund um den Äquator), in Ühlingen-Birkendorf auf rund 30,7 Millionen Kilometer (767,5 mal rund um den Äquator), in Grafenhausen auf 14,63 Millionen Kilometer (rund 366 mal rund um den Äquator) und in Wutach auf 10,05 Millionen Kilometer (rund 251 mal rund um den Äquator).

Der Straßenverkehr setzt sich in all diesen Kommunen wohl überwiegend zusammen aus dem Durchgangsverkehr, aber auch Individualverkehr trägt seinen Teil zu Emissionen bei. Das unterschiedlich starke Verkehrsaufkommen lässt sich schließlich auch durch die Bedeutung der Straßeninfrastruktur, wenigsten teilweise, erklären.

Wichtige Verkehrsadern führen durch die Region

Diese Straßeninfrastruktur verbindet den Hochrhein über die nordwestlich führenden Straßenachsen B 315, L 157, L 159 und L 169 sowie die K 6510 mit anderen Städten und Gemeinden im Südschwarzwald. Durch Bonndorf führt die wichtige B 315, die den Hochrhein mit der B 31 bei Titisee-Neustadt verbindet . Grafenhausen wird von der L 157 tangiert, die auch Ühlingen-Birkendorf trifft. Zudem gibt es in Birkendorf Verbindungsverkehr auf der K 6593 und der K 6517 zur L 159, eine wichtige Verbindung zur B 314. Durch Münchingen und Ewattingen führt schließlich die L 171 als bedeutende Ost-West-Achse zur B 31 bei Döggingen. Durch Lembach führt die K 6510 vom Hochrhein kommend. Stühlingen wird von der mit rund drei Millionen Fahrzeugen jährlich stark befahrenen B 314 tangiert, die L 169 führt schließlich direkt durch die Stadt in Richtung der B 315.

Im Rahmen des Emissionskatasters Baden-Württemberg aus dem Jahr 2014 wurden verschiedene Typen von Emissionen für alle wesentlichen Quellen natürlichen und anthropogenen Ursprungs erfasst. Es sind dies neben dem Straßenverkehr auch kleine und große Feuerungsanlagen, Industrie und Gewerbe, biogene Systeme (Landwirtschaft, Nutztierhaltung, Böden, Vegetation, Gewässer) sowie sonstige technische Einrichtungen (Abfallwirtschaft, Abwasserreinigung, Produktanwendung, Gasverteilung, Geräte und Maschinen).

Getrennt nach einzelnen, für die Emissionen verantwortlichen Quellengruppen wurden die Jahresemissionen der relevanten Stoffe und der Stoffgruppen (neben den bereits aufgeführten Stoffen unter anderem auch Schwefeldioxid SO2, Methan CH4 und Ammoniak NH3) durch die Baden-Württembergische Landesanstalt räumlich differenziert untersucht und ausgewertet.

Die Daten des Emissionskatasters der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) sollen eine Arbeitsgrundlage darstellen für kommunale Planungen wie etwa die Bauleitplanung. Die nun vorliegenden Daten aus dem Erhebungsjahr 2014 unterstützen die Kommunen schließlich auch bei der systematischen Beobachtung von umgesetzten Luftreinhaltemaßnahmen. Die Daten werden seit 1995 regelmäßig und seit 1998 alle zwei Jahre von der LUBW erhoben und in einem Landeskataster zusammengestellt.

Weitere Informationen unter https://ekat.lubw.baden-wuerttemberg.de/

Autor: Stefan Limberger-Andris