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01. Juni 2010

Ohne Bienen kein Obst und Gemüse

Imker schlagen Alarm / Herbe Völkerverluste bereiten große Sorgen / Fehlendes Nahrungsangebot durch monotone Landschaften.

  1. Die Honigbiene ist in Gefahr. Nahrungsmangel bereitet dem fleißigen Insekt Probleme. Foto: ddp

BONNDORF UND UMLAND. Die Bienen sind in Gefahr und mit ihnen die ganze Artenvielfalt und die Bestäubung der Blüten, die wiederum Voraussetzung dafür ist, dass sich Früchte entwickeln können. Ohne Bienen kein Obst und kein Gemüse – die fleißigen Insekten leisten weit mehr für die Gesellschaft als nur deren Versorgung mit leckerem Honig.

Schädlinge, Krankheiten und Nahrungsmangel machen den Bienen in jüngster Zeit das Leben schwer, was wiederum dem Imkern große Sorgen bereitet, wie jetzt auch in der Hauptversammlung der Bonndorfer Imker deutlich wurde. "Wir hatten herbe Völkerverluste zu beklagen", sagte Vorsitzender Ralf Albert, rund 50 Prozent der Bienenvölker hätten den Winder nicht überlebt, in manchen Regionen gingen die Verluste sogar bis 90 Prozent.

Als Grund für das Bienensterben machten Ralf Albert und sein Imkerkollege aus Ewattingen, Christoph Kuttruff, im Gespräch mit der Badischen Zeitung mehrere Faktoren aus. Zum einen ist da nach wie vor die Varroa-Milbe, die große Probleme bereitet. Zum anderen machten die Imker aber auch eine Überzüchtung der Bienen, fehlendes Nahrungsangebot durch Monokulturen und ein Mangel an Blumenwiesen sowie eine allgemeine Schwächung des Insekts durch Insektizide und Pestizide verantwortlich. "Die Bienen finden keine Nahrung mehr, vor allen Dingen fehlt ein vielseitiges Pollenangebot", erläuterte Kuttruff und fügte an: "Die Tiere hungern, die Königin verringert ihre Brutarbeit, die Völker schrumpfen, werden krankheitsanfälliger, bis schließlich keine Überlebensgrundlage mehr vorhanden ist."

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"Wir können die Bestäubungssicherheit nicht mehr gewährleisten."

Christoph Kuttruff
Klar ist, dass hier der Strukturwandel in der Landwirtschaft eine entscheidende Rolle spielt: großflächige Monokulturen, frühes Silieren, Einsatz von Spritzmitteln. Den "Schwarzen Peter" wollen Ralf Albert und Christoph Kuttruff aber nicht den Bauern in die Schuhe schieben. "Die Bauern müssen wirtschaftlich arbeiten, um selbst über die Runden zu kommen", betonen die Imker ausdrücklich, dass die Existenzsicherung der Bienenvölker nicht auf dem Rücken der Landwirte ausgetragen werden dürfe. In der Pflicht sehen die Imker vielmehr die Politik. Der Gesetzgeber habe es in der Hand, gegen zu steuern und zwar mit entsprechenden Programmen, mit denen Landwirte entschädigt werden, wenn sie (zumindest in Teilbereichen) ihre Bewirtschaftungsweise zu Gunsten der Artenvielfalt und somit auch der Bienen umstellen. Große Bedeutung messen die Imker auch den Ackerrandstreifen zu, die als Verbindungsglieder zu den Trachtfeldern wichtig sind. Auch Kommunen und Privatleute könnten ihren Beitrag leisten, indem man in öffentlichen Anlagen und Gärten auf "Englischen Rasen" verzichtet, und den Wildblumen eine Chance lässt, Blüten zu entwickeln. "Wir müssen auf die Probleme hinweisen", so Ralf Albert und Christoph Kuttruff, denn in der jetzigen Situation könnten die Imker die Bestäubungssicherheit nicht mehr gewährleisten. "Die Biene ist das drittwichtigste Nutztier auf der Welt", machte Ralf Albert auch auf die dramatischen Folgen aufmerksam, die ein Fehlen der Bienen für die Lebensmittelproduktion hätte. "Bis zu 80 Prozent aller Blühpflanzen werden von der Honigbiene bestäubt", ergänzte hierzu Christoph Kuttruff. Und was den Bienen schadet, ist auch für andere Insekten und Tiere nicht gerade förderlich. "Auch die Artenvielfalt leidet", so die Imker, "und das ganze Ökosystem wackelt."

Vor diesem Hintergrund wollen die Bonndorfer Imker, die im übrigen auch beklagen, dass die Zahl der Imker zurückgeht, in nächster Zeit einige Aktionen auf die Beine stellen. Mit Infoständen wollen die Bienenhalter die Allgemeinheit auf die Probleme aufmerksam machen.

"Es darf einfach nicht soweit kommen, wie es in Amerika teilweise schon der Fall ist", betonten Ralf Albert und Christoph Kuttruff. Im "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" wurden die Honigbienen großflächig schon so weit verdrängt, dass eine Bestäubung von zur Lebensmittelproduktion angebauten Pflanzen gar nicht mehr stattfindet. Die dortigen Bauern müssen Wanderimker bestellen und natürlich auch bezahlen bezahlen, um überhaupt noch eine Ernte einfahren zu können.

Autor: Juliane Kühnemund