Nach Erdrutsch

Starkstrommast am Rande der Wutachschlucht gefällt

Stefan Limberger-Andris

Von Stefan Limberger-Andris

Mi, 15. März 2017 um 09:56 Uhr

Bonndorf

Ein dumpfer Schlag, ein leichtes Zittern: Der absturzgefährdete Strommast an der Wutachschlucht liegt nun auf einem Acker bei Bonndorf-Boll. In einer Großaktion musste der Koloss gefällt werden.

Ein dumpfer Schlag, ein leichtes Zittern – um 11.15 Uhr liegt der bis zu fünf Tonnen schwere und 21 Meter hohe Koloss auf dem landwirtschaftlichen Acker bei Boll (Fotos). Aufatmen bei Netze BW-Teamleiter Alexander Zapf. Die einwöchige, nervenaufreibende, kritische Arbeit an dem absturzgefährdeten Hochspannungsmast an der Wutach ist beendet.



65 Minuten lang ist die Hochspannung unter allen Beteiligten und besonders unter den Arbeitern der Netze BW deutlich zu spüren. Auch Stadtförster Steffen Wolf und Wutachranger Martin Schwenninger sind angespannt. Bis um 10 Uhr ist das Gelände um den Hochspannungsmast an der Südschulter der Wutachschlucht großräumig abgesperrt, die Stahlseile einer Doppeltrommelseilwinde eines Forstschleppers mit zwei der von dem Stahlriesen herabhängenden Leiterseile verknüpft. Zweimal sechs bis acht Tonnen Zug hat der Schlepper, die Isolatoren und die daran hängenden Leiterseile können jeweils bis zu zehn Tonnen aufnehmen.

Ab 10.10 Uhr züngelt erstmals der Schweißbrenner auf, ein Fachmann lässt die Flamme Zoll um Zoll sich durch die vier Stahlsockel fressen. 20 Meter weiter stehen Männer in gespannter Bereitschaft, ein weiterer findet sich in der Schlucht, um das Geschehen zu beobachten. Zwischen ihm, dem Schweißer und dem Mann am Forstschlepper herrscht Funkkontakt.

In mehr als 25 Jahren seiner Tätigkeit habe er so etwas noch nicht erlebt, kommentiert Netze BW-Teamleiter Alexander Zapf die Arbeiten. Der Mast steht seit 2011 an seinem Standort – eigentlich konzipiert für 80 bis 100 Jahre.



Derweil züngeln Flammen auf dem trockenen Rasen neben dem bis zu zwölf Meter tiefen und 300 Tonnen schweren Betonfundament auf – Funkenflug hat trockenes Gras entzündet. Ein Netze BW-Mitarbeiter eilt mit einer Schaufel herbei, klopft die Flammen aus. Ein Vorgang, der sich in den nächsten Viertelstunden mehrmals wiederholt, bis nur noch ein Feuerlöscher hilft. Löschpulver verhüllt für kurze Momente die Szene.

Auf rund eine Million Euro schätzt Alexander Zapf die Kosten der kompletten Maßnahme – also die Absicherungsmaßnahmen, das Fällen und Zerlegen sowie die Planungen zum Versetzen des Masts. Aufwendig allein schon die Arbeiten mit einem Dutzend Männer seit Dienstag vergangener Woche: Sicherung der Abspann- und der Tragmasten, das Ablassen der sechs 565 Meter langen Leiterseile und des Blitzschutzseils, die Bereitstellung der Infrastruktur (Forstschlepper, Gasflaschen, Schweißbrenner), die Fällaktion.

Drei Strommasten sollen nun versetzt werden

Immer mal wieder hört man aus 50 Meter Entfernung ein Knacken des Stahlkolosses. Fällt der Riese? Die Sekunden und Minuten vergehen, die Anspannung unter den Zuschauern steigt. Und dann springt der am Boden kauernde Schweißer unvermittelt auf, seine Order per Funk, das Seilwindenstahlseil zu spannen, ist zu hören. Die Spitze des Stahlriesen schwankt, zunächst nur leicht, dann deutlich. Es knackt nochmals und der Mast senkt sich dem Erdboden entgegen. Nach dem Aufschlag wenige Momente Stille in der Runde der Zuschauer, dann Klatschen alle. Ja, es sei eine Herausforderung gewesen, wird der Schweißer wenig später Alexander Zapf erzählen. Er habe höllisch achtgeben müssen – nicht nur auf den Stahlriesen, auch auf die Betonschuhe des Masts, die heiß geworden seien.

Und wie geht es weiter? Es werden in den nächsten Tagen die bereits im August 2016 überprüften Maßnahmen zum Versetzen dreier Masten um bis 50 Meter nochmals überprüft. Falls die bisherige Planung Bestand habe, könne noch in diesem Jahr der entstandene Lückenschluss auf der Hochspannungstrasse Gurtweil – Villingen geschlossen werden. Vorgesehen sei, den Trassenverlauf beizubehalten, die Wutachschlucht auf den 565 Metern plus des Mastversatzes zu überspannen. Allgemein technisch machbar seien bis zu 1000 Meter.

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