Vandalismus

Brandanschlag auf Gerichtseiche: Künstler Thomas Rees ist schockiert

Martin Pfefferle

Von Martin Pfefferle

Mi, 04. Januar 2017 um 14:20 Uhr

Ballrechten-Dottingen

Die Brandstiftung in der Silvesternacht, der die Gerichtseiche in Ballrechten-Dottingen zum Opfer fiel, hat viele schockiert. Auch den Künstler Thomas Rees, der sich vor Ort ein Bild machte. Doch er hat auch schon wieder neue Ideen.

Die Gerichtseiche, die in der Silvesternacht Brandstiftern zum Opfer fiel, war von Thomas Rees gestaltet worden. Der Freiburger Künstler hat sich in der Zwischenzeit selbst ein Bild von dem Schaden gemacht und diesen in Fotos festgehalten. Die gute Nachricht: Thomas Rees überlegt sich, ob aus den Resten der geschnitzten Gerichtseiche wieder ein Kunstwerk an selber Stelle entstehen kann. Diese Überlegungen seien aber noch ganz am Anfang. "Ich muss auch mit den Ballrechten-Dottingern darüber reden", sagt Rees.

Rees ist "schockiert und traurig"

Der Brandanschlag, der offensichtlich – siehe Foto – mit Feuerwerkskörpern begangen wurde, hat Rees "schockiert und traurig gestimmt". Er vermutet eine Mischung aus "Frust, Dummheit und Alkohol" hinter der Tat. In dem Hohlraum der Eiche seien "Batterien von Feuerwerkskörpern" deponiert worden. Schade sei, dass das Objekt in dieser Form unwiederbringlich verloren sei.

An die Entstehungszeit vor ziemlich genau zehn Jahren erinnert sich Rees noch gut. Los ging es im Winter 2007. Rees war beeindruckt von Größe und Alter der Eiche.

"Es ist eines der bekanntesten Objekte von mir." Thomas Rees
Aus Sicherheitsgründen wurde der Baum stark zurückgeschnitten. Im Mai 2007 fand eine große Eröffnungsfeier statt. "Es ist eines der bekanntesten Objekte von mir", meint Rees, von dem auch die Lehrerskulptur vor der Sonnenbergschule stammt. Deren Holz stammt ebenfalls von der Gerichtseiche auf dem Castellberg. Zunächst nahm Rees im Hinblick auf sein Kunstwerk Skepsis in Ballrechten-Dottingen wahr. Später sei daraus Begeisterung und gar Euphorie geworden. Jetzt seien die Menschen betrübt und entsetzt.

Das spiegelt sich auch auf der Facebook-Seite BZ Markgräflerland, wo die Meldung von der verbrannten Gerichtseiche einige Beachtung fand. Ein "Gefällt mir" gab es dafür nicht, dafür etliche Reaktionen die für Wut und Trauer stehen. "So unnötig, schade!", lautet ein Kommentar, ein anderer: "Laufen eigentlich nur noch Irre herum? Es ist nicht zu fassen."

Eiche war Treffpunkt für Feste, Ausflüge und Liebende

Auf seiner Homepage setzt sich Thomas Rees ausführlich mit der Entstehungsgeschichte der geschnitzten Gerichtseiche auseinander, die für ihn berührend und interessant gewesen war. Allein der Standort der Eiche sei ein besonderer. Die Eiche sei "seit Menschengedenken Treffpunkt für Festlichkeiten, Ausflüge und Liebende" und habe Schutz geboten unter der mächtigen Krone. Dass es sich um eine Gerichtseiche handelte und dort Urteile vollstreckt wurden, bezieht sich auf mündliche Überlieferungen.

Die mehr als 400 Jahre alte Eiche mit einem Umfang von sieben Metern war schon lange vor der Umgestaltung durch Thomas Rees abgestorben, sie sollte eigentlich entfernt werden. Thomas Rees spricht von einer aufgeschlossenen und unternehmungsfreudigen Gemeinde, die dazu beigetragen habe, dass der Baum "auf eine etwas andere Art" erhalten worden sei. Bis jetzt.

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