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18. Mai 2016 17:17 Uhr

Juliana Ezima sucht eine Wohnung und einen Job

Auch für gut ausgebildete Flüchtlinge ist es nicht einfach, in der Region eine Arbeit zu finden

Wie ist es um die Integration von Flüchtlingen in die südbadische Arbeitswelt bestellt? Arbeitsagentur, Wirtschaftskammern, Unternehmen und Behörden, Helferkreise und Kirchen und natürlich die betroffenen Asylbewerber selbst kümmern sich darum. Bislang jedoch mit bescheidenem Erfolg. Am Beispiel der Nigerianerin Juliana Ezima, die in Breisach lebt, lässt sich aufzeigen, wie die alltäglichen Sorgen um Ausbildung, Arbeitsplatz und Wohnungssuche aussehen.

  1. Seit zehn Monaten lebt Juliana Ezima in Breisach. Als Flüchtling kam sie aus Nigeria und erlebt jetzt, wie hoch die Hürden für eine berufliche Ausbildung oder einen Arbeitsplatz in Deutschland sind. Rosita Blankenstein vom Breisacher Helferkreis unterstützt die 30-Jährige bei ihrer Integration in Südbaden. Foto: Kai Kricheldorff

Schon drei Sprachkurse absolviert
Die 30-jährige Nigerianerin lebt in der Gemeinschaftsunterkunft in der Kettengasse auf dem Breisacher Münsterberg. In ihrem Heimatland hat sie ein Bachelorstudium in angewandter Chemie abgeschlossen. Sie kann auf unterschiedliche Berufserfahrungen zurückgreifen. Als Juliana Ezima nach ihrer Flucht vor zehn Monaten in Breisach landete, fiel es ihr nicht schwer, im A1-Sprachkurs bei der Arbeitsagentur in Freiburg die ersten Grundbegriffe der deutschen Sprache zu erlernen. Den darauffolgenden A2-Kurs besuchte sie gar nicht erst, sondern bestand ihn online. Jetzt steht sie vor dem Abschluss des B1-Sprachkurses. Damit kann sie sich um einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz bewerben.

Erste Bewerbungen sind verschickt
Die ersten Bewerbungsschreiben hat sie schon abgeschickt. "Antworten sind darauf noch nicht eingegangen", sagt Juliana. Wie viele ihrer Landsleute ist sie zweisprachig, mit dem in Nigeria gesprochenen Igbo und Englisch, aufgewachsen. Den schnellen Wechsel von einer Sprache in die andere ist sie gewohnt. Eine gute Voraussetzung zum Deutschlernen also. Juliana versteht sehr viel und es scheint absehbar, dass sie die Hemmnisse beim Sprechen bald überwunden haben wird. Jetzt beginnt sie mit dem Sprachkurs B2.

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In Deutschland wird ihr in Nigeria absolviertes Studium nur teilweise anerkannt. Für die Zulassung zum Masterstudium müsste sie einzelne Kurse im Fach Chemie nochmals belegen. Eine Studienzulassung ist für Asylbewerber nur dann möglich, wenn sie Sprachprüfungen höherer Niveaustufen bestanden haben. Das hänge jeweils vom Studienfach und der gewählten Hochschule ab, so Naomi Hiroe-Helbing, die das International Office der Katholischen Hochschule Freiburg leitet und die dort immatrikulierten ausländischen Studierenden betreut. Vorgaben von Arbeitgebern über den Nachweis deutscher Sprachkenntnisse bei Ausbildungen oder Einstellungen seien immer branchen- und aufgabenbezogen und daher sehr unterschiedlich, so ihre Erfahrung.

Kurs zur Pflegeassistentin
Aber Juliana Ezima strebt nicht vorrangig einen Studienplatz an. Gerne würde sie auch in der Chemie- oder Pharmabranche arbeiten oder eine Ausbildung als Chemielaborantin beginnen. Mit Unterstützung der Agentur für Arbeit hat sie sich jetzt bei einer Reihe von Unternehmen beworben. Bei den Johannitern in Freiburg belegte sie im Herbst 2015 einen dreimonatigen Ausbildungskurs als Pflegeassistentin. Diese Erfahrung führte zu der Erkenntnis, dass dieses Berufsfeld weniger ihren Neigungen und Interessen entspricht. "Am liebsten möchte ich in einem Feld arbeiten, das meinen Studien- und Arbeitserfahrungen entspricht", erklärt die ambitionierte junge Frau.

Gekennzeichnet ist ihr Alltag von den Fahrten nach Freiburg, um den Sprachkurs zu besuchen und sich in der Arbeitsagentur um ihr berufliches Fortkommen zu kümmern. "Deutschlernen und Arbeiten lässt die Zeit schneller vergehen und lenkt von den Zukunftssorgen ab, die wir natürlich alle haben", sagt Juliana Ezima. Sonntags besucht sie in Freiburg den Gottesdienst der Pfingstgemeinde, wo sie viele andere Afrikaner trifft.

Enger Kontakt zum Helferkreis
In der Münsterstadt hält sie engen Kontakt zu dem Viererteam des Breisacher Helferkreises, das die Bewohnerinnen in der Unterkunft Kettengasse betreut. Eine von ihnen ist Rosita Blankenstein, die Juliana seit dem Tag ihrer Ankunft auf dem Münsterberg kennt. "Sie würde auch gern in eine Wohnung ziehen, allein oder mit einer Freundin", verrät Blankenstein. Eigentlich müssen Flüchtlinge mindestens 24 Monate in der Gemeinschaftsunterkunft bleiben, bis sie eine eigene Wohnung beziehen dürfen. Sind sie aber gut integriert und liegt eine besondere Schutzbedürftigkeit vor, werden Ausnahmen gemacht, so die Betreuerin.

Schwierige Wohnungssuche
Juliana Ezima liest regelmäßig die Wohnungsangebote in den Zeitungen und hat auch schon einige Bewerbungen abgeschickt, wenngleich ohne Erfolg. Einen möglichen Grund dafür sieht Rosita Blankenstein darin, dass die beim Landratsamt zu beantragende Zustimmung für den Mietvertrag oftmals sehr lange auf sich warten lässt. Manchmal seien das zwei Monate, so lange wolle natürlich kein Vermieter warten. "Bei der angespannten Wohnungssituation in unserer Region sind Flüchtlinge davon besonders betroffen", beklagt die Betreuerin vom Helferkreis. Juliana hört gerne Musik und singt auch selbst. Sie hofft darauf, bald in einem Breisacher Chor mitsingen zu können.

Autor: Kai Kricheldorff