Entdeckung einer Breisacher Malerin

Ausstellung mit Bildern von Lilli Gässler

kff

Von kff

So, 01. Mai 2016 um 16:25 Uhr

Breisach

Eine Sonderausstellung im Breisacher Stadtmuseum präsentiert erstmals Bilder der 2014 verstorbenen Malerin und Kunstlehrerin Lilli Gässler einer breiteren Öffentlichkeit.

BREISACH. Lilli Gässler (1936 - 2014) arbeitete bis 2001 fast zwei Jahrzehnte lang als Kunstlehrerin am Breisacher Theresianum. Was nur wenige wussten: Sie war auch eine leidenschaftliche, gut ausgebildete Malerin, die ein breites Werk an Gemälden und Zeichnungen hinterließ. Dieses blieb, so der Wunsch der Künstlerin, dem Blick der Öffentlichkeit allerdings weitgehend verborgen. Einen kleinen Ausschnitt ihres künstlerischen Nachlasses zeigt nun eine Sonderausstellung, die am Freitag im Museum für Stadtgeschichte am Rheintor eröffnet wurde.

Studium an der Akademie
In der Ausstellung, zu deren Vernissage frühere Lehrerkolleginnen, ehemalige Schüler und Schülereltern sowie Nachbarn, Bekannte und Kunstfreunde zusammenkamen, gilt es also eine Frau als Malerin zu entdecken, die viele in einem anderen Kontext kannten. Lilli Gässler, deren Kindheit von den Wirren von Krieg und Nachkriegszeit, mit Flucht, Not und mühevollem Wiederaufbau geprägt war, wurde als junge Frau Grundschullehrerin. Im Alter von 32 Jahren begann sie an der Außenstelle Freiburg der Kunstakademie Karlsruhe ein Malereistudium. Ihr Lehrer, Peter Dreher, wird heute zu den wichtigsten deutschen Malern der Nachkriegszeit gerechnet.

Humorvolle Details
Stillleben, Landschaften, ein paar Seestücke in Öl und Acryl zeigt die Ausstellung im Museum für Stadtgeschichte. In ihrer farbigen Stimmigkeit, oft auch in kleinen, teils humorvollen Details, nehmen diese Bilder den Betrachter gefangen. Sie konzentrieren sich keinesfalls streng auf eine Stilrichtung, verraten aber vor allem, dass hier eine sehr talentierte, ernsthafte Künstlerin am Werk war. Dieser Eindruck verdichtet sich beim Betrachten der Ansichten von Gefäßen, Tüten oder auch Knoten, von Obst Gemüse, Blättern, Federn oder Muscheln. Denkbar, dass Lilli Gässler sie lediglich als Studien angefertigt hat, quasi als malerische Fingerübungen, mit denen sie ihren perfektionistischen künstlerischen Anspruch so weit wie möglich umzusetzen suchte. Während der letzten Schaffensjahre hat sie überwiegend "alla-prima" gemalt. Also ihre Bilder ohne Vorzeichnung auf die Leinwand gesetzt.

Eine Annäherung an das malerische Werk von Lilli Gässler unternahm die Kunsthistorikerin Sibylle Neumann-Gäßler von der Universität Oldenburg. Die Schwägerin der Künstlerin (in der Familie werden unterschiedliche Schreibweisen des Nachnamens verwendet) ging auf die Naturverbundenheit der Malerin und ihre intensive Beschäftigung und kritische Reflexion über Religionen ein. "Sie war selbstkritisch und sehr anspruchsvoll gegenüber ihrem eigenen Werk", sagte Neumnann-Gäßler. Eine Haltung, die es Lilli Gässler verbot, ihre Bilder auszustellen oder sich gar dem Kunstmarkt zu öffnen. "Sie blieb frei und unabhängig und kämpfte vorrangig mit ihren eigenen Ansprüchen", so die Schwägerin.

Umfangreicher Nachlass
Erst nach dem Tod der Künstlerin erfuhr Museumsleiter Uwe Fahrer von der Fülle des qualitätsvollen Schaffens der Breisacherin. In Zusammenarbeit mit Sibylle Neumann-Gäßler organisierte er die Übernahme des Nachlasses von Lilli Gässler durch das Museum und nahm die Auswahl der Arbeiten vor, die in der sehenswerten Ausstellung – übrigens auf neuen Schauwänden – jetzt zu sehen sind. "Am Fuße ihrer Wirkungsstätte, dem Theresianum zeigen wir die Bilder von Lilli Gässler", freute sich Gemeinderat Werner Schneider, der für die Stadt Breisach auf der Vernissage ein Grußwort sprach. Das Stadtmuseum, das 2016 sein 25-jähriges Bestehen feiern kann, zählte bislang 175 000 Besucher, stellte Schneider fest.

Die luftige Leichtigkeit, die aus vielen Bildern der Künstlerin heraus scheint, fand bei der Vernissage ihr klangliches Pendant in der Musik des Flötentrios "Quergetaktet" mit Silke Mutschler, Myriel Göpfert und Catrin Müller.

Die Sonderausstellung mit Bildern von Lilli Gässler zeigt das Museum für Stadtgeschichte in Breisach, Rheintorplatz 1 bis zum 3. Juli.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 14 bis 17 Uhr; Samstag, Sonntag und Feiertage, 11.30 bis 17 Uhr