Größte Erzeugerkellerei Badens

Badischer Winzerkeller steigert seinen Umsatz und Absatz 2017 deutlich

Gerold Zink

Von Gerold Zink

Mi, 18. Juli 2018 um 21:00 Uhr

Breisach

Der Aufwärtstrend bei der Breisacher Kellerei hält an. Davon profitieren auch die Winzer. Der Badische Winzerkeller erhöht nach dem erfolgreichen Geschäftsjahr 2017 auch die Auszahlungspreise.

Der Aufwärtstrend beim Badischen Winzerkeller, der größten Erzeugerkellerei Badens, hat auch im Geschäftsjahr 2017 angehalten. Wie der Vorstandsvorsitzende Peter Schuster bei der Jahreshauptversammlung am Mittwoch in Breisach erklärte, sind Umsatz und Absatz stärker als erwartet gestiegen. Bei der Auszahlung an die Winzer erhöhte sich der Kilopreis um 4 Prozent. Auch für 2018 zeigte sich Schuster optimistisch.

Erfolgreich im umkämpften Markt
Deutschland ist nach wie vor weltweit der mit Abstand größte Importmarkt für Wein. Mittlerweile stammen mehr als 50 Prozent der in der Republik konsumierten Tropfen aus dem Ausland. Dagegen ist der Anteil der badischen Weine leicht gesunken. Da der Pro-Kopf-Verbrauch stagniert, ist das Geschäft mit dem Wein ein harter Verdrängungswettbewerb. In diesem kann sich der Badische Winzerkeller derzeit gegen den Trend nicht nur behaupten, sondern Marktanteile hinzugewinnen.

Für Schuster gibt es dafür vor allem drei Gründe: die personelle Aufstockung des Vertriebs, die Erhöhung der Qualität der Weine und die Konzentration im Sortiment auf starke Marken. Nachdem 2015 beim Umsatz mit einer Steigerung um 1,5 Prozent erstmals der negative Trend gestoppt werden konnte, erhöhte sich der Umsatz 2016 um 2,1 Prozent und 2017 sogar um 6,2 Prozent von 42,2 auf 44,8 Millionen Euro. Der Weinabsatz stieg 2017 um 8,5 Prozent von 14,6 auf 15,85 Millionen Liter. Der Durchschnittserlös je Liter Wein gab leicht von 2,90 auf 2,87 Euro nach. Der Bestand im Keller verringerte sich durch die kleine Ernte 2017 um 4,7 auf 21,9 Millionen Liter. Die Rebfläche sank von 1741 auf 1708 Hektar. Schuster wies jedoch darauf hin, dass der Rückgang alleine auf die Aufgabe von Flächen von zumeist älteren Mitgliedern zurückzuführen sei. Es habe keine Kündigung einer Mitgliedsgenossenschaft gegeben. Im Gegenteil: "Wir bekommen vermehrt Anfragen von Winzern, die Mitglied bei uns werden wollen. Wir sind offen dafür", sagte der Vorstandsvorsitzende.

Starke Marken
Erfolgreich war der Badische Winzerkeller 2017 vor allem mit seinen Marken. Nach Angaben von Schuster und Marketingleiter Christof Joos legte alleine die Linie Martin Schongauer um 16 Prozent zu. Bei den Heinrich-Hansjakob-Weinen betrug die Steigerung 2 Prozent und bei der Sekt-Linie Schloss Munzingen konnte die Verkaufszahl gehalten werden, obwohl der deutsche Sektmarkt laut Joos um acht Prozent einbrach. Mit seinen drei stärksten Marken erwirtschaftet der Winzerkeller rund 25 Prozent seines Umsatzes.

Zudem seien die Ende 2016 auf den Markt gebrachten Gosch-Weine die erfolgreichste Neueinführung des Badischen Winzerkellers in den vergangenen 20 Jahren. 2017 seien davon bereits an die 140 000 Flaschen abgesetzt worden, vor allem im Norden der Republik. "Mit zunehmender Tendenz", fügte Joos hinzu.

Schließlich sei ein neues Sonnenwein-Sortiment kreiert worden, angelehnt an die Bezeichnung "Die Sonnenwinzer", die die Macher des Badischen Winzerkellers für sich unlängst entdeckt haben. Der Auftritt als Sonnenwinzer komme bei den Einkäufern des Handels und den Endverbrauchern sehr gut an, sagten Schuster, Joos, das Vorstandsmitglied Eckart Escher und Unternehmenssprecher Henning Johanßen unisono.

Von der Masse zur Qualität
Noch bis vor einigen Jahren galten die Weine des Badischen Winzerkellers im Handel vor allem als "Massenware", wie Schuster bei einem Pressegespräch freimütig einräumte. Dies habe sich in den vergangenen Jahren jedoch stark verändert. So sei der Badische Winzerkeller nicht nur bei der Landesweinprämierung des Badischen Weinbauverbandes 2016 und 2017 als bester Betrieb ausgezeichnet worden, auch bei anderen Wettbewerben wie der Bundesweinprämierung, dem Gutedel-Cup und dem Internationalen Grauburgunderpreis hätten Weine aus dem Winzerkeller vordere Plätze belegt.

Dies erleichtere die Verkaufsgespräche mit dem Handel. Dieser nehme sehr wohl wahr, dass sich die Qualität der Winzerkeller-Weine deutlich erhöht habe. So habe der Betrieb 2017 alleine im Lebensmittelhandel und im Discount 10,3 Prozent mehr Weine abgesetzt als 2016 und gegenüber 2015 sogar 17 Prozent.

Freude über positiven Wandel
Schuster dankte in diesem Zusammenhang nicht nur den beiden Kellermeistern Jörg Wiedmann und Ottmar Ruf und ihrem Team, sondern vor allem auch den vielen Winzerinnen und Winzern, die sich immer mehr darum bemühten, dem Badischen Winzerkeller gutes Traubenmaterial zu liefern. Nicht nur bei den engagierten Mitarbeitern im Haus, sondern auch draußen im Weinberg bei den Weinbauern werde der positive Wandel des Unternehmens mit Freude registriert und weiter vorangetrieben. Nicht zuletzt hätten auch umfangreiche Investitionen in Technik, Tanks und Abfüllanlage die Qualität ein Stück weit vorangebracht.

Kleine Ernte hat Auswirkungen
Auch bei der Auszahlung an die Winzer hat der Badische Winzerkeller ehrgeizige Ziele. Für 2016 erhielten die Winzer je Hektar rund 9300 Euro, was in etwa dem badischen Durchschnitt entspricht. Für 2017 wollte Schuster keine Zahl je Hektar nennen, weil aufgrund der Fröste im Frühjahr die Menge bei der Ernte extrem unterschiedlich ausgefallen sei. "Wir haben Winzer mit 12 000 bis 13 000 Euro je Hektar, aber auch einige, die eine sehr kleine Ernte hatten und deshalb nur auf 5000 Euro je Hektar kommen", erklärte er. Generell habe der Winzerkeller jedoch je Kilogramm Trauben im Durchschnitt 4 Prozent mehr als im Vorjahr ausbezahlen können. Da die Erntemenge 2017 jedoch um rund 30 Prozent unter der von 2016 liege, sei klar, dass die Auszahlung insgesamt geringer ausgefallen sei. Schusters Ziel ist es jedoch, die Auszahlung in den kommenden Jahren über den badischen Durchschnitt zu heben.

Aufgrund der kleinen Ernte habe der Winzerkeller fast 1,5 Millionen Liter Wein bei anderen Genossenschaften sowie Weingütern hinzugekauft, um den Markt kontinuierlich beliefern zu können.

Die Kundenstruktur
Nach neuesten Erhebungen verkaufen in Deutschland die Discounter Aldi und Lidl rund 50 und große Lebensmittelketten wie Edeka und Rewe noch einmal zusammen 29 Prozent der im Land getrunkenen Weine. Das macht zusammen 79 Prozent aus. Insofern ist es nicht verwunderlich, dass der Badische Winzerkeller 80 Prozent seiner Tropfen an Lebensmittelhandel und Discount, 15 Prozent an Fachhandel, Gastronomie sowie in andere Länder und 5 Prozent vor allem über Weinhöfe an Endverbraucher verkauft. "Vor allem im Discount und Lebensmittelhandel haben wir ehemals verlorenes Terrain wieder zurückgewonnen", teilte Schuster erfreut mit. Auch 2018 sehe es bislang gut aus. Der Vorstandsvorsitzende hofft erneut auf eine kräftige Umsatzsteigerung.

Es wird weiter investiert
"Es gab Jahre beim Badischen Winzerkeller, da wurde nur sehr wenig investiert. Deshalb hatten wir einen Investitionsstau", sagt Schuster. Diesen habe man nun vor Jahren begonnen, Schritt für Schritt abzubauen. So seien unter anderem die Anlieferung der Trauben für die Mitglieder vereinfacht, eine neue Abfüll- und EDV-Anlage gekauft und neue Tanks und Pressen angeschafft worden. Derzeit würden jedes Jahr zwischen 2,5 und 3 Millionen Euro für die Modernisierung des Unternehmens ausgegeben, Geld, das aus dem operativen Geschäft erwirtschaftet werde. Schuster versteht den Badischen Winzerkeller auch als Dienstleister für andere Betriebe. So gebe es bereits Anfragen von Genossenschaften und Weingütern, ob die Breisacher Kellerei im Falle einer großen Ernte 2018 Trauben annehmen und zu Wein ausbauen könne.
Badischer Winzerkeller Geschäftsjahr 2017

Vorstand: Peter Schuster (Vorsitzender), Eckart Escher

Umsatz: 44,8 Millionen Euro (+6,2 Prozent)

Absatz: 15,85 Millionen Liter (Vorjahr 14,6 Millionen Liter)

Durchschnittserlös je Liter: 2,87 Euro (Vorjahr 2,90 Euro)

Traubengeld: plus 4 Prozent je Kilogramm

Ernte 2017: 12,2 Millionen Liter (Vorjahr 17,2 Millionen Liter)

Bestand zum 31.12.2017: 21,9 Millionen Liter (Vorjahr 26,6 Millionen Liter)

Mitglieder: 29 vollanliefernde und 22 teilanliefernde Genossenschaften mit rund 4000 Winzern

Rebfläche: 1708 Hektar (Vorjahr 1741 Hektar)

Kundenstruktur: 80 Prozent Lebensmittelhandel und Discounter, 15 Prozent Fachhandel, Gastronomie, Export, 5 Prozent Endabnehmer

Rebsortenspiegel: 43 Prozent Spätburgunder, 21 Prozent Müller-Thurgau, 12 Prozent Grauburgunder, 11 Prozent Weißburgunder, 2 Prozent Riesling, 11 Prozent sonstige Sorten