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13. Juni 2016 18:35 Uhr

Ein Ort für zwanglose Begegnungen

Breisacher und Flüchtlinge lernen sich im Café der Kulturen kennen

Zwanglose Begegnungen zwischen Mitgliedern des Breisacher Helferkreises und Flüchtlingen bietet jeden Donnerstag das Café der Kulturen im Gemeindehaus der evangelischen Martin-Bucer-Gemeinde.

  1. Begegnung, Erfahrungsaustausch und Lernen stehen im Mittelpunkt des Cafés der Kulturen, das jeden Donnerstag im Gemeindehaus der Breisacher Martin-Bucer-Gemeinde stattfindet. Hier kommen Flüchtlinge mit Breisachern zusammen. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. Bis zu 30 Bewohnerinnen und Bewohner der Behelfsunterkunft in der Murhau nehmen an den Treffen teil, darunter viele Familien mit ihren Kindern.

"Unser erstes Treffen fand im Dezember vergangenen Jahres, zwei Tage nach Eröffnung der Behelfsunterkunft statt, und bis heute gibt es einige Flüchtlinge, die von Beginn an bei unseren Treffen dabei sind", berichtet Barbara Driescher. Im Helferkreis leitet sie die Untergruppe "Café der Kulturen", einen Treffpunkt, in dem Kennenlernen, Begegnung und Kontaktaufnahme im Mittelpunkt stehen. "Wichtig ist die Regelmäßigkeit der Treffen. So können sich die Menschen darauf verlassen, dass diese zu einem festen Termin einmal in der Woche im Gemeindehaus stattfinden", erläutert Driescher.

Oft klappt die Verständigung auch ohne Worte

Selbst an Feiertagen wie Heiligabend, Silvester oder Fronleichnam fanden die Zusammenkünfte statt. "Wir haben sie von vornherein als eine offene Art der Begegnung angelegt. Wer will kann kommen, aber eine Verpflichtung gibt es nicht", sagt Driescher.

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Fast unüberwindbar schien anfangs die Sprachbarriere, inzwischen hat sich die gegenseitige Verständigung gut eingependelt. Viele Flüchtlinge machten Fortschritte bei ihren Deutschkenntnissen und die Verständigung ohne Worte klappe umso besser, je besser man sich kenne. Die Martin-Bucer-Gemeinde spendierte zusätzlich zu den Unterrichtsblättern zum Erwerb rudimentärer Deutschkenntnisse auch eine Handvoll Wörterbücher für Arabisch, Türkisch und Persisch (Farsi).

Frauen und Männer unterschiedlicher Nationalitäten kommen jede Woche ins Gemeindehaus. Bei Tee und Gebäck tauschen sie sich mit den Betreuern des Helferkreises aus, zu denen auch einige Angehörige der Frauengruppe aus Hochstetten gehören. Manche bringen ihre Unterrichtsblätter vom Sprachunterricht mit, um ihre Deutschkenntnisse zu vertiefen. Die Helfer unterstützen, wenn nötig, Flüchtlinge auch beim Erlernen der Grundrechenarten. Das Bildungsniveau und die beruflichen Qualifikationen der Flüchtlinge sind sehr unterschiedlich.

Als Kontaktbörse und Erfahrungsaustausch funktionieren die Treffen sehr gut, denn die Helfer können Ansprechpartner und Adressen vermitteln, wo sich die Flüchtlinge hinwenden können, um Sprachkurse zu belegen oder sich über Angelegenheiten ihres Aufenthaltsstatus, Möglichkeiten für Praktika oder eine Arbeitsaufnahme zu informieren.

Viele Familien bringen ihre Kinder mit, die während der Treffen von Mitgliedern der Jugendgruppe der Martin-Bucer-Gemeinde betreut werden. Im Winter wurden im kleinen Gemeindesaal Spiele veranstaltet, inzwischen spielt man Softball auf dem kleinen Platz vor der Kirche. Die Mütter genießen die kurze Zeit, in der sie von der Fürsorge für ihre Kinder entbunden sind.

Beim Helferkreis war man anfangs überrascht, dass viele Familien zu den Treffen kamen. Damals war man davon ausgegangen, dass vor allem junge Männer nach Breisach kommen würden. "Wir haben uns aber schnell umgestellt", sagt Driescher.

Für Pfarrerin Christiane Drape-Müller erfüllen die Treffen die wichtige Funktion des Auftauens. Indem die Flüchtlinge Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit erfahren und erste Einblicke in das Leben in Deutschland erhalten, fällt es ihnen leichter, Vertrauen in die für sie fremde Umgebung zu fassen.

"Was noch fehlt, ist thematisch etwas anzubieten, etwa, dass Flüchtlinge selbst die Kultur ihrer Herkunftsländer vorstellen und darüber informieren", sagt die Pfarrerin. Das scheitere bislang vor allem an fehlenden Übersetzern, berichtet Drape-Müller.

In Breisach gibt es zwei Cafés der Kulturen. Der wöchentliche Treffpunkt in der Martin-Bucer-Gemeinde ist nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Einrichtung, die sich in der Flüchtlingsunterkunft "Campus der Kulturen" am Europaplatz in Breisach befindet.

Kontakt: E-Mail: cafederkulturen@helferkreis-breisach.de

Autor: Kai Kricheldorff