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11. November 2015 16:25 Uhr

BZ-Interview zur ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit

"Das Aufgabenspektrum wächst"

Im BZ-Interview sprechen Kerstin Manz und Cornelie Büchner über die ehrenamtliche Arbeit im Breisacher Helferkreis.

  1. Cornelie Büchner (links) und Kerstin Manz haben eine Organisationsstruktur für den Breisacher Helferkreis ausgearbeit. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. Rund 400 Flüchtlinge werden bis Jahresende in Breisach leben. Der Arbeitskreis Flüchtlinge des Vereins Runder Tisch für Mitmenschlichkeit koordiniert die ehrenamtliche Arbeit des Helferkreises mit seinen fast 100 Mitgliedern. Knapp die Hälfte von ihnen leistet regelmäßig aktive Betreuungsarbeit. Damit die Ehrenamtlichen die wachsenden Aufgaben bewältigen können, haben Cornelie Büchner und Kerstin Manz eine Organisationsstruktur für den Helferkreis entwickelt. BZ-Mitarbeiter Kai Kricheldorff sprach mit ihnen darüber.

BZ: Häufig ist zu hören, dass die ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagierten Bürger überlastet, inhaltlich überfordert seien und Schwierigkeiten hätten, ihre Aufgaben ohne Unterstützung von außen zu organisieren. Wie sind Ihre Erfahrungen?

Büchner: Die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit ist eine komplizierte Aufgabe, für die in Breisach eine erfreulich hohe Zahl ehrenamtlicher Helfer bereit ist, Verantwortung zu übernehmen. Dass jeder Helferkreis das Rad neu erfindet, ist nicht notwendig. Viel wichtiger ist, dass die Unterstützung für die ankommenden Flüchtlinge schnell und effektiv erfolgt. Dazu bedarf es einer guten Organisationsstruktur, mit der die notwendige Unterstützung durch Ehrenamtliche effizient umgesetzt werden kann sowie einer professionellen Qualifizierung und Begleitung der Ehrenamtlichen.

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BZ: Ist das bisher nicht rund gelaufen?

Manz: Im Großen und Ganzen schon. Aber mit der zunehmenden Zahl ankommender Flüchtlinge wächst das Aufgabenspektrum. Wir streben deshalb eine bessere Vernetzung der Helfer an. Die Zuständigkeiten der einzelnen Gruppen müssen klar sein. Nicht alle Helfer können sämtliche Aufgaben übernehmen. Notwendig ist deshalb eine Steuerung der Aktivitäten, um Doppelungen und Überlappungen zu vermeiden und die Flüchtlinge wirksamer unterstützen zu können. Auf der Kommunikationsebene müssen Ansprechpartner für die einzelnen Arbeitsfelder bestimmt werden.

BZ: Wie sieht der Kontakt der Helferkreise in der Region untereinander aus?

Büchner: Auch da streben wir eine engere Vernetzung an. Ein Beispiel: Wenn, wie kürzlich geschehen, Flüchtlinge kurzfristig aus der Sammelunterkunft in der Elsässer Allee nach Burkheim verlegt werden, wäre es sinnvoll gewesen, den Vogtsburger Helferkreis darüber zeitnah zu informieren, damit die Betreuung nahtlos fortgesetzt werden kann. Das hat noch nicht funktioniert, da müssen wir besser werden.

BZ: Was sind die Eckpunkte Ihres Strukturvorschlags, der jetzt vom Helferkreis umgesetzt wird?

Manz: Wir gliedern die Arbeitsverteilung in die Bereiche Ankommen und Zurechtkommen, Freizeitgestaltung, langfristige Perspektiven sowie Selbstverwaltung und Organisation des Helferkreises. Diese sind jeweils in Arbeitsfelder untergliedert mit definierten Tätigkeitsschwerpunkten und festgelegten Verantwortlichkeiten. Dazu gehören beispielsweise Hilfestellungen für ankommende Flüchtlinge einschließlich Sprachkurse, Angebote für die Freizeitgestaltung sowie Unterstützung bei der Arbeitsplatz- und Wohnungssuche. Beim Bereich Selbstverwaltung und Organisation geht es um Öffentlichkeitsarbeit und Information sowie Internet unterstützte Kommunikation innerhalb des Helferkreises und nach außen.

BZ: Was ist der Schwerpunkt bei den Hilfsleistungen für die Flüchtlinge?

Manz: Der Fokus liegt auf der Integration. Am Anfang gehört dazu, dass die Menschen, die zu uns kommen, lernen, sich in unserer Gesellschaft zurechtzufinden. Die allermeisten Flüchtlinge sind Erwachsene. Sie streben danach, möglichst schnell selbstbestimmt handlungsfähig zu sein, und sie lernen schnell. Der Helferkreis unterstützt den Lernprozess, mit dem die Menschen befähigt werden, selbständig ihren Weg zu gehen. Das Erlernen der Sprache ist dabei der wichtigste Schwerpunkt. Zu den längerfristig umzusetzenden Integrationsaufgaben zählen Arbeitsplatzvermittlung, angemessene Unterkunft und die Einbindung in unsere gesellschaftlichen Strukturen. Diese Anforderungen können die Helferkreise nicht alleine leisten. Dazu braucht es auch die Behörden, die gerade dabei sind, sich inhaltlich und personell auf diese Aufgabenstellungen vorzubereiten.

BZ: "Wir schaffen das", hat Angela Merkel gesagt. Bezogen auf die Flüchtlingssituation in Breisach, teilen Sie die Zuversicht der Bundeskanzlerin?

Büchner: Wir werden die Lage in den Griff bekommen, da bin ich sicher. Breisach bringt dafür beste Voraussetzungen mit. Die Flüchtlingsunterbringung ist bei uns im Vergleich zu anderen Gemeinden im Landkreis sehr gut. Die Stadtverwaltung arbeitet sehr kompetent und die Bereitschaft der Ehrenamtlichen, bei der Integration der Flüchtlinge zu helfen, ist hoch.

Cornelie Büchner (43) lebt seit über zwölf Jahren in Breisach und arbeitet als Lehrerin an der Albertschule in Ihringen. Sie ist verheiratet und hat vier Kinder.

Kerstin Manz (41) ist Lehrerin am Breisacher Martin-Schongauer-Gymnasium. Mit ihrem Ehemann und drei Kindern lebt sie seit 2012 in der Münsterstadt.

Information und Kontakt: http://www.helferkreis-breisach.de

Autor: kff