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21. April 2017 06:46 Uhr

Zwischenbilanz

Erhebliche Frostschäden in den Kaiserstühler Weinbergen

Der Frost in den Nächten von Mittwoch auf Donnerstag und von Donnerstag auf Freitag hat in den Weinbergen und Obstanlagen am Kaiserstuhl und am Tuniberg einige Schäden angerichtet. Wie hoch diese sind, lässt sich noch nicht genau beziffern, jedoch gibt es Rebanlagen, in denen bis zu 80 Prozent der jungen Triebe erfroren sind.

  1. Auch am Kaiserstuhl sind durch die tiefen Temperaturen in den vergangenen beiden Nächten Triebe an den Reben erfroren. Foto: Gerold Zink

Die ersten größeren Schäden gab es durch den Frost in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag. Die Temperaturen lagen dabei in den meisten Kaiserstuhlgemeinden zwischen minus ein und minus drei Grad. "Wie viele Triebe erfroren sind, hängt sehr stark von der Lage des Rebgrundstücks ab und davon, ob die kalte Luft dort stehen geblieben ist oder abfließen konnte", sagt Daniel Hank, Kellermeister im Weingut Abril in Bischoffingen. Direkt hinter dem Weingutsgebäude hat Hank zum Beispiel bis zu 60 Prozent erfrorene Rebtriebe gefunden, weil sich dort die kalte Luft gestaut hat. In dem Weinberg direkt vor dem Weingut haben dagegen so gut wie alle jungen Triebe die Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gut überstanden. Dem Kellermeister ist wie vielen seiner Kollegen anzumerken, dass es ihn auch emotional berührt, dass das Weinjahr 2017 für die Winzer mit einem sehr unerfreulichen Ereignis beginnt: "Mir graut es wirklich", sagt er. Dabei hat Hank beobachtet, dass vor allem Reben in tieferen Lagen und Triebe mit ein bis zwei Blättern besonders stark betroffen sind. Triebe, die bereits größer oder noch ganz klein seien, hätten den Frost dagegen besser weggesteckt. Bei den Sorten seien vor allem der Weiß- und der Spätburgunder betroffen.

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Einbußen sind unvermeidlich

Die erfrorenen Triebe werden laut Hank bald abfallen. Dann hofft der Kellermeister, dass die sogenannten Beiaugen austreiben. Da an diesen jedoch später weniger oder gar keine Trauben gebildet werden, "wird es auf jeden Fall bei der Menge Einbußen geben", ist Hank überzeugt. Wie hoch diese im Herbst sein werden, könne jetzt noch niemand sagen. Dies hänge auch von der Witterung im weiteren Verlauf des Jahres ab. Um die Frostschäden etwas abzumildern, hätten Mitarbeiter des Weingutes in den vergangenen Tagen die Vegetation zwischen den Rebzeilen gemulcht, damit der Boden etwas mehr Wärme abstrahlen kann.

Volker Paschke, Geschäftsführer der WG Ihringen, hat im Gebiet Winklerebene sogar Frostschäden von 70 bis 80 Prozent festgestellt. Er rechnet damit, dass auch in anderen Gebieten Schäden aufgetreten sind. Doch die Reben seien in einem frühen Stadium, sagt Paschke, der nun auf den Austrieb der Beiaugen hofft.

Prognosen sind schwierig

Eckart Escher, Vorstandsmitglied im Badischen Winzerkeller in Breisach, will noch keine Prognose abgeben. Frostschäden seien flächig feststellbar, beschrieb er am Donnerstag seinen ersten Eindruck von den Rebflächen am Tuniberg. Escher geht davon aus, dass es auch in den anderen Weinanbaugebieten – das Haupteinzugsgebiet der Genossenschaftskellerei reicht vom Markgräflerland bis in die Ortenau – Schäden gegeben hat. Nicht nur in den klassischen Frostlagen im Tal, sondern auch in Rebstücken auf den Bergkuppen seien Triebe erfroren. "Das Bild ist sehr uneinheitlich", sagt Escher. Zwar sei es klar, dass sich die Schäden auf den Herbst auswirken würden. "Aber wir stehen am Anfang der Vegetationsperiode, wir wissen nicht, in wieweit die Natur die Frostschäden kompensieren kann", erklärt der Vorstand des Badischen Winzerkellers.

Schäden in ganz Baden

Peter Wohlfarth, Geschäftsführer vom Badischen Weinbauverband, berichtet von Schäden in ganz Baden, wobei die nördlichen Landesteile stärker betroffen seien. Im Vergleich dazu seien die Winzer am Kaiserstuhl wohl noch mit einem blauen Auge davon gekommen. Auch Wohlfarth will derzeit keine Prognose abgeben, zumal die Meteorologen noch weitere kalte Nächte angekündigt haben. Einen sicheren Schutz vor Frostschäden gebe es nicht. Der Einsatz von Frostkerzen sei auf größeren Flächen wirtschaftlich unrentabel und zudem sehr aufwändig. Die Kosten schätzt Wohlfarth auf 2500 Euro pro Hektar, bei mehreren Frostnächten wird es entsprechend teurer.

Test mit Frostkerzen

Winzer Thomas Vögtle aus Oberrotweil hat in der Nacht auf Donnerstag dennoch den Versuch gewagt und auf einem 0,1 Hektar großen Teilstück seiner Rebfläche in der Lage Käsleberg 25 Frostkerzen aufgestellt. Am Boden hat er Temperaturen zwischen minus 1 und minus 3 Grad Celsius gemessen. In Höhe der Triebe seien die Temperaturen im Plusbereich gewesen, berichtet er. Vögtle will nun vergleichen, wie sich die Reben mit und ohne Frostkerzen weiter entwickeln. Das sei aber nicht ganz einfach, denn schon nach der Nacht auf Dienstag habe er Frostschäden festgestellt. Für einen großflächigen Einsatz hält auch Vögtle Frostkerzen für ungeeignet. Hinzu komme, dass bei stärkerem Frost auch entsprechend mehr Frostkerzen aufgestellt werden müssten.

Versuch mit Frostberegnung

Im Weingut Freiherr von Gleichenstein hat man noch eine weitere Methode ausprobiert: die Frostberegnung, die bislang fast ausschließlich im Obstanbau angewendet wird. Durch die Beregnung bildet sich ein Eispanzer um die jungen Triebe, der als Isolation wirken soll. Auf einem kleinen Teilstück habe man in der Nacht auf Donnerstag die Frostberegnung getestet, berichtet Franz Galli, Außenbetriebsleiter in dem Oberrotweiler Weingut. Ob der Versuch erfolgreich war, lasse sich aber erst später beurteilen.

Roland Leininger, Geschäftsführer vom Kaiserstühler Winzerverein Oberrotweil, hält den Einsatz von Frostkerzen jedoch für wenig erfolgsversprechend. "Das geht nur in einzelnen Parzellen", sagt er. "Gegen Hagelschlag gibt es den Hagelflieger, gegen den Frost ist aber kein Kraut gewachsen", fügt Leininger hinzu. Auch er hat Frostschäden festgestellt. April und Mai seien kritische Monate. Er hoffe, dass die Schäden geringer ausfallen als im Jahr 2013.
Beiauge

Die Knospe der Weinrebe ist sehr komplex aufgebaut und setzt sich aus einem Auge (Hauptauge) sowie zwei Nebenaugen (Beiaugen) zusammen. Die Beiaugen sind einfacher gebaut als das Hauptauge und dienen als Ersatzknospen. Diese treiben in der Regel aus, wenn zum Beispiel das Hauptauge durch Frost zerstört wurde. Die Beiaugen bringen jedoch in der Regel weniger Ertrag als das Hauptauge.

Autor: Agnes Pohrt und Gerold Zink