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12. Mai 2017

Gedenkstättenpädagogik braucht neue Zielgruppen

Verein "Für die Zukunft lernen" bereitet sich auf Jubiläum vor.

BREISACH/FREIBURG. 2018 begeht der in Breisach beheimatete Verein "Für die Zukunft lernen – Verein zur Erhaltung der Kinderbaracke Auschwitz-Birkenau" sein 25-jähriges Bestehen. In der Mitgliederversammlung in der katholischen Hochschule Freiburg nahmen die Überlegungen, wie dieses Ereignis würdig und angemessen gefeiert werden kann, einen breiten Raum ein. Als Gastredner begrüßte der Vereinsvorsitzende Professor Werner Nickolai den Historiker Eike Stegen aus Berlin, der zum Thema "Gedenkstättenpädagogik in der Migrationsgesellschaft" sprach.

Rückblick: Im Spätsommer 2016 organisierte der Verein, dem 128 Mitglieder angehören, den alljährlichen Bildungs- und Arbeitsaufenthalt im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz. Teilnehmer waren Jugendliche aus dem Christophorus-Jugendwerk in Oberrimsingen sowie Studierende der katholischen Hochschule Freiburg. Nickolai bedauerte, dass andere Institutionen, darunter eine Freiburger Realschule sowie das Breisacher Jugendzentrum, ihre anfängliche Zusage, an dem Vorhaben teilzunehmen, später zurückziehen mussten.

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"Die Rahmenbedingungen des Projektes haben sich deutlich geändert", stellte Nickolai fest. Das habe mit der KZ-Gedenkstätte in Auschwitz zu tun, aber auch der Kreis der jugendlichen Teilnehmer sei ein anderer geworden. Als Konsequenz daraus stellte der Vereinsvorstand Überlegungen an, wie eine Gedenkstättenpädagogik ausgerichtet sein muss, die Jugendliche mit Migrationshintergrund erreichen will. Im Dezember 2016 nahmen Vertreter des Vereins in der polnischen Stadt Oswiecim, die mit Breisach eine Städtepartnerschaft unterhält, an den Feierlichkeiten zum 30-jährigen Bestehen der Jugendbegegnungsstätte Auschwitz teil. Gemeinsam mit zwei Breisacher Schulen und anderen Vereinen organisierte "Für die Zukunft lernen" die Erinnerungsfeier anlässlich des internationalen Holocaust-Gedenktags im Januar in Breisach.

In der Versammlung wurde des im vergangenen Jahr verstorbenen Mitglieds Max Mannheimer gedacht. Als Holocaustüberlebender hatte er jahrelang Vorträge in Schulen, Vereinen und Universitäten gehalten und seine Hafterlebnisse in verschiedenen Konzentrationslagern geschildert. Nickolai würdigte ihn als einen Mann, der sich nicht als Ankläger, sondern als Zeuge der Zeit verstand. Bis zu seinem Tod gehörte Max Mannheimer dem Beirat des Vereins "Für die Zukunft lernen" an.

Ausblick: Im Spätsommer nehmen wieder zehn Jugendliche aus Südbaden an einer Projektwoche im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau teil. Im Juni 2018 wird das 25-jährige Bestehen des Vereins, unter anderem mit einer Feierstunde und Festvortrag, in Breisach begangen.

Wahlen: Der Vorstand wurde komplett wiedergewählt: Werner Nickolai (Vorsitzender), Thomas Köck (Stellvertreter), Margit Mai (Kassenführerin), Gerd Müller (Schriftführer) und als Beisitzer Gabriel Dittrich, Bernd Kellermann, Edgar Kösler, Norbert Scheiwe und Michael Siebert.

Autor: Kai Kricheldorff