Geduckte Bauernhöfe im Winter

Paul Klock

Von Paul Klock

Di, 17. Juni 2014

Breisach

Der Künstler Albi Maier stellt seine Bilder im Radbrunnen in Breisach aus / Der Schwarzwald ist dem Maler Modell und Inspiration.

BREISACH. Nein. Mit Postkartenidyllen von hellblauem Himmel über lieblicher Weidenlandschaft und herausgeputzten Gehöften haben Albi Maiers Schwarzwaldbilder nichts gemein. Dabei wäre der bekennende Schwarzwälder geradezu prädestiniert dazu. Geboren und aufgewachsen in Lenzkirch sowie wohnhaft in Titisee-Neustadt kennt er die Kulturlandschaft aus dem Effeff.

Dies mag auch der Grund sein, weshalb er sich dem Schwarzwald von einer ganz anderen Seite nähert: Von den geduckten Bauernhöfe im Winter, deren weit heruntergezogene Walmdächer hartnäckig Bodenkontakt halten und den tachistisch angehauchten, monochromen Farbtafeln, über deren kaum angedeuteten, abstrakten Landschaft sich ein unendlich hoher Horizont wölbt.

Eine Reminiszenz an sein dem Himmel nah gelegenes Maleratelier, das er seit 2004 auf dem Fernsehturm des Feldbergs innehat.

Von dort aus ist alles anders. Der Blick, die Farben, das Licht und vielleicht auch das spirituelle Erleben. Doch das allein ist nicht der Grund, weshalb Albi Maier diese Farbtafeln neben seine figurativ gemalten winterlichen Schwarzwaldhäuser stellt. Er habe immer beides gemacht, sowohl abstrakt als auch figurativ gemalt, sagt er. Und in der Tat ist dies auch kein Bruch. Bezieht sich doch selbst die abstrakte Malerei auf die Realität und wie könnte man das Lichtschauspiel des Himmels am Abend über dem Schwarzwald besser einfangen als über die reine Farbe.

Mit den Augen sehen und mit dem Herzen fühlen, umschreibt Albi Maier sein künstlerisches Credo, und es ist genau diese Liebe zu seiner Heimat, gepaart mit einem künstlerischen Anspruch, die den besonderen Touch seiner Bilder ausmacht. Auch den seiner Schwarzwaldhäuser. Immer wieder hat er sie gemalt, ein ganzes Buch genau bezeichneter Höfe gefüllt und ist irgendwann wohl zu dem formalen Kürzel gekommen, das sich immer wieder zu wiederholen scheint: Eine dunkle, fast graue Schneelandschaft, in deren Mitte sich ein Hof mit heruntergezogenem Dach in den Boden stemmt. Über ihm eine dunkel schimmernde Aura. Oder eine blendende Schneedecke unter einem diffusen Himmel. Die Tageszeit ist unbestimmt, das Licht scheint imaginär.

Gelbes Häusermeer

Im Grunde ist es immer derselbe Hof, seine formale Wiederholung in einer Vielzahl von Variationen. Ein Bild von einem Schwarzwaldhof, keine Abbildung. Ein Bild, das einem bekannt vorkommt und dennoch nicht ermüdet. Ein Bild, in dem sich die Vergangenheit spiegelt und die Märchen, in denen solche Anwesen und Landschaften vorkommen.

Es sind – auch die monochromen Arbeiten – Schwarzwaldbilder. Etwas anderes hat Albi Maier wohl nie so richtig interessiert oder er hat im Schwarzwald alles gefunden, was seine künstlerische Fantasie anregt. Gemalt sind sie durchaus im Bewusstsein zeitgenössischer Kunst. Keine Reminiszenzen sondern Auseinandersetzung im Hier und Jetzt.

Und ja, da gibt es schon noch etwas, das zwischen den Farben und Formen immer wieder durchbricht. Etwas Immaterielles, das sich dennoch auf der Leinwand materialisiert: Die Verbundenheit des Künstlers mit seinem Thema oder poetischer mit seiner Muse. Eine Verbundenheit, die sowohl die Identifikation mit dem Modell als auch den freien Blick darauf zulässt. Diese Verbundenheit geht so weit, dass sich Albi Maier zum Ziel gesetzt hat, seinen Wohnort Neustadt in ein leuchtend gelbes Häusermeer zu verwandeln. Die graue Stadt im Schwarzwald könnte ein wenig Farbe gebrauchen. Über 60 Häuser sind schon gestrichen.

Öffnungszeiten: Freitag: 14 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag: 11.30 bis 13 und 14 bis 18 Uhr, Feiertage: 11.30 bis 13 und 14 bis 18 Uhr. Ausstellungsende ist am 20. Juli.