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11. Oktober 2014

Immer bleibt das Holz präsent

Die Radolfzeller Künstlerin Heike Endemann stellt ihre Holzskulpturen derzeit im Radbrunnen aus.

  1. Holzkunst von Heike Endemann ist derzeit im Radbrunnen auf dem Breisacher Münsterberg zu sehen. Foto: claudia müller

BREISACH. Holz ist uns vertraut, es ist alltäglich als Tisch, als Schrank, als Scheit, Holz prasselt im Feuer und duftet im Wald. Der Stoff, aus dem die Bäume sind, ist Ausgangspunkt und Ziel der Kunst von Heike Endemann. Die Radolfzeller Künstlerin stellt das Material in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Im Breisacher Radbrunnen wurde jüngst eine Ausstellung ihrer Werke eröffnet.

Hier könne der Besucher dem Werkstoff Holz einmal in ungewöhnlicher und in völlig veränderter Form begegnen, sagte Emil Göggel, der Vorsitzende des Vereins Kunstkreis Radbrunnen, zur Eröffnung. Form gibt Endemann ihrem Holz häufig, indem sie es mit der Kettensäge bearbeitet. Dafür ist die Künstlerin vom Bodensee auch in Breisach bekannt, denn vor dem Blauen Haus in der Rheintorstraße steht seit dem vergangenen Jahr eine ihrer gesägten Skulpturen.

Doch Endemann bringt ihren Werkstoff auch auf andere Weise in Form. "Gesägt, geprägt, gedruckt" heißt die Ausstellung und spricht damit mehrere Techniken an. Die Partizipien gegossen und geschweißt müssten eigentlich noch angefügt werden, erläuterte die Freiburger Kunsthistorikerin Antje Lechleiter, die im Rahmen der Vernissage in die Kunst Endemanns einführte.

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Durchbrochene Kugeln thronen auf kleinen Sockeln

So stehen im Radbrunnenturm meterhohe Säulen, auf kleinen Sockeln thronen durchbrochene Kugeln und filigrane Würfel, es gibt hölzerne Netze und hinter Glas helles Papier, in das die Muster von Baumscheiben eingeprägt sind.

Nie aber lässt die Form ihren Werkstoff hinter sich zurück. Zersägt, gefügt und sandgestrahlt bleibt das Holz dennoch immer präsent. Das kann ganz konkret sein, wenn beispielsweise eine hölzerne Schale noch die feine Maserung ihres Materials zeigt. Abstrakter und nur noch als Verweis ist der Ausgangsstoff aber etwa auch in der grünen Stapelsäule sichtbar, die mit ihrer Farbe ihre Herkunft aus der Pflanzenwelt zum Thema macht. Geometrie und Natur, das sei ohnehin kein Gegensatz, sagte Lechleiter. In der Natur selbst nämlich könne der Mensch formale Gesetze wiederfinden.

Manches Mal lässt auch erst die Verarbeitung den Ausgangsstoff Holz hervortreten. Die Drucke und Prägungen, die Endemann im Radbrunnenturm ausstellt, zeigen die äußere Form einer Baumscheibe sowie ihre innere Struktur, und der Betrachter dieser Kunst sieht mehr, als die Natur ihm offenbart. Um diese Fingerabdrücke eines Baumes zu erhalten, zersägt Endemann den Stamm in schmale Scheiben, die anschließend sandgestrahlt werden. Dabei wird das weichere Frühholz abgetragen, während das härtere Spätholz der Behandlung widersteht. Auf diese Weise entsteht ein natürliches Relief, das der Künstlerin als Präge- oder Druckstempel dient.

Endemann ist von Haus aus promovierte Biologin und dieser kundige Umgang mit der Natur zeigt sich auch im künstlerischen Umgang mit ihrem organischen Werkstoff. Sie zersägt für ihre Kunst nur Stämme aus botanischen Gärten. Zudem nutzt sie nur das Holz von Bäumen, die ohnehin gefällt werden müssen, beispielsweise weil sie von Käfern befallen sind. Die Künstlerin nimmt, was die Natur ihr abtritt.

Bevor Endemann den Stamm dann zersägt und die Teile neu zusammenfügt, untersucht sie das Holz genau auf seine Besonderheiten. Auch im Arbeitsprozess machen sich manche Eigenschaften des Materials bemerkbar. Was das Holz unter ihrer Säge zurückmeldet, nimmt die Künstlerin in ihr Werkstück auf. Die Formgebung richtet sich nach dem Material, sodass Holz auch nach seiner Gestaltung Holz bleibt.

Die Ausstellung mit dem Titel "Gesägt, geprägt, gedruckt" ist bis 26. Oktober im Radbrunnenturm zu sehen. Sie ist freitags von 14 bis 18 Uhr sowie samstags, sonn- und feiertags von 11.30 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Autor: Claudia Müller