Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. Februar 2014 18:34 Uhr

Interreligiöser Dialog lohnt sich

Integrationsministerin Bilkay Öney diskutiert mit Jugendlichen in Breisach

Ein praktisches Beispiel für einen interreligiösen Dialog erlebten junge Menschen beim Treffen mit der baden-württembergischen Integrationsministerin Bilkay Öney, das jüngst im Blauen Haus in Breisach stattfand.

  1. Bilkay Öney führte mit Jugendlichen im Blauen Haus in Breisach einen interreligiösen Dialog. Foto: Rita Reiser

BREISACH. Deutlich wurde, dass es wichtig ist, möglichst viel von der Religion des anderen zu wissen, um Vorurteile abzubauen und Gemeinsamkeiten zu entdecken. Der Dialog sollte also fortgesetzt werden, am besten nicht nur zwischen Muslimen und Christen, sondern im Trialog auch mit Vertretern der jüdischen Religion.

Initiator des Treffens war der SPD-Landtagsabgeordnete Christoph Bayer. Er wollte einerseits seiner Parteigenossin das Blaue Haus präsentieren, andererseits sollte Öney im interreligiösen Dialog ihre Aufgabe als Integrationsministerin wahrnehmen. Gut vertreten waren die jungen Muslime. Ayse Aykan, Vorsitzende der Ditib-Landesjugendverbands Baden, dem 62 Jugendgruppen angehören, war mit einigen Dialogbeauftragten nach Breisach gekommen. Auch Rosita Dienst-Demuth, Geschichtslehrerin an der Freiburger Lessingschule, nahm mit mehreren Jugendliche mit Migrationshintergrund an dem Gespräch teil. Dienst-Demuth, die bekanntlich mit ihren Schülern die Geschichte der jüdischen Zwangsschule in Freiburg aufgearbeitet hat, hat an der Lessingschule auch das Projekt "Erinnerungsarbeit in der Migrationsgesellschaft initiiert. An dem Dialog nahmen aber auch Jugendliche aus Breisach teil, darunter Bilge Grecer und Denys Golikov, die ebenfalls aus Migrantenfamilien stammen.

Werbung


Bilkay Öney, die in der Türkei geboren und in Berlin aufgewachsen ist, outete sich als Atheistin. In ihrer Jugend habe sie sich aber sehr für die jüdische Religion interessiert. Öney berichtete vom Runden Tisch Islam. Schon 2011, in der ersten Sitzung, hätten die Vertreter der christlichen, islamischen und israelitischen Religion als Reaktion auf die Verbrechen der NSU eine gemeinsame Erklärung gegen Menschenfeindlichkeit formuliert.

Dass es sich lohnt, den Dialog zu suchen, bestätigte die Ditib-Dialogbeauftragte aus Pforzheim, die vom ersten Besuch der Moscheegemeinde in der Synagoge berichtete. Die Synagoge habe man zuvor als etwas Fremdes betrachtet, "doch dann haben wir gemerkt, die sind ja gar nicht so schlimm." Seit drei Jahren werde in Pforzheim ein Trialog mit Juden und Christen gepflegt. Auch die Dialogbeauftragte aus Emmendingen berichtete von den gewachsenen Kontakten der Religionsgemeinschaften. Der Ditib-Verband bereite junge Muslime in Seminaren auf den Kontakt mit anderen Religionen vor. Mittlerweile seien so schon 2500 Dialogbeauftragte ausgebildet worden. Der Dialog sollte schon im Kindesalter beginnen, meint Ayse Aykan. Denn vielfach werde im Schulunterricht und in den Lehrbüchern Islam mit Terrorismus und Gefahr gleichgesetzt. Die Lehrer sollten dafür sensibilisiert werden, dass der Islam in der deutschen Gesellschaft seinen festen Platz habe.

Forderung nach einem gemeinsamen Ethikunterricht

Einig war man sich mit der Ministerin in der Forderung, an den Schulen einen gemeinsamen Ethikunterricht einzuführen, in dem ein Basiswissen über die verschiedenen Religionen vermittelt wird. Momentan wird es wohl beim Wunsch bleiben, der Ethikunterricht sei nicht finanzierbar, erklärte Christoph Bayer, der Mitglied im Schulausschuss des Landtags ist. Er war beeindruckt von der Arbeit der Dialogbeauftragten, fragte aber auch, wie es in den Gemeinden um den inneren Dialog bestellt sei. Viele Muslime in Deutschland kennen sich im Islam nicht aus, es sei sinnvoll, ihnen ihre Religion in Grundzügen näher zubringen, erklärte der Dialogbeauftragte aus Neuenburg. Ministerin Öney berichtete von der steigenden Nachfrage nach islamischem Religionsunterricht, der man aber personell nicht nachkommen könne. Ditib bildet in der Türkei Imame für den Unterricht in Deutschland aus. Gelegentlich gebe es auch Verständnisprobleme zwischen den Jugendlichen, die in Deutschland aufgewachsen sind und den Religionsgelehrten aus der Türkei.

Am Ende war man sich einig, dass der Dialog fortgesetzt werden sollte. Christiane Walesch-Schneller, Vorsitzende des Fördervereins ehemaliges jüdisches Gemeindehaus, bot den jungen Besuchern an, das Blaue Haus für Tagungen und Fortbildungen zu nutzen.

Autor: Agnes Pohrt