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13. September 2017

Kleine Wehr mit langer Geschichte

Mit einem Festwochenende begeht die Gündlinger Feuerwehr ihr 75-jähriges Bestehen / Vom Löscheimer zum Atemschutz.

  1. Abteilungskommandant Stefan Berner freut sich auf das Jubiläumsfest. Foto: Julius Wilhelm Steckmeister

BREISACH. Ihre Eigenständigkeit verlor die Gündlinger Feuerwehr im Zuge der Gemeindereform Anfang der 1970er Jahre. Seit 1972 gehört sie als eine von vier Abteilungen zur Freiwilligen Feuerwehr Breisach. Ihr Gesicht allerdings hat die kleine Wehr mit der langen Geschichte keineswegs verloren. Grund genug, die seit ihrer Neugründung im Jahr 1943 vergangene Zeit nochmals Revue passieren zu lassen und natürlich ausgiebig zu feiern.

Jahrhundertealte Zeugnisse
Noch jung an Jahren ist das Gündlinger Feuerwehrhaus. Der Ersatz für den in die Jahre gekommenen ehemaligen Farrenstall hinter dem Rathaus, der Anfang der 1970er Jahre in Eigenleistung zum Feuerwehrgerätehaus umgebaut wurde, ist gerade einmal 2009 bezogen worden. Die Geschichte allerdings ist mit umgezogen in Form von Fotos, Dokumenten und einer kleinen Feuerwehrspritze aus dem Jahre 1864, denn eine Feuerlöschmannschaft gibt es in Gündlingen schon weit länger als ein Dreivierteljahrhundert.

Bereits aus dem Jahr 1759 bezeugen Urkunden das Vorhandensein von Feuerhacken und Feuereimern. 1802 wird eine Feuerspritze erwähnt, 1809 gar ein "Spritzenhäusle". Die älteste überlieferte Feuerlöschordnung samt Mannschaftsaufstellung stammt von 1896. Als damaliger Kommandant wird Adalbert Binz genannt. Erste Einsatzberichte gibt es von 1904. Dann kamen zwei Weltkriege und um die Wehr wie die Dokumentation ihres Tuns wurde es ruhig.

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Neugründung und Einsätze
"Man war vom falschen Datum ausgegangen", weiß Abteilungskommandant Stefan Berner über eine fast unleserliche Zahl auf einem Dokument zu berichten. Diese hatte man bis vor kurzem als Sieben entziffert, obwohl es sich um eine Drei handelte.

Die Neugründung der Wehr datiert also noch in die Zeit während des Zweiten Weltkrieges, auf das Jahr 1943 nämlich. Im vergangenen Jahr war beschlossen worden, das "neue" runde Jubiläum entsprechend zu feiern. Seitdem laufen die Vorbereitungen. "Im Augenblick auf Hochtouren", sagt Kommandant Berner augenzwinkernd. Obwohl noch keine 40 Jahre alt, ist der Feuerwehrchef selbst schon ein Stück Feuerwehrgeschichte, wie er lachend eingesteht. Festmachen könne man das an der Dienstkleidung. Allein er selbst habe in "nur" 22 Jahren Feuerwehrzugehörigkeit drei unterschiedliche Einsatzoutfits erlebt: vom simplen Baumwollstoff, der eher an einen Hausmeisterkittel erinnert, über die ersten Funktionsjacken und -hosen bis hin zum derzeit aktuellen Hightech-Dress.

Schlichte Baumwolle
In schlichter Baumwolle waren auch die größten Einsätze seit der Neugründung absolviert worden. Als 1954 das Hofgut Rothaus brannte, war man unter Kommandant Friedrich Wolf noch mit dem Tragkraftspritzenanhänger ausgerückt. Als Zugmaschine diente ein Traktor. Frischen Wind im Fahrzeugpark gab es im Jahre 1973 unter Kommandant Manfred Fuchs: Da kam der Hanomag. Dieser wurde auch im Jahre 1976 gebraucht, als die damals noch mitten in der Kernstadt gelegene Tapetenfabrik Erismann brannte. "Wir hatten schon Atemschutzgeräte im Fahrzeug", sagt Stefan Berner stolz.

Derzeit tun 34 Aktive, fünf davon Frauen, Dienst bei der Gündlinger Wehr. Seit vergangenem Jahr gibt es auch eine Jugendfeuerwehr, die aus der bereits Anfang der 1990er Jahre ins Leben gerufenen Jugendgruppe hervorgegangen ist und im Moment ein Dutzend Kinder und Heranwachsende mit den Aufgaben der Feuerwehr vertraut macht.

Über die Jugendgruppe war auch Stefan Berner, seit 2014 Abteilungskommandant, zur Feuerwehr gekommen. "Fast alle Aktiven kommen aus dieser Zeit", freut sich Berner über die Konstanz in der Mannschaft.

Schwierige Tagbereitschaft
Schwierig sei es, wie bei vielen Freiwilligen Feuerwehren, mit der Tagbereitschaft. Hier hilft die Manpower der Kernstadtwehr. Aber auch die Gündlinger rücken bei Bränden für die Kernstadt mit aus. Dadurch habe sich die Zahl der jährlichen Einsätze nahezu verdreifacht, berichtet Stefan Berner.

Neue Wege beschreitet man seit zwei Jahren bei den Herbstübungen, die inzwischen eher Eventcharakter haben. 2015 hatte man die Bevölkerung einen Einsatz vom Notruf über das Ausrücken bis zur Brandlöschung miterleben lassen. Im vergangenen Jahr wurde ein Löschangriff aus "anno dazumal" nachgestellt. "Mit riesigem Erfolg", freut sich Berner.

Alles rund um die Feuerwehr
Viele Besucher und viel Begeisterung wünscht man sich auch für das Jubiläumsfest am Sonntag, 17. September. Hier gibt es nicht nur alles rund um die Feuerwehr zu sehen, sondern auch weitere Helferorganisationen wie DRK, DLRG, Polizei und THW haben ihr Kommen zugesagt. Ebenfalls vor Ort werden Bergwacht und Rettungshundestaffel sein. Für Kinder steht unter anderem der Dauerbrenner Hüpfburg auf dem Programm.

Autor: Julius Steckmeister