Eine Rarität am südlichen Oberrhein

Regierungspräsidium weist "Zwölferholz-Haid" als Natur- und Landschaftsschutzgebiet aus

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Di, 07. November 2017 um 17:18 Uhr

Breisach

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer hat jetzt die Rechtsverordnung für das neue Natur- und Landschaftsschutzgebiet "Zwölferholz-Haid" zwischen Breisach und Merdingen unterzeichnet. Das 420 Hektar große Areal umfasst 341 Hektar Naturschutzgebiet mit zwei Teilflächen sowie 79 Hektar Landschaftsschutzgebiet mit vier Teilbereichen, heißt es in einer Pressemitteilung des Regierungspräsidiums Freiburg. Es ist das 268. Naturschutzgebiet im Regierungsbezirk, damit stehen 3,6 Prozent der Fläche unter diesem besonderen Schutzstatus.

BREISACH/MERDINGEN (BZ). Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer sagte bei der Unterzeichnung: "Damit erhält dieses bedeutende Waldgebiet am westlichen Tuniberg einen dauerhaften und besonderen Schutzstatus. Leider sind solch große zusammenhängende, struktur- und artenreiche Waldgebiete am südlichen Oberrhein mittlerweile eine Rarität. Ihr förmlicher Schutz stellt ein Mosaikstein zur langfristigen Erhaltung des Biotopverbunds in der Markgräfler Rheinebene dar."

Was macht dieses Waldgebiet so einzigartig? Es besitzt nach Angaben des Regierungspräsidiums das größte zusammenhängende und wahrscheinlich auch reichste Vorkommen des Blausterns am rechtsrheinischen südlichen Oberrhein. Zudem kommt den beiden Waldbeständen und den Offenlandbereichen eine besondere Bedeutung zu.

Sie sind Teil eines wichtigen Wanderkorridors von Tieren und die bedeutendste Biotopverbundachse der Wildkatze von den Auewäldern am Rhein zum Kaiserstuhl.

Besonders schützenswert
"Naturschutzgebiete sind Gebiete, in denen ein besonderer Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder zur Erhaltung von Lebensstätten, Biotopen oder Lebensgemeinschaften bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten notwendig ist", sagt Gabriel Rösch, der zuständige Gebietsreferent im Fachreferat Naturschutz des Regierungspräsidiums. Naturschutzgebiete könnten aber auch ausgewiesen werden, weil sie sehr selten, besonders eigen oder einfach nur schön seien. Auf diese Weise würden die wertvollsten und wichtigsten Biotope eines Naturraums erhalten. "Insbesondere gefährdete Tier- und Pflanzenarten finden in Naturschutzgebieten Rückzugsräume für eine möglichst ungestörte Entwicklung", fügt Rösch hinzu.

Grauspecht und Fledermäuse
Das "Zwölferholz-Haid" bildet einen Lebensraum für zahlreiche seltene und gefährdete sowie teils bedrohte Tierarten. Die Ergebnisse verschiedener Untersuchungen waren für die Experten beeindruckend, finden sich doch zahlreiche Arten, die auf der "Roten Liste" stehen. Neben Grauspecht, Pirol und Turteltaube gibt es in den altholzreichen Waldbeständen zahlreiche holzbewohnende Käferarten wie zum Beispiel den Hirschkäfer. Von den insgesamt 13 nachgewiesenen Fledermausarten erwähnt das Regierungspräsidium die Bechstein- und Wimperfledermaus. Die vielfältige und artenreiche Strauchschicht des Waldes nutzten Haselmaus und Wildkatze als Lebensraum.

Zahlreiche Libellen
Außerdem sind zahlreiche Amphibien, Reptilien, Heuschrecken und die Gottesanbeterin in dem Gebiet vertreten. Eine weitere Besonderheit stellen die Panzergräben mit ihrer sehr artenreichen Libellenfauna dar, in denen die stark gefährdeten Keilflecklibelle und die Fledermaus-Azurjungfer vorkommen.

Unmittelbar an den Wald grenzen Ackerflächen, extensiv genutzte Wiesen sowie ehemalige Wildäcker mit Vorkommen von zahlreichen seltenen und gefährdeten Ackerwildkräutern an. Im Vorfeld sowie im Verfahren selbst haben nach Angaben des Regierungspräsidiums Abstimmungs- und Infotermine mit den betroffenen Kommunen, Privatwaldbesitzern, Landwirten und Akteuren vor Ort stattgefunden. "Es sind danach viele, zum Teil auch kritische Stellungnahmen in meinem Haus angekommen, die zu prüfen und aus naturschutzfachlicher und -rechtlicher Sicht zu bewerten waren", so Bärbel Schäfer.

Rücksicht auf Waldbesitzer
Kein Naturschutzgebiet kommt ganz ohne Nutzungs- und Bewirtschaftungsbeschränkungen aus. Besonders sei allerdings auf die Belange der Privatwaldbesitzer Rücksicht genommen worden, erläutert Clemens Glunk vom zuständigen Naturschutz-Rechtsreferat. Durch den Schutz solle insbesondere die kleinparzellierte Waldbewirtschaftung weiter gewährleistet werden.