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16. Januar 2015 15:30 Uhr

Forschungsprojekt der Katholischen Hochschule Freiburg

Schüler aus Breisach und Oswiecim sind Freunde geworden

Als Lehrforschungsprojekt haben Studenten der Sozialarbeit der katholischen Hochschule Freiburg 16 Schülerinnen und Schüler der Hugo-Höfler-Realschule in Breisach interviewt. Vor zwei Jahren hatten sie an einem Schüleraustausch mit der polnischen Partnerstadt Oswiecim teilgenommen.

  1. Professor Werner Nickolai Foto: Kai Kricheldorff

In ihrem Buch "Anders als erwartet" haben die beiden Hochschullehrer Professor Werner Nickolai und Professor Jürgen E. Schwab die Interviews, ihre Ergebnisse und ihre Bewertungen veröffentlicht. Mit Nickolai sprach BZ-Mitarbeiter Kai Kricheldorff.

BZ: Welche Erkenntnisse lassen sich aus der Untersuchung über den Schüleraustausch zwischen der Hugo-Höfler Realschule und einer Schule in Breisachs polnischer Partnerstadt Oswiecim ableiten?

Nickolai: Von den Schülerinnen und Schülern der Breisacher Realschule, die am Austausch teilnahmen, wurde vor allem die herzliche Gastfreundschaft hervorgehoben, die sie in den polnischen Familien und in Oswiecim insgesamt erlebten. Daraus haben sich persönliche Freundschaften zwischen jungen Menschen aus Breisach und Oswiecim entwickelt, die inzwischen über die sozialen Netzwerke im Internet rege gepflegt werden. Aber es artikulierte sich auch der Wunsch der Schüler in beiden Städten, ihre Eltern mögen miteinander in Kontakt und Austausch treten. Polen wurde von den Schülern aus Breisach als attraktives Reiseland entdeckt. Die polnischen Schüler haben großes Interesse am deutsch-polnischen Verhältnis bekundet, auch mit Blick auf die tragische Vergangenheit, die beide Länder miteinander verbindet.

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BZ: Lässt sich auch ein Austausch von Erwachsenen aus Oswiecim und Breisach organisieren?

Nickolai: Die älteren Generationen sind eher zurückhaltend, was das betrifft. Aber es ergeben sich schon erste Ansätze für Begegnungen zwischen Erwachsenen aus beiden Städten. Sie weiter zu entwickeln, wird eine Zukunftsaufgabe für den Freundeskreis Oswiecim sein.

BZ: Mit welchen Erwartungen sind die Schüler aus Breisach und Umgebung nach Polen gefahren?

Nickolai: Natürlich waren da vereinzelt vorgefasste Meinungen und Klischeevorstellungen vorhanden, etwa im Hinblick auf politische Einstellungen junger Polen oder auf ihr Verhalten. Das aber hat sich bei dem Aufenthalt relativiert, wie auch in den Interviews deutlich wird. Unerwartet war für die deutschen Schüler, dass in Oswiecim Wohnqualität, Stadtbild und Infrastruktur doch teilweise erheblich anders sind als sie es von Deutschland kennen. Sehr positiv haben sie das gute Essen in Polen bewertet.

BZ: Welche unerwarteten Erfahrungen machten die deutschen Teilnehmer?

Nickolai: Nicht erwartet hatten sie, dass ihnen als Deutsche im Hinblick auf die historische Vergangenheit in Polen keinerlei Vorhaltungen gemacht wurden. Überraschend war für sie wohl auch, dass Musik und Kleidung polnischer Jugendlicher sich von denen ihrer deutschen Altersgenossen kaum unterscheiden.

BZ: Was bedeutet für den Schüleraustausch die Tatsache, dass Oswiecim die Stadt ist, in dem sich das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz befindet?

Nickolai: Die am Austausch beteiligten Schülerinnen und Schüler haben erkannt, dass zwischen Oswiecim und dem Ort des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz, der ja heute Gedenkstätte ist, zu differenzieren ist. Ihr Verständnis dafür, dass Auschwitz für Deutsche eine verpflichtende Aufgabe bedeutet, sich mit den Themen Nationalsozialismus und Holocaust auseinanderzusetzen, ist bei dem Besuch in Polen sicher gewachsen. Sie waren auf diese Thematik schon in der Schule in Breisach gut vorbereitet worden. Durch Besuche im Blauen Haus wussten sie von der langen jüdischen Geschichte Breisachs und konnten realisieren, dass Auschwitz auch einen Bezug zur Heimatgeschichte unserer Stadt hat.

– Werner Nickolai und Jürgen Schwab: "Anders als erwartet", Hartung-Gorre Verlag, Konstanz, 144 Seiten, 18 Euro

Zur Person

Werner Nickolai (64)

Der Professor für Soziale Arbeit und Straffälligenhilfe an der Katholischen Hochschule Freiburg hat die Arbeitsschwerpunkte Gedenkstättenpädagogik und Sozialarbeit im Nationalsozialismus. Nickolai lebt in Breisach und ist Mitbegründer und Vorsitzender des Freundeskreises Oswiecim sowie des Vereins "Für die Zukunft lernen – Erhaltung der Kinderbaracke im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau".

Autor: kff