Bewegliches Mahnmal

Schüler gedenken in Breisach Opfern des Holocausts

Kai Kricheldorff

Von Kai Kricheldorff

So, 28. Januar 2018 um 12:40 Uhr

Breisach

"Geh-Denkveranstaltung" nannte sich die Kundgebung, zu der die Hugo-Höfler-Realschule und der Förderverein Ehemaliges Jüdisches Gemeindehaus Breisach am Samstag aufgerufen hatten.

Weltweit wird am 27. Januar des Holocausts gedacht. Sowjetische Soldaten hatten an diesem Tag vor 73 Jahren das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Seit 1996 wird an diesem Datum in Deutschland aller Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Anregung für diesen Tag des erinnernden Gedenkens gab seinerzeit der damalige Bundespräsident Roman Herzog.

Namen von 116 Breisacher Juden

Auf dem Marktplatz hatten sich eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Hugo-Höfler-Realschule sowie Ministranten der Pfarrgemeinde St. Stephan in ein blaues Tuch gehüllt. Tags zuvor hatten sie im Blauen Haus auf das Tuch die Namen der 116 Breisacher Juden geschrieben, die Opfer des Holocausts wurden. Die Jugendlichen sind Teilnehmer eines Bildungsprojekts von Schule und Blauem Haus zur jüdischen Geschichte Breisachs. Wie ein bewegliches Mahnmal gingen sie als eine durch das Tuch verbundene Gruppe von Menschen langsam über den Marktplatz.

Dabei nannten sie laut und langsam die Namen der ermordeten und zu Tode gequälten Opfer. Diese wurden zumeist im Internierungslager Gurs in den Pyrenäen und dem Konzentrationslager Auschwitz getötet oder starben an den Folgen unmenschlicher Haftbedingungen. Die Schülerinnen und Schüler zitierten aus letzten Briefen, die die aus Breisach stammenden Opfer aus der Haft an Angehörige geschrieben hatten. Neben Passagen aus dem Tagebuch der Anne Frank trugen sie auch Gedanken vor, die sie selbst im Rahmen des Unterrichtsprojekts zum Holocaustgedenktag formuliert hatten. "Es ist nicht meine Schuld, aber es wäre meine Schuld, wenn es noch einmal passieren würde", nannte eine Schülerin ihren Grund für die Teilnahme an dem Erinnerungsprojekt zum internationalen Holocaustgedenktag.

Partnerschaft mit Oswiecim

Die Vorsitzende des Fördervereins Blaues Haus, Christiane Walesch-Schneller, erinnerte an die städtepartnerschaftlichen Beziehungen die Breisach mit Oswiecim verbindet. In dieser Stadt befand sich das Konzentrationslager Auschwitz. Zur Teilnahme an der Feier am internationalen Holocaustgedenktag in der Gedenkstätte Auschwitz war Bürgermeister-Stellvertreter Lothar Menges mit einer kleinen Delegation aus der Münsterstadt nach Oswiecim gereist.

An der "Geh-Denkveranstaltung" auf dem Breisacher Marktplatz nahmen zahlreiche Bürgerinnen und Bürger teil. Organisiert hatten sie die Projektleiterinnen Regina Maußner von der Hugo-Höfler-Schule und Valeska Wilczek vom Blauen Haus Breisach.