Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

13. November 2017

Über 50 Breisacher Bürger gedachten auf dem Synagogenplatz des November-Pogroms vor 79 Jahren

Alljährlich wächst die Zahl der Bürger, die sich zum Gedenken an das November-Pogrom von 1938 gegen Juden und jüdische Einrichtungen in Breisach auf dem Synagogenplatz in der Rheintorstraße versammelt, die einstmals Judengasse hieß.

  1. Auf dem Breisacher Synagogenplatz gedachten Bürger am Freitag der Opfer der Pogromnacht vom November 1938. In dieser Nacht wurde die Synagoge angezündet und zerstört. Foto: Kai Kricheldorff

BREISACH. Am Freitag nahmen an der von der Stadt Breisach und dem Förderverein Blaues Haus organisierten Gedenkveranstaltung rund 50 Personen teil, darunter auch einige Flüchtlinge, die in der Europastadt leben.

In seiner Ansprache zitierte Bürgermeister Oliver Rein Fred Kort, einen in Breisach aufgewachsenen Juden, der zu den wenigen Überlebenden des Todeslagers Treblinka gehörte. Im November 1998 hatte Fred Kort bei der Enthüllung des Gedenksteins auf dem damals neu gestalteten Breisacher Synagogenplatz den Wunsch ausgesprochen, "dass alle, die heute hier sind, sich erinnern, damit solch eine schreckliche Periode sich niemals wiederholt… für keinen, nirgendwo in der ganzen Welt".

Vor 79 Jahren waren die Juden in Deutschland bereits gedemütigt und ausgegrenzt sowie ihrer Rechte beraubt worden, sagte Rein. Was folgte, war ihre Verschleppung in die Konzentrationslager in Gurs und in die Todeslager des Ostens. "Dass damals fast alle zu diesen offensichtlichen Verbrechen schwiegen, dass nur wenige versuchten zu helfen, beschämt unsere nachfolgenden Generationen noch immer", stellte der Bürgermeister fest.

Werbung


Er forderte auf, wachsam zu sein gegenüber allen Anzeichen von Vorurteilen, Diskriminierung, Verblendung, Hass und Gewalt. Christiane Walesch-Schneller vom Blauen Haus erinnerte an Gerald Schwab, dessen jüdische Familie aus Breisach stammte und der als Jugendlicher vor den Nazis in die USA fliehen musste und später, bis zu seinem Tod vor wenigen Jahren, oft das ehemalige jüdische Gemeindehaus in Breisach besuchte.

Schwab habe das Pogrom vom November 1938 den Anfang des Holocausts genannt, sagte Walesch-Schneller. Sein Vater, David Schwab, lebte in unmittelbarer Umgebung der in den frühen Morgenstunden des 10. November 1938 von Nazischergen in Brand gesteckten Synagoge. Ebenso wie Jakob Bernheim und Emil Grumbach, die beide noch am gleichen Tag verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau gebracht wurden, in dem sie wenige Tage darauf eines mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit gewaltsamen Todes starben. Um fünf neue Blätter ergänzt werden konnte kürzlich das auf dem Synagogenplatz ausliegende wetterresistente Gedenkbuch.

Darin wird das persönliche Schicksal einstmals jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger aus Breisach festgehalten, die Opfer von Vertreibung und des Holocausts wurden. Am Ende bat Bürgermeister Rein die Teilnehmer, mit einer Schweigeminute der Opfer des Pogroms von 1938 zu gedenken.

Autor: Kai Kricheldorff