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01. Juni 2013

Vielfältige und interessante Begegnungen

Der Kunstkreis Radbrunnen zeigt auf dem Breisacher Münsterberg Zeichnungen von Godwin Hoffmann.

  1. Konstruktivistische Kohlezeichnungen des Künstlers Godwin Hoffmann sind derzeit im Breisacher Radbrunnen zu sehen. Foto: kai kricheldroff

BREISACH. Kunst ist Begegnung, und das auf vielfältige Weise. Emil Göggel, Vorsitzender des Kunstkreises Radbrunnen in Breisach, zählte bei der Vernissage der neuesten Ausstellung mit Zeichnungen des renommierten Künstlers Godwin Hoffmann, Möglichkeiten dieser Begegnung auf.

"Sie geschieht zwischen Künstler und Werk, zwischen Werk und Betrachter, zwischen Raum und Werk, und Kunst kann auch eine Begegnung zwischen Kunstwerken sein", so Göggel. Für die Ausstellungen des Breisacher Kunstkreises gilt überdies, dass sie oft, und so auch hier, künstlerische Begegnungen über den Rhein hinweg sind. Denn der Maler, Zeichner und Bildhauer Godwin Hoffmann, Jahrgang 1945, lebt seit 40 Jahren im Elsass, hat aber seit einiger Zeit auch in Berlin einen Zweitwohnsitz.

Am Umfang der ausgestellten Kunstwerke gemessen, darf Hoffmanns Exhibition "schlank" genannt werden. Und die Gewichtigkeit seiner Kunst erschließt sich dem Betrachter nur schwerlich mit dem ersten Blick. "Unbunte Farbmalerei auf Papier" nannte augenzwinkernd die Freiburger Kunsthistorikerin Antje Lechleiter in ihrer einfühlsamen Laudatio Godwin Hoffmanns Kohlezeichnungen.

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Es sind geometrische Konstruktionen, die der Künstler auf das weiße Papier bringt. Ein intensives, dichtes Schwarz, das innerhalb eines Gerüsts von blassen Hilfslinien flächig aufgetragen wird.

Hoffmann bedient sich dazu seiner Finger, mit der er die Kohle ins Papier einreibt. Die Spuren, die er dabei auf dem Blatt hinterlässt, verbleiben als sichtbarer Teil dieses Arbeitsprozesses. Hoffmanns konstruktive Kunst, einige Blätter bilden Serien, keines seiner Werke trägt einen Titel, minimiert sich auf die künstlerische Auseinandersetzung mit Raum und Zeit.

Lücken und Leerstellen, leicht übersehbare figürliche Einsprengsel an den Rändern der tiefschwarzen Flächen; sie wirken wie geheimnisvolle, individuelle Codes in seinen betont unpersönlichen und gegenstandsfreien Arbeiten. Verschiedentlich hat man sie mit Bildhauerzeichnungen verglichen. Zu Hoffmanns Oeuvre zählen auch Skulpturen aus Stahl und Beton.

In seiner Breisacher Ausstellung konzentriert sich Godwin Hoffmann auf eine Facette seines künstlerischen Schaffens. Die Aufmerksamkeit des Publikums engt der Künstler bewusst ein, fokussiert sie streng auf eine Richtung und vereitelt jegliche Ablenkung. Das erleichtert nicht eben den Zugang zu seinen Arbeiten, drängt den Betrachter aber dafür umso konsequenter dazu, sich auf sie einzulassen. So schafft Hoffmann mit seinen Zeichnungen die Grundlage für eine intensive, in die Tiefe gehende Begegnung. Sie kann, im günstigsten Fall, eine geistige Annäherung zwischen Betrachter und ausstellendem Künstler herstellen. Auf einer Suche nach "Wahrheit und Erkennung, nach dem Grundsätzlichen, dem Ursprung und vielleicht auch der Natur", wie Hoffmann sagt. Eine Ausstellung also, in der es, auf den zweiten Blick, viel mehr als lediglich zwei Dutzend Schwarzweiß-Zeichnungen zu sehen gibt.

Die Ausstellung "20 Jahre Zeichnung – ein Querschnitt" mit Kohlezeichnungen und Collagen von Godwin Hoffmann ist bis zum 21. Juli im Radbrunnen auf dem Breisacher Münsterberg zu sehen. Die Öffnungszeiten: Freitag 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 11.30 bis 13 und 14 bis 18 Uhr.

Infos: http://www.kunstkreis-radbrunnen.de

Autor: Kai Kricheldorff