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10. April 2014

Vom Impuls zur künstlerischen Idee

Schüler des Breisacher Martin-Schongauer-Gymnasiums zeigen ihre Werke im Radbrunnen.

  1. Kreatives aus dem Kunstunterricht am Martin-Schongauer-Gymnasium ist derzeit im Radbrunnen zu sehen. Foto: claudia müller

BREISACH (cla). Kann man Kreativität lernen? Zumindest seinem Namen nach behauptet das der schulische Kunstunterricht. Doch kann die Muse ihren Weg finden zwischen Bildungsplan, Kompetenzorientierung und Zensuren? Kann sie, das beweisen die Arbeiten von Schülern des Breisacher Martin-Schongauer-Gymnasiums (MSG), die derzeit im Radbrunnen zu sehen sind.

Auf 3 Etagen sind ganz unterschiedliche Objekte ausgestellt. Die Bandbreite reicht vom Gemälde über die Plastik bis zum Architekturmodell. Die Werke wurden von Schülern aller Klassenstufen im Kunstunterricht geschaffen und werden nun einfallsreich im historischen Gebäude präsentiert.

Buntbemalte Papierkäfer fallen in den Radbrunnen ein, tönerne Echsen lassen sich auf dem Fenstersims vertrocknete Stubenfliegen schmecken, Augenpaare in Serie beobachten den Betrachter. Zum Teil sind die Arbeiten mit Anmerkungen ihrer jungen Schöpfer versehen. Häufig hängen Zeichnungen, Collagen oder Radierungen beieinander, denen offensichtlich zwar die gleiche Aufgabenstellung zu Grunde liegt, die aber dennoch ganz eigenständige Produkte sind.

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Und spätestens da versteht der Besucher, dass Kreativität sich auch im Schulunterricht ihren Weg bahnt. Oder vielleicht besser, dass sie gerade von diesem Rahmen geweckt und befeuert wird. Wie bei Anastasia zum Beispiel. Die Sechstklässlerin hat den Kater gezeichnet, der auch den Ausstellungsflyer ziert, er ist zugleich Tier und getuschtes Ornament. Ein Fantasiewesen mit vielen Schnörkeln, das sei die Unterrichtsaufgabe gewesen, erzählt sie. "Dann hab ich einfach angefangen", fügt sie hinzu. "Ich hab mich einfach treiben lassen."

Die Ausstellung haben die Kunstlehrer Anna Stiefvater-Fecarotta, Daniela Mädel und Nicolas Manz gemeinsam mit dem Kunstkreis Radbrunnen zusammengestellt. In jeder Klassenstufe seien im Kunstunterricht unterschiedliche Herausforderungen zu bewältigen, erklärte Stiefvater-Fecarotta. So müssten die Jüngsten zunächst die handwerklichen Fähigkeiten erlernen, während es in der Mittelstufe beispielsweise darum gehe, die Illusion eines Raumes zu erzeugen. Schüler der Kursstufe schließlich sollen ihre eigene Gestaltungsweise und damit ihre Persönlichkeit finden. Das sei für den Einzelnen häufig Herausforderung und Zumutung zugleich, ergänzte Mädel. Die Schwierigkeit sei, aus dem Impuls des Lehrers eine Idee zu formen.

"Da wird getestet und probiert, manches Mal selbst am Rand der Verzweiflung." Dann müsse der Lehrer aktiver werden, doch zuletzt sei sie da, die eigene Idee. "Am Ende steht der Stolz, ein Produkt aus sich heraus geschaffen zu haben", sagte Mädel. So wird aus der Aufgabenstellung vom Anfang durch den Eigenaspekt des Schülers zuletzt etwas wahrhaft Originelles.

Die Ausstellung mit Werken der Schüler des Martin-Schongauer-Gymnasiums wird noch bis Sonntag, 11. Mai, im Radbrunnen gezeigt. Sie ist freitags von 14 bis 18 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen von 11.30 bis 13 und von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

Autor: cla