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13. September 2014

Werden die Bürger der Stadt in die Diskussion eingebunden?

Bei einer BZ-Umfrage unter Breisacher Gemeinderäten gibt es entsprechende Vorschläge / Kein einheitliches Bild / Erinnerung an Synagogenbrand und Deportation.

  1. In Badenweiler hat der Künstler Gunter Demnig schon Stolpersteine verlegt. Foto: MICHAELIS

BREISACH (gz). Die Fraktionen des Breisacher Gemeinderates haben sich aufgrund der Sommerferien noch nicht zu Sitzungen getroffen. Deshalb handelt es sich bei den folgenden Stellungnahmen um die persönliche Meinung der Gemeinderäte zum Thema Stolpersteine.

Leber (CDU): Bürger einbinden
Der stellvertretende Bürgermeister Jörg Leber war zunächst erstaunt, dass die Ankündigung des Projektes in der Badischen Zeitung stand, bevor der Gemeinderat darüber informiert wurde. Er erwartet von der Stadtverwaltung vor einer Entscheidung zunächst "einen Bericht über den Ist-Zustand". Leber will wissen, was die Stadt und das Blaue Haus in der Vergangenheit bereits zur Aufarbeitung der Geschichte unternommen haben und was das gekostet hat. Zudem schlägt er vor, die Bürger in das Vorhaben einzubinden, vor deren Häuser Stolpersteine verlegt werden sollen. "Zunächst muss auch klar sein, wo wie viele Stolpersteine hin sollen."

Kreutner (SPD): wichtiges Projekt
Fraktionssprecher Frank Kreutner befürwortet das Projekt. Erst kürzlich seien er und seine Kinder bei einem Besuch in Hamburg über Stolpersteine gestolpert. Gemeinsam habe die Familie innegehalten und auf den Steinen gelesen, wer hier wohnte und wie die Menschen ums Leben gekommen sind. "Ohne die Stolpersteine wäre dies nicht passiert", so Kreutner, der davon überzeugt ist, dass Stolpersteine mehr an das Leid der Juden erinnern können als der Synagogenplatz. Gleichwohl findet Kreutner die Vorgehensweise des Blauen Hauses in dieser Sache "unglücklich". Der Gemeinderat hätte früher benachrichtigt werden sollen. Jetzt gelte es, "Vorgehensweise und Thema voneinander zu trennen". Die SPD-Fraktion werde sich im Blauen Haus genauer über das Projekt informieren.

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Langer (ULB): hin- und hergerissen
Jürgen Langer, Sprecher der ULB-Fraktion, ist in der Sache "persönlich sehr gespalten, weil wir in Breisach schon sehr viel für das Gedenken tun". Die Frage sei deshalb, ob man Stolpersteine jetzt noch zusätzlich brauche. Gleichzeitig sei Gedenken wichtig. "Wir müssen als Deutsche alles Erdenkliche tun, um die Erinnerung wachzuhalten. Ich bin hin- und hergerissen", sagte Langer abschließend.

Schneider (FDP/FWB):

Kommission bilden
Fraktionssprecher Werner Schneider plädiert wie Frank Kreutner dafür, strikt zu trennen zwischen der unglücklichen Vorgehensweise des Blauen Hauses und der Sache. Schneider war selbst schon in Breisachs Partnerstadt Oswiecim, dem früheren Auschwitz, und weiß, "dass wir uns mit dem Thema beschäftigen müssen". Er schlägt deshalb vor, eine Kommission zu bilden, der Vertreter der Verwaltung, des Gemeinderats, des Blaues Hauses und der Kirchen angehören, um gemeinsam ein schlüssiges Konzept vor einer Abstimmung im Stadtrat zu erarbeiten. Zudem sei es wichtig, dass die Hauseigentümer mit der Verlegung von Stolpersteinen vor ihren Häusern einverstanden sind.

Breitenfeldt (Grüne): gute Idee
Petra Breitenfeldt, Sprecherin der Fraktion, findet die Idee mit den Stolpersteinen gut, zumal vor der Zeit des Nationalsozialismus in der Rheintorstraße Juden und Nichtjuden friedlich miteinander gelebt hätten, wie ihr ihre Großmutter erzählt hat. Eine frühere Nachbarin habe ihr darüber hinaus unter Tränen berichtet, wie die Breisacher Synagoge in Brand gesteckt und viele Juden deportiert worden seien. Die Frau war Augenzeugin.

Sie selbst finde Stolpersteine eine gute Form der Erinnerung, die Steine sollten jedoch nicht direkt, sondern seitlich der Hauseingänge angebracht werden. Breitenfeldt kann sich jedoch auch kleine Gedenktafeln an den Häusern als Alternative zu den Stolpersteinen vorstellen.

Schnebelt (BLB/AfB):

prinzipiell nichts dagegen
Stefan Schnebelt hat prinzipiell nichts gegen die Stolpersteine einzuwenden, wenn die Hauseigentümer zustimmen und der Stadt keine Kosten entstehen. Das Projekt sei ein sensibles Thema und Schnebelt glaubt, dass wohl ein Großteil der Breisacher Bürger nicht gerade davon begeistert ist. Besser als Stolpersteine findet er mehr Unterricht für Schüler zu der Thematik.

Autor: gz