"Wir ergänzen uns gegenseitig"

kff

Von kff

Sa, 11. März 2017

Breisach

BZ-INTERVIEW mit Pfarrerin Christiane Drape-Müller und Pfarrer Werner Bauer zum Reformationsjubiläum.

BREISACH. Vor 500 Jahren hat Martin Luther mit dem Anschlagen seiner Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg die Reformation eingeleitet. 2017 wird von evangelischen und katholischen Christen als Reformationsjahr begangen. Kai Kricheldorff hat Pfarrerin Christiane Drape-Müller von der evangelischen Martin-Bucer-Gemeinde und Pfarrer Werner Bauer von der katholischen Münsterpfarrei gefragt, was für die Christen in Breisach Reformation heut

e bedeutet und was Ökumene ausmacht.

BZ: Reformationsfeier für die evangelischen Christen in Breisach am 31. Oktober 2017 im katholischen Stephansmünster – wäre das möglich? In Freiburg wurde es abgelehnt.

Drape-Müller:
Möglich erscheint es mir von der evangelischen Gemeinde her durchaus, einen Antrag an die Münstergemeinde zu stellen. Es gibt aber keinen Plan für ein größeres Fest an dem Tag. Wir greifen geistlich Richtungweisendes aus der Epoche ’Reformation’ in Breisach dankbar in anderen Formen auf: in den ökumenischen Themenabenden, mit der Gestaltung einer ’Reformationsbank’ und feiern es in vielen Gottesdiensten – aktuell in einer Predigtreihe.

Bauer: Wir haben gegenseitige Gastfreundschaft und Offenheit. Wenn die Reformationsfeier als Gottesdienst gedacht ist und es auf evangelischer Seite wichtig und notwendig wäre, dies im Münster St. Stephan zu feiern – selbstverständlich!

BZ: Was würden die Reformatoren heute zur Ökumene sagen?

Drape-Müller: Gott sei Dank, dass sie ganz andere Wege gefunden haben, ’einig in Christus’ unterwegs zu sein. In manchen Punkten ist die Ökumene immer noch schlecht.

Bauer: Den Reformatorinnen und Reformatoren wäre es lieb gewesen, sie wären früher schon gehört worden. So wäre es zu keinem Bruch gekommen. Heute lebend würden sie die Ökumene sehr unterstützen. Vollendet bei Gott freuen sie sich über uns.

BZ: Was spricht aus Ihrer Sicht für die Ökumene?

Drape-Müller: ’Ich glaube an den Heiligen Geist, … die Gemeinschaft der Heiligen ...’. Und wenn wir noch so viel alleine oder in unserer Tradition glauben können – aus der Liebe leben werden wir nur in Gemeinschaft.

Bauer: Der Auftrag Christi: ut unum sint (dass sie eins seien) und die sich daraus ergebende Glaubwürdigkeit und Stärke als Glaubensfreunde.

BZ: 500 Jahre Reformationen – ist es nicht Zeit für eine christliche Kirche?

Drape-Müller: Wilhelm Schwendemann hat es im Oktober hier auf vier Punkte gebracht: Die Einheit besteht schon. Sie ist von Gott gestiftet. Die Taufe ist der Kern. Und der Heilige Geist befähigt uns zum Umgang mit der Vielfalt, die uns gut tut. Ich denke, wir brauchen nicht eine stärkere Vereinheitlichung von Kirche; wir brauchen allerdings besser erkennbares Glauben und Handeln aus dem gleichen Geist in Bezug auf drängende Fragen der Menschheit.

Bauer: Wir sind ein Leib mit verschiedenen Gliedern, wachsen immer mehr zusammen, respektieren unsere Traditionen und ergänzen uns gegenseitig.

"Nur gemeinsam können wir Christen die göttliche Liebe glaubhaft bezeugen."

Pfarrer Werner Bauer
BZ: Die beiden großen christlichen Konfessionen leiden in Deutschland, wie auch in anderen Ländern Europas, seit Jahren an einer steigenden Zahl von Kirchenaustritten. Kann Ökumene helfen, dass die Institution Kirche wieder mehr Vertrauen bei den Menschen gewinnt und der christliche Glaube wieder stärker in ihr Bewusstsein dringen kann?

Drape-Müller: Das kann sein. Ich sehe viele, die sich an der Erweiterung ihres Horizonts und der Bereicherung durch die Frömmigkeit anderer freuen. Ich erlebe aber auch viele Menschen, die Ökumene nicht anzieht. Es muss ja ausgehalten werden, dass es nicht immer eindeutige und einmütige Orientierung gibt. Ökumene ist kein Instrument gegen Mitgliederschwund.

Bauer: Nur gemeinsam können wir Christen die göttliche Liebe glaubhaft bezeugen in der immer komplizierter und polarisierter werdenden Welt. Offen sind wir für Kontakte, Gespräche und Feiern mit anderen Religionen.

BZ: 500 Jahre Reformation, 50 Jahre ökumenische Bewegung – welche Aufgabenstellung verbindet sich damit im Jahr 2017 für die katholische und die evangelische Kirche in Breisach?

Drape-Müller: Die Zusammenarbeit in Gruppen und Gremien entwickelt sich hier zur Freude! Reformation hat auch immer mit Befreiung aus falschen Abhängigkeiten zu tun. Befreit von Blockierungen, zum Beispiel durch Erfolgsdenken, hoffe ich auf weiteren gemeinsamen Kräfteeinsatz für soziale Rechte und Bedürfnisse von Menschen und für die brennenden europa- und weltweiten ökologischen Herausforderungen.

Bauer: Wir haben in unseren Gremien einen Ökumene-Sonntag beschlossen, arbeiten immer vernetzter in unseren Gruppierungen, laden uns gegenseitig ein und feiern vieles miteinander. Im Januar beschlossen wir, uns zweimal jährlich zu treffen und werden vermutlich dieses Jahr einen ‚Ökumenischen Rat Breisach‘ bilden. Auch vernetzen wir uns mit den Glaubensfreunden der Neuapostolischen Kirche, die vielerorts zur ACK (Arbeitskreis Christlicher Kirchen) gehört.