Durststrecke

Breisacher Geschäftsleute bangen wegen Großbaustelle um ihre Existenz

Agnes Pohrt und Joshua Kocher

Von Agnes Pohrt & Joshua Kocher

Fr, 16. Februar 2018 um 15:11 Uhr

Breisach

Die Großbaustelle in der Breisacher Innenstadt wird für einige der benachbarten Geschäfte immer mehr zur existenzbedrohenden Dursstrecke. Das ergab eine Umfrage der Badischen Zeitung.

Die Breisacher Innenstadt ist derzeit eine Großbaustelle. Bis Ende 2019 wird das Stadtzentrum umgestaltet. Im Fokus der Innenstadtsanierung steht der Marktplatz, der zu einem attraktiven Aufenthaltsort werden soll. Für die Geschäfte, die an der Baustelle beheimatet sind, ist die Bauzeit allerdings eine Durststrecke. Einige Geschäftsinhaber fühlen sich schon jetzt in ihrer Existenz bedroht, erklären sie gegenüber der Badischen Zeitung. Seit Oktober des vergangenen Jahres gibt es auf dem Gutgesellentorplatz kein Durchkommen mehr.

"Wenn das auch über den Sommer so weitergeht, müssen wir unsere Filiale wohl schließen"Marita Michelbach
Die Straße ist komplett aufgegraben, täglich schaufeln die Bagger mehr Erde weg. Die Geschäfte entlang der Straße sind nur noch über Umwege zu Fuß erreichbar. Beim Spatenstich für das Großprojekt im Oktober 2017 räumte Breisacher Bürgermeister Oliver Rein ein, dass die Situation für die Geschäfte direkt an der Baustelle nicht einfach werde. "Da müssen wir jetzt durch", sagte er damals. Die Belohnung dafür sei eine attraktive Innenstadt.

"Eine Katastrophe"

Für Marita Michelbach, die mit ihrem Mann die gleichnamige Bäckerei am Gutgesellentorplatz betreibt, ist die Baustelle "eine riesige Katastrophe". Seit Baubeginn verzeichne der Laden starke Umsatzeinbußen. Die Mühe, die Bäckerei extra anzufahren, mache sich fast niemand mehr. "Uns fehlen vor allem die Arbeiter und Berufstätigen, die ihr Vesper kaufen", so Michelbach. "Wenn das auch über den Sommer so weitergeht, müssen wir unsere Filiale wohl schließen", befürchtet sie. Auch die fehlenden Parkmöglichkeiten für ihre vielen Mitarbeiter in Teilzeit stellten ein erhebliches Problem dar, sagt die Bäckerin. Früher hätten die Mitarbeiter ihre Fahrzeuge auf dem benachbarten Parkplatz abstellen können. Jetzt sei die Parkdauer dort auf zwei Stunden begrenzt. "Muss denn wirklich alles auf einmal sein?", fragt Michelbach. Sie wundert sich, warum man nicht schrittweise die Straße sanieren könne. Als das Spector in der Adventszeit geöffnet war, sei die Situation akzeptabel gewesen.

"Es ist sehr ruhig geworden"

In der Metzgerei Pfunder nebenan merkt man ebenfalls, dass weniger Handwerker kommen, um sich ihr Vesper für die Mittagspause einzukaufen. Die Auswirkungen ließen sich derzeit jedoch noch schlecht einschätzen, sagt die Angestellte Claudia Pleuler. Es sei aber sehr ruhig geworden. Der ein oder andere Stammkunde sei weggeblieben, "aber wir haben auch sehr treue Kunden", fügt sie hinzu. Wichtig sei, dass das Geschäft weiterhin zu Fuß erreichbar ist.

"Auf die Bauzeit vorbereitet"

Alexander Gehr, Inhaber vom Gasthaus Elsässer Hof, steht dem Bauprojekt deutlich positiver gegenüber. Er sei dankbar, dass die Stadtverwaltung im Vorfeld auf ihn zugekommen sei und er seine Ideen einbringen konnte. Im Januar macht die Gaststätte in der Regel zwei Wochen Betriebsferien. Diesmal wurden die Ferien auf den gesamten Monat ausgedehnt, um eine neue Toilettenanlage einzubauen. "Natürlich merken aber auch wir einen Rückgang, vor allem die Laufkundschaft fehlt", sagt Gehr. Er habe sich aber darauf einstellen können und sei froh, dass die Bauarbeiten in der Nebensaison begonnen haben.

"Weniger auswärtige Kunden"

Auch in die Stadtapotheke kommen weniger Kunden, berichtet Inhaber Rudolf Gnädinger. Schon mit der Einführung des Einbahnrings habe diese Entwicklung begonnen. Der Einzelhandel sei nicht per se gegen die Umgestaltung, aber die Auswirkungen sollten abgemildert werden, fordert Gnädinger. Vor allem auswärtige Kunden würden die Innenstadt meiden. Daher wäre es wichtig, am Ortseingang darauf hinzuweisen, dass alle Geschäfte in der Innenstadt mit dem Auto erreichbar sind und es Parkmöglichkeiten gibt.

"50 Kunden weniger pro Tag"

Andrea Hiss, Geschäftsführerin des Regionalwert Biomarkts, ist in Sorge. Denn auch auf dem Marktplatz sollen bald die Bagger anrücken. Hiss fragt sich, wie wie die Zeit bis Ende 2019 überbrückt werden soll. Seit dem ersten Tag der Bauarbeiten kämen bis zu 50 Kunden pro Tag weniger in den Biomarkt. Und das trotz der nach wie vor bestehenden Parkplätze vor der Tür. "Ein krasser Einbruch", so Hiss. Die Zahl der Mitarbeiter habe man bereits halbiert. Weit vor der Breisacher Ortseinfahrt werde darauf hingewiesen, dass die Baustelle rund um den Marktplatz den Verkehr behindert. Deshalb würden viele potenzielle Kunden die Stadt umfahren.

"Irritierende Beschilderung"

Auch Annerose Höferlin vom Bekleidungsgeschäft Annerose berichtet, dass weniger auswärtige Kunden in ihr Geschäft kommen. "Im Winter sind wir ganz besonders auf die Kundschaft aus dem Elsass und vom Kaiserstuhl angewiesen." Sie habe gemerkt, dass die – meist älteren – Kunden Angst hätten, nicht mehr in der Innenstadt parken zu können und den Weg nicht zu finden. "Es gibt zu viele Schilder, das ist irritierend", bemängelt Höferlin. "Die Baustelle auf dem Marktplatz wurde im Voraus viel zu arg aufgebauscht", findet ihr Mann. Bis heute könnten auf dem Marktplatz Autos parken, doch bei der Einfahrt in die Stadt werde dies nicht deutlich genug gemacht. Mit der Umgestaltung werde die Innenstadt aufgewertet, aber zwei Jahre Bauzeit seien zu lang.