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19. Mai 2017 17:29 Uhr

Filmteam bei der Bioenergie-Genossenschaft

Breitnau als gutes Beispiel für Japan

Auf den Spuren der Genossenschaftsidee hat von Mittwoch bis Freitag ein japanisches Fernsehteam Breitnau besucht. Die Reportage soll von der Raiffeisen-Genossenschaft handeln, die Ende 2016 zum virtuellen UNESCO-Weltkulturerbe ernannt worden ist, und im Rahmen dessen auch die Bioenergie-Genossenschaft Breitnau darstellen.

  1. Thomas Ketterer (links) erläuterte dem japanischen Fernsehteam die Heizzentrale der Breitnau Energie auf dem Leohof. Kameramann Masayuki Takizawa hatte ihn fest im Blick. Foto: Alexandra Wehrle

BREITNAU. Donnerstag, 15 Uhr: Die Japaner stehen vor dem Leohof, gerade haben sie sich von Landwirt Thomas Ketterer den Stall zeigen lassen. Um 17 Uhr sollen Nahaufnahmen vom Melken gemacht werden. Schon am Mittwochabend hat Kameramann Masayuki Takizawa einige Landschaftsaufnahmen gemacht – zum Glück, denn nun regnet es.

Minutiös hätten die Japaner alles vorausgeplant, berichtete Bürgermeister Josef Haberstroh, aber inzwischen seien sie etwas entspannter. Gleichwohl blieb der Drehplan ambitioniert, und am Donnerstagnachmittag war schon einiges im Kasten: Ein Besuch der Grundschüler in der Heizzentrale mit Eugen Ketterer, dem Vorstandsvorsitzenden der Bürgergenossenschaft BreitnauEnergie, Thomas Ketterer beim Warten der Heizanlage und beim Schlepperfahren sowie Familie Ketterer beim klassisch deutschen Mittagessen mit Schäufele und Kartoffelbrei.

Am Abend filmte das Team eine Aufsichtsratssitzung der BreitnauEnergie, bei der die Generalversammlung am 8. Juli vorbereitet wurde.

Takizawa sei einer der besten Kameramänner Japans, sagt Haberstroh. Er sei immer parat und beginne sofort zu filmen, ohne lange Einstellungen. Takizawa arbeite fürs Staatsfernsehen und sei Spezialist für Krisengebiete und Staatsereignisse. "Immer, wenn’s wichtig oder gefährlich wird, wird er geholt", scherzt Peter Engels, der als Betreuer die Gruppe begleitet. "Das ist speziell in Japan", erklärt Haberstroh das dortige System: Nur ein Journalist von den Staatsmedien darf offizielle Anlässe filmen. Die anderen Medien müssen die Aufnahmen kaufen, beispielsweise vom Besuch Barack Obamas in Tokio 2009.

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Das Team gehört zur Produktionsfirma Chiyoda Raft in Tokio, Auftraggeber ist neben dem Staatsfernsehen die Agrargesellschaft Japan Agri. Takizawa wird begleitet von Yasunori Hida und Momo Watanabe, Direktor und Direktorin von Japan Agri, von Pressevertreter Gosuke Ino und Mitarbeiterinnen. Der Kontakt kam über Shigeko Maeda, Präsidentin der Deutsch-Japanischen Gesellschaft mit Sitz in Freiburg, zustande. Sie ist ebenfalls vor Ort. Miyuki Murata übersetzt.

Der Genossenschaftgedanke interessiere die Japaner sehr, erklärt Bürgermeister Josef Haberstroh. "Das haben sie dort noch nicht." Die Situation sei auf dem Land ähnlich wie bei uns, deshalb würden sie die Idee gern übernehmen. Die Erzeugung regenerativer Energien sei nach der Katastrophe des Atomkraftwerks in Fukushima in den Fokus gerückt. Die BreitnauEnergie sei ein Beispiel für die Umsetzung auch in Japan.

Der fertige Film soll zwei Stunden dauern, Breitnau wird nach Schätzung Takizawas etwa fünf Minuten lang zu sehen sein. Zweieinhalb Tage Dreharbeiten für fünf Minuten seien "viel Aufwand", gibt er zu. Gezeigt werden soll der Film in Japan auf einem Symposium, dessen Termin noch nicht feststeht.

Schon am Dienstag war das Team in Deutschland und hat in Flammersfeld beim Raiffeisen-Haus gefilmt. Gestern standen in Breitnau das BASF-Hotel mit der Übergabestation auf dem Drehplan sowie ein Interview mit Geschäftsführer Bernd Pollak, der den Mehrwert der Bioenergie für den Tourismus erklärte. Das Hotel, einer der größten Abnehmer der BE, werbe nach eigenen Angaben erfolgreich damit, sagte Haberstroh. Später war noch ein Interview im Rathaus mit Bürgermeister und Verwaltung vorgesehen, nachmittags sollte die Biogasanlage beim Schnapsbeckenhof und die Familie Johannes Simon gefilmt werden. Abends ging es nach Freiburg, am Samstag weiter zur UNESCO-Geschäftsstelle in Berlin.

Autor: Alexandra Wehrle