Energiegenossenschaft Breitnau – Anschauungsmodell für Europa

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Von ma

Mo, 08. Mai 2017

Breitnau

Bürgermeister aus Bosnien-Herzegowina besichtigen auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung die Heizzentrale beim Leohof / Vier Tage in Südbaden.

BREITNAU (ma). Die Breitnau Energie Genossenschaft erfreut sich internationaler Aufmerksamkeit. Nach Delegationen aus Japan, Frankreich und der Schweiz sowie den USA besichtigten am Donnerstag Bürgermeister und Vertreter von Stadtverwaltungen aus Bosnien-Herzegowina das erfolgreiche bürgerschaftliche Projekt. Die Organisation des fünftägigen Studienprogramms lag in den Händen der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS).

Im Rathaus informierte Karsten Dümmel, Leiter des Auslandsbüros der Stiftung in der Hauptstadt Sarajevo, über die Lage in der Heimat der Gäste. Auch 21 Jahre nach dem Bosnienkrieg sind "die Verhältnisse sehr schwierig." Gleichwohl verfüge Bosnien-Herzegowina über wichtige Potentiale an erneuerbaren Energiequellen. Vor allem Wasser- und Windenergie werde genutzt. Das Land zähle zu den wichtigsten Stromexporteuren in Europa. Gegenüber der Badischen Zeitung betonte Dümmel die Bedeutung eines solchen Studien- und Dialogprogramms: "Die Städte verfügen natürlich nicht auf Anhieb über die finanziellen Mittel für den Bau von Kraftwerken. Aber sie haben die feste Absicht, erneuerbare Energien besser zu nutzen."

Während des viertägigen Aufenthalts in Freiburg und im Hochschwarzwald führten die Bürgermeister und Vertreter der Wirtschaftskammer viele Gespräche mit Vertretern der deutschen Wirtschaft und Politik. Die Referentin in der Hauptabteilung europäische und internationale Zusammenarbeit, Christina Baade aus Berlin, hatte Breitnau als ein Ziel ausgewählt. Sie sieht in der Energiegenossenschaft ein Beispiel, wie Bürger und Kommunen bei der Erschließung natürlicher Ressourcen kooperieren können.

Bürgermeister Josef Haberstroh stellte die 1750 Einwohner zählende Kommune kurz vor: "Wir sind flächenmäßig eine der größten Gemeinden in Baden-Württemberg, weisen aber eine dünnere Besiedelung auf als Kanada." Haberstroh betonte, dass die Vorstände Eugen Ketterer, August Maier und Thomas Schuler "ehrenamtlich arbeiten. Das ist etwas ganz Besonderes." Die Stromerzeugung liege in Breitnau inzwischen über dem eigenen Verbrauch im Dorf.

Eugen Ketterer, Vorstandssprecher der Breitnau Energie, erläuterte das am 18. Oktober 2011 gegründete Erfolgsmodell: "Eine große Mehrheit votierte damals für ein Gemeinschaftsprojekt mit Bürgerbeteiligung." Inzwischen zählt die Genossenschaft mehr als 90 Abnehmer: "Unser Ziel sind 100." Für die rund sechs Kilometer langen Versorgungsleitungen sowie die Heizzentrale beim Leohof investiert Breitnau Energie rund 3,2 Millionen Euro. Aufgrund der guten betriebswirtschaftlichen Ergebnisse in den vergangenen Jahren sei davon ein großer Teil getilgt: "Wir sind im dritten Jahr in der Gewinnzone."

Bei einer Rundfahrt über den Fahrenberg zum Naturfreundehaus und weiter zum Windrad gewannen die Besucher trotz des widrigen Wetters einen guten Eindruck von Breitnau. In der von Landwirt Thomas Ketterer betreuten Heizzentrale beim Leohof konnten die Besucher die Technik aus nächster Nähe anschauen. Den Abschluss bildete die Besichtigung der raumsparenden Wärmeübergabestation im Aktiv Hotel BASF, dem größten Abnehmer der Energiegenossenschaft. Einige Bürgermeister aus Bosnien-Herzegowina fachsimpelten dann noch mit Josef Haberstroh über Kommunalpolitik. Am Samstag flog die Delegation von Basel wieder nach Sarajevo zurück.