Volkslieder erwachen zu neuem Leben

Alexandra Wehrle

Von Alexandra Wehrle

Mo, 28. September 2015

Breitnau

Das Duo "Musique in Aspik" verzaubert die Zuhörer beim Kleinkunstfestival im Alten Pfarrhof in Breitnau.

BREITNAU. Jedes Lied ist ein Edelstein bei den "alten Liedern und Poesie", die am Freitagabend beim Kleinkunstfestival im Alten Pfarrhof zu hören waren. Markus Wangler und Petra Küfner erweckten alte Volkslieder als "Musique in Aspik" auf ganz eigene Art zu neuem Leben. Trotz Themen wie Freiheit, Liebe und Tod wurde der Abend leicht und heiter.

Was wird das wohl sein, "Musique in Aspik", dargeboten von einem "Volksweltmusiklyrikduo"? Das Publikum ist gespannt. Und schnell wird klar: etwas sehr Eigenes ist diese Musik, etwas ganz Besonderes. Obwohl die beiden Wahl-Augsburger auf vorhandenes Liedgut aus mehreren Jahrhunderten zurückgreifen.

Von Anfang an nehmen die beiden das Publikum mit, erklären, warum sie sich mit Volksliedern befassen, wo die Lieder herkommen und was ihre ursprüngliche Aussage ist. In einer Kneipe in Augsburg hat es vor zwei Jahren angefangen. Türken sangen türkische Volkslieder und haben Küfner und Wangler Lust auf die eigenen, die deutschen, gemacht. Sie begannen zu recherchieren und wurden mehr als fündig. Es kamen unbekannte Strophen und Textzeilen zutage, Originaltexte, die verwässert, verharmlost und verstümmelt worden sind, um unerwünschte Aussagen zu eliminieren. Wie beim "Jäger aus Kurpfalz", von dem es neben den drei offiziellen noch drei weitere Strophen gibt, "mehr oder weniger versaute".
Die dargebotenen Volkslieder stammen aus mehreren Jahrhunderten, die ältesten sind "Ouwe" von Walther von der Vogelweide aus dem zwölften Jahrhundert und "Es führt über den Main", ein sehr altes Totentanzlied.

Das Publikum erfährt, dass manches vermeintlich deutsche Lied tatsächlich woanders herstammt, etwa aus Schweden wie "Zum Tanze da geht ein Mädel". Andere kommen aus ehemals deutschen Gebieten, etwa "Der Nussenbaum" aus der Westukraine. "Die Lieder wandern", auch aus Deutschland hinaus, so Küfner.
Von manchen Liedern haben die beiden mehrere Versionen gefunden, etwa von "Es saß ein klein wild Vögelein", das sie zunächst im Volksliedstil und später "funky" spielen.

Ziel von Wangler und Küfner ist es, die Ur-Versionen, den ursprünglichen Kern, der Lieder aufzuspüren und wieder ans Tageslicht zu bringen. Daher auch der Name "Musique in Aspik": Die Lieder sind musikalisch bearbeitet, aber das Original bleibt - wie unter durchsichtigem Aspik - immer erkennbar.

Der Musikstil wird bei jedem Lied von den jeweiligen Instrumenten und der Art des Gesangs bestimmt. Die Rhythmen sind vielfältig, "Heißa Kathreinerle" kommt als Country-Version daher, die "Bergvagabunden" in Moll statt Dur. "Ein Männlein steht im Walde" ist in orientalischer Tonlage zu hören. Jedes Lied klingt anders und wird dadurch zu einem besonderen Juwel. Neben Gitarre und Teekanne kommen Flöten, Strumstick, Ukulele, Mundharmonika, ein Wasserglas, eine Melodika, ein kleines Megaphon und "Lui the Looper" zum Einsatz. "Lui" ist eine Loopbox, die Gesang und Töne aufnehmen und in Endlosschleife wieder abspielen kann.

Ergänzt wird die Musik durch verschiedene Arten von Gesang, Jodeln oder Sprechgesang sowie Geräuschen oder Pfeifen. Für "Atmosphäre" darf auch das Publikum sorgen, etwa indem es "typische Schwarzwaldgeräusche" wie das Rauschen des Windes nachahmt.

Zwischendurch zitiert Küfner Gedichte, darunter "Die Schnupftabakdose" und "Im Park" von Joachim Ringelnatz.

Nicht nur das Publikum hat seinen Spaß, sondern auch Wangler und Küfner, das ist zu spüren. Erst nach der dritten Zugabe dürfen sie gehen. Ein Rätsel hat Küfner noch gestellt: Um was für ein Männlein handelt es sich, das im Walde steht? Es ist mitnichten ein Fliegenpilz, wie viele denken. Sondern – eine Hagebutte!