Bronzezeitliche Siedlung in Riehen entdeckt

BZ-Redaktion

Von BZ-Redaktion

Do, 13. September 2018

Basel

Deutlich ältere Scherben unter den Funden geben Rätsel auf.

RIEHEN (BZ). Bei Aushubarbeiten für eine Neubebauung mit Eigentumswohnungen am Haselrain in Riehen hat die Archäologische Bodenforschung Basel-Stadt eine bisher unbekannte Siedlung aus der Bronzezeit entdeckt. Dies teilte der Kanton Basel-Stadt am Mittwoch mit.

Mit der neu entdeckten Fundstelle fasst man in Riehen erstmals eine Siedlung aus der Bronzezeit. Die Siedlung wurde etwa um 1300 vor Christus gegründet und liegt auf einer hochwassersicheren Niederterrasse der Wiese zwischen zwei heute nicht mehr sichtbaren Bächen. Die Fundstelle am Haselrain zeigt dabei anschaulich, welche Auswirkungen menschliche Tätigkeiten auf die Umwelt haben konnten. Um Ackerflächen und Weiden zu erhalten, begannen die Menschen hier während der Bronzezeit den Wald großflächig zu roden. Das führte zu einer massiven Erosion der östlich der Siedlungsstelle gelegenen Lösshänge. In der Folge wurde die Siedlung im Laufe der Jahrhunderte mit einer zwei Meter mächtigen Löss-Lehm-Schicht überdeckt. Erst die aktuellen Bauarbeiten brachten die über dreitausend Jahre alten Überreste dieser frühen Besiedlung Riehens wieder ans Tageslicht. Im Gemeindegebiet von Riehen sind aus dieser Epoche bisher neben wenigen Einzelfunden von Keramikscherben lediglich zwei Grabhügel mit Bestattungen im Britzigerwald sowie ein Depot mit einem rituell verbogenen Schwert bei der Burgstraße bekannt. Dank der außergewöhnlichen Erhaltungsbedingungen kann nun aber erstmals in Riehen ein Siedlungsausschnitt aus der Bronzezeit untersucht werden.

Die bronzezeitlichen Häuser waren aus Holz und Lehm gebaut. Diese Bauweise macht es schwierig, solche bronzezeitliche Siedlungen überhaupt aufzufinden. Auch auf der Grabung in Riehen sind von den ursprünglichen Häusern im lehmigen Kies nur noch sehr schwach erkennbare Pfostengruben und von Hauswänden stammende schmale Gräbchen erhalten geblieben. Hingegen wurden zahlreiche Funde geborgen: Hunderte von meist kleineren Keramikscherben, Steinwerkzeuge und wenige Brocken gebrannten Lehms. Von hohem wissenschaftlichen Interesse ist der Fund einer Brandgrube, wie sie zwar aus anderen bronzezeitlichen Siedlungen bekannt, im Kanton Basel-Stadt bisher aber noch nie aufgefunden wurde. Ob in dieser fast drei Meter langen, schmalen Grube mit Holzfeuerresten und hitzegesprengten Steinen Nahrungsmittel gedörrt oder Flachs für die Herstellung von Kleidern geröstet wurde, ist noch unklar. Auch ein ritueller Zusammenhang kann nicht ausgeschlossen werden.

Besonders rätselhaft ist die Verfüllung einer weiteren Grube: In die runde Eintiefung wurden mehrere Schichten von Keramikscherben gefüllt. Darunter befinden sich stark verbrannte Fragmente, die von großen, dickwandigen Gefäßen stammen. Außerdem kamen bemalte und verzierte Keramikscherben zutage, darunter Exemplare mit feinen Rillenverzierungen, die möglicherweise aus dem Ende der Jungsteinzeit stammen. Ob hier bereits rund 1000 Jahre früher Menschen lebten oder wie diese deutlich älteren Scherben zu interpretieren sind – zu diesen Fragen versuchen die Archäologen Antworten in den noch zu untersuchenden Flächen zu finden.