Macht auf die Tür...

Die Flüchtlinge Zarah und Hamze S. aus Somalia hoffen auf den Nachzug ihrer fünf Kinder nach Buchenbach

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mo, 18. Dezember 2017

Buchenbach

Sie flohen vor einigen Jahren vor den nicht mehr zu ertragenden Zuständen aus ihrem vom Bürgerkrieg zerrütteten und zerstörten Land - und landeten in Buchenbach.

Die Beiden sitzen auf dem Sofa ihrer Unterkunft. Abwechselnd turnt ihr vor gut anderthalb Jahren geborenes Töchterchen Asma voller Elan auf beiden herum. Trotzdem versuchen beide, einigermaßen zusammenhängend ihre Geschichte zu erzählen. Das können sie, denn sie haben als nach der Genfer Konvention anerkannte Flüchtlinge gewissenhaft Deutschkurse besucht. Und ihre Geschichte macht sprachlos.

Sie flohen vor einigen Jahren vor den nicht mehr zu ertragenden Zuständen aus ihrem vom Bürgerkrieg zerrütteten und zerstörten Land. Aus dem bewaffneten Widerstand Anfang der 90er-Jahre gegen den damals herrschenden Diktator Siad Barre entwickelte sich in ihrem Heimatland zunehmend der erbitterte Konkurrenzkampf verschiedener islamistischer Milizen, die je nach Ausrichtung Unterstützung und Waffen aus den ebenfalls miteinander verfeindeten islamistischen Staaten erhalten. Als wäre dies nicht genug, versetzten Clans und Warlords mit eigenen Interessen die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Die öffentliche Verwaltung ist völlig zusammengebrochen, es herrschten Willkür und Gewalt, die vor allem auch Frauen treffen.

Nachdem der Vater ihrer sieben Kinder und die beiden ältesten Söhne verschwunden waren, war Zarah S. völlig schutzlos. Sie floh mit Hamze S. Die anderen fünf Kinder im Alter zwischen vier und neun Jahren blieben vorerst bei der Mutter von Zarah zurück, die im vergangenen Jahr allerdings verstorben ist. Hamzes Mutter hat die Kinder deshalb aufgenommen. Mit ihren 65 Jahren ist diese allerdings völlig überfordert. Insbesondere kann sie die Mädchen, die bald in das Alter kommen, in dem ihnen die barbarische Tradition der Beschneidung droht, nicht schützen. Zarah und Hamze S. setzen nun alles daran, dass die fünf Kinder möglichst schnell nach Deutschland kommen können und werden dabei soweit es geht auch vom Helferkreis für Geflüchtete in Buchenbach unterstützt. Davor stehen allerdings hohe Barrieren. In Somalia gibt es aufgrund der Zustände derzeit keine offizielle deutsche Vertretung, und da auch keine öffentliche Verwaltung existiert, haben die Kinder keinerlei Papiere. Also müssen die Kinder erst nach Nairobi in Kenia zur nächsten deutschen Vertretung gebracht werden, parallel dazu ist der Sorgerechts- und Mutterschaftsnachweis zu liefern. Dabei versucht der Nachzugsdienst des Roten Kreuzes zu helfen.

All dies und bei Erfolg die Ausreise der Kinder ist mit Kosten in Höhe von 8000 bis 10 000 Euro verbunden, die die beiden alleine niemals aufbringen können. Deshalb wurde vom Helferkreis in Buchenbach ein Treuhandkonto bei der Sparkasse Hochschwarzwald eingerichtet, das von Hamze S. und Karl-Heinz Behr vom Helferkreis gemeinsam verwaltet wird. Darauf eingezahlte Spenden werden ausschließlich für den Nachzug der Kinder verwendet.

Unterdessen versucht das Ehepaar, mit Kräften eine Basis aufzubauen. Hamze ist dabei, eine feste Beschäftigung zu finden, bemüht sich in diesem Zusammenhang um den Führerschein und Zarah möchte gerne stundenweise alte Menschen betreuen. Auf sozialer Ebene suchen beide aktiv den Kontakt zum öffentlichen Leben in Buchenbach. Der sportliche Hamze trainiert zweimal in der Woche bei der Spielvereinigung Buchenbach, und Zarah pflegt Kontakte über den Helferkreis und lernt zusammen mit anderen gerade Fahrradfahren.

Wer die Flüchtlingsfamilie unterstützen möchte, kann spenden: Treuhandkonto Hamze S. und Karl-Heinz Behr, IBAN: DE27 6805 1004 3036 3130 41, BIC: SOLADES1HSW. Weitere Artikel zu dieser Serie gibt es im Internet in unserem Dossier unter mehr.bz/adventstueren