Stattliche Spende für dringende Sanierung

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Mi, 28. November 2018

Buchenbach

Denkmalstiftung und Glücksspirale fördern mit 25 000 Euro eine Privatkapelle in Unteribental .

BUCHENBACH. Die Privatkapelle "Vater unser" in Unteribental wurde 1964 von dem Verleger Theophil Herder-Dorneich und seiner Frau Elisabeth gestiftet und stellt ein architektonisch komplex gestaltetes Gesamtkunstwerk der frühen Moderne dar. Seit 2017 ist die von der Stiftung "Oratio Dominica" getragen Kapelle anerkanntes Kulturdenkmal. Mittlerweile muss das Bauwerk jedoch vor allem im Außenbereich saniert werden. Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg trägt dazu eine ansehnliche Summe aus Mitteln der Lotterie Glücksspirale bei.

Überbringer des Fördervertrags und des damit verbundenen Schecks über 25 000 Euro an die Stiftung waren Claus Wolf, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege und Vorstandsmitglied der Denkmalstiftung Baden-Württemberg, und Bodo Schöffel, Geschäftsführer der Toto-Lotto-Regionaldirektion Süd-West. Letzterer vertrat die Glücksspirale, aus deren Einnahmen nicht zuletzt der Fonds der Denkmalstiftung gespeist wird.

Bei der Übergabe des Fördervertrags vor Ort in der Kapelle erinnerte Manuel Herder, Enkel des Stifters und geschäftsführender Gesellschafter des gleichnamigen Familienverlags, zunächst an die Intention seines Großvaters beim Bau der Kapelle. Theophil Herder habe als Soldat im Ersten Weltkrieg in Frankreich erlebt, wie an den Gräbern der Gefallenen Gläubige verschiedener Konfessionen gemeinsam das Vaterunser gebetet hätten. Dies habe ihn so beeindruckt, dass er im Falle seines Überlebens eine diesem zentralen christlichen Gebet gewidmete Kapelle bauen wollte. Sie sollte als Ort für überkonfessionelle Gottesdienste der Förderung des Friedens unter den Völkern, Konfessionen und Religionen dienen. Diesen Zweck erfülle sie bis heute.

Claus Wolf hob die künstlerische, wissenschaftliche und heimatgeschichtliche Bedeutung der Kapelle hervor: "Denkmalpflegerisch ist das Bauwerk mit seinem vielfältigen Materialmix aus Beton, Waschbeton, Naturstein, Putz, Holz, Schiefer und Metall und einem Baukörper in Form eines Jurten-Zeltes als Zeugnis der postmodernen Architektur von herausragender Bedeutung." Es entspreche einem der grundlegenden Leitmotive der deutschen Kirchbaukunst der 60er Jahre als Symbol der suchenden und wandernden Kirche. Bemerkenswert sei auch die Positionierung des Altars im Zentrum der Kapelle als Zeichen der Gemeinschaft. Damit wurde die Forderung des Zweiten Vatikanischen Konzils von 1963 nach einer aktiven Beteiligung der Gläubigen an der Liturgie pionierhaft architektonisch realisiert. Wie viele in der damaligen Zeit entstandenen Betonbauwerke sei das Gebäude inzwischen sanierungsbedürftig und so freue er sich, dass die Denkmalstiftung zur Beseitigung der Schäden beitragen könne. Der von der Stiftung für die Sanierung beauftragte Architekt Alexander von Marschall verdeutlichte die Schäden am Beispiel der Beton-Außenfassade. Diese sei glücklicherweise ursprünglich mit einer Lasur versehen worden, die sich aber in großen Teilen abgenutzt habe. Unter dem Einfluss des Sonnenlichts habe sich infolgedessen die Ursprungsfarbe der Fassade verändert. Damit auch nicht weiterhin Feuchtigkeit in die innere Stahlarmierung dringt, den Prozess der chemischen Karbonatisierung des Baustahls und damit die Korrosion beschleunigt, müsse nun der Beton unter Berücksichtigung des richtigen Farbtons außen neu beschichtet werden.

Bodo Schöffel übergab den symbolischen Scheck an Manuel Herder und wies auf die Bedeutung der Glücksspieleinnahmen für gemeinnützige Förderungszwecke hin. "Dafür setzen wir 50 Prozent unserer Einkünfte ein." Allein für den Denkmalschutz seien dies in Baden-Württemberg bislang 28 Millionen Euro gewesen.