Buggingen: "Die größte Bewegung drin"

kam

Von kam

Fr, 05. November 2010

Buggingen

Verkehrausschuss zu Gast.

BUGGINGEN (kam). "Die Belastungen und Überschreitungen in Buggingen sind so enorm, dass wir eine andere Planung gefordert haben." Am Bugginger Bahnhof ergreift der Vertreter des Regierungspräsidiums (RP), Tomas Dreßler, gestern selbst das Wort, um den angereisten vier Mitgliedern des Bundestagsausschusses für Verkehr die Lage zu erklären. Eine positive Lage, wie der Ausschussvorsitzende Winfried Hermann erfreut feststellt: "Hier sehen wir die größte Bewegung."

Der Leiter des RP-Referats "Recht und Planfeststellung" erklärt weiter: "Die Lärmsituation für Buggingen ist nicht gelöst, es gibt Überschreitungen nachts von 16 Dezibel." Das RP schlägt deshalb einen "konfliktarmen Korridor" als Alternative vor – die Umfahrung von Seefelden und Buggingen. Das klingt eindeutig. So eindeutig, dass der Ausschussvorsitzende Winfried Hermann mal nachfragt: "Warum hat denn die Bahn den Korridor nicht selbst gefunden?" Die Antwort ist alles andere als neu: "Hauptgrund war die Wirtschaftlichkeit, das ist unsere Maxime", sagt der Leiter der DB Projektbau, Christophe Jacobi. Man habe nun aber vom Eisenbahnbundesamt den Auftrag bekommen, eine optimierte Trasse zu erarbeiten. Die alternative Strecke sei von Setzungen des Kali-Bergbaus stärker bedroht, aber "grundsätzlich kann man es anders machen". Wie das Eisenbahnbundesamt entscheide, wisse er aber nicht. Jacobi warnt auch vor einem neuen Verfahren: Das werde neue Betroffenheiten mit sich bringen.

Tieflage als unzulässige Vorratsplanung?

Eine weitere Forderung in Buggingen ist die Tieflage der Gleise, die eine niveaufreie Kreuzung möglich macht. Die Verantwortung der Bahn weist Jacobi auch hier zurück. Eine niveaugleiche Kreuzung sei ausreichend für die für 2025 prognostizierten Zugzahlen. Und es habe in diesem Zusammenhang auch schon mal Klagen gegeben wegen "unzulässiger Vorratsplanung der Bahn". Buggingens Bürgermeister Johannes Ackermann verweist darauf, dass es nicht nur darum gehe, höhere Zugzahlen als in der Prognose abzubilden, sondern die Bürger Buggingens, Bad Bellingen und von den Isteiner-Klotz-Gemeinden zu schützen, durch eine enorme Lärmentlastung.

Ob das RP auch die Unterfahrung vorgeschlagen habe, will Hermann wissen. Die Kernforderung Bürgertrasse habe man nicht aufgenommen, weil diese nicht eindeutig vorzugswürdig sei, erklärt Dreßler. "Wenn man mehr drauflegt, wäre es aber besser." Die Unterquerung wäre sicher die interessantere Lösung, meint auch Jacobi. Überdimensioniertes Planen habe es schon gegeben, stimmt Hermann zu. Aber bei diesem Projekt sei schon an vielen Stellen gespart worden, weil es ohnehin teuer sei. Die Belastungen der Bürger seien nicht genug einkalkuliert worden, findet der Grünen-Politiker. "Und es gibt eine Alternative, die nicht sehr viel teurer ist." Nun wolle man mal schauen, ob das Eisenbahnbundesamt auch lernfähig sei, so Hermann. "Wir werden das unsere tun und dem Amt bedeuten, dass es nicht wie ein Ingenieur planen kann, sondern dass Eisenbahn für die Menschen geplant wird."