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19. Mai 2009

Kleines sehenswertes Kulturdenkmal

Der Bergmannsverein in Buggingen weiht sein Kali-Museum ein / Viele Gratulanten und reger Andrang bei den Führungen

  1. Viele Besucher nutzten die Gelegenheit zu einem geführten Rundgang durchs neue Kali-Museum. Foto: Ingeborg Grziwa

BUGGINGEN. Das kleine Festzelt am Sportplatz platzte aus allen Nähten, so viele Festgäste waren zur Einweihung des neuen Kali-Museums in Buggingen gekommen. Deren Geduld wurde auf die Probe gestellt, angesichts der vielen Festansprachen und Grußworte. Und die Mitglieder des Bergmannsvereins Buggingen machten das, was sie immer gemacht haben: Sie arbeiteten bescheiden im Hintergrund, führten die Besucher durch das Schaubergwerk und nahmen sich nicht einmal die Zeit, ihre wohlverdiente Auszeichnung entgegen zu nehmen.

Mit dem Schaustollen und dem Kali-Museum will der Bergmannsverein seinen toten Bergmannskollegen aus der ganzen Region und dem Bergwerk ein Denkmal setzen, sagte Vorsitzender Gerhard Martin. Es sei ein schöner Brauch, dass sich die Bergmannsvereine der Region zu solchen Anlässen treffen. Dadurch würden die Beziehungen und Verbindungen zum Bergbau aufrecht erhalten und die Tradition gepflegt. Tradition bedeute die Leistungen zu würdigen, so Martin. Deshalb appelliere er an die Jugend, die bergmännische Tradition auch weiter aufrecht zu halten und den Bergmannsverein zu unterstützen. Die Keimzelle für das nun eingeweihte Kali-Museum war der 2001 erworbene frühere Eiskeller, wo in vielen Stunden bergmännischer Handarbeit ein Schaustollen entstand.

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Das Kali-Bergwerk war ein bedeutender Industriebetrieb in der Region, der Wohlstand und Arbeitsplätze aber auch Tragödien brachte. Mit unermüdlichem Einsatz habe der Bergmannsverein das Museum gebaut, das nun Einblick in die wechselvolle Geschichte gibt, und damit ein bedeutendes Kulturdenkmal für die gesamte Region geschaffen, betonte Bürgermeister Johannes Ackermann.

Staatssekretär Gundolf Fleischer (CDU) würdigte den ideellen, kulturellen und geschichtlichen Wert des Museums und dankte vor allem denjenigen, die dafür gearbeitet haben. Grußworte überbrachte auch SPD-Landtagsabgeordneter Christoph Bayer, der das Museum als Zentrum bergmännischer Kulturpflege bezeichnete.

Landesbergbaudirektor Axel Brasse erinnerte an das Jahr 1973, als die Kali-Förderung eingestellt wurde und damit auch alle ihre Merkmale verschwanden. Der erste Landesbeamte Helmut Unseld lobte die unbedingte Kameradschaft, den Stolz und den Zusammenhalt unter den Bergleuten, was gerade in der heutigen Zeit wichtige Eigenschaften seien. Begeistert vom Ergebnis zeigte sich auch Klaus Rumphorst, Leiter des Geschäftsbereichs Inaktiver Werke der Kali und Salz AG. Nach dem der VGH ein Sanierungskonzept für den "Monte Kalino" moniert hat, werde nun in Gesprächen mit der Verwaltung geprüft, ob daraus ein Industriedenkmal "Kali-Halde" gemacht werden kann. Dafür sollen Flora und Fauna untersucht und die Frage geklärt werden, wie viel Salz im Boden und wie gefährdet das Grundwasser dadurch ist, so Rumphorst.

Architekt Adolf Fünfgeld, der seine Leistung für das Museum kostenlos erbracht hat, erläuterte das Bauwerk, das ursprünglich einstöckig geplant war, jetzt aber zwei Etagen hat, mit einer Nutzfläche von rund 140 Quadratmetern. Im Dezember 2007 begannen acht Bergleute, der jüngste 68 und der älteste 78 Jahre alt, mit dem Bau. Rund 1700 Arbeitsstunden haben sie geleistet und dabei 551 Kilometer zurückgelegt, bilanzierte Fünfgeld. Glückwünsche überbrachten auch Vertreter der örtlichen Vereine und befreundete Bergmannsvereine, darunter der Patenverein aus Wieden. Jean Misiano von der "Groupe Rudolphe" aus dem elsässischen Ungersheim überraschte mit einem alten Bild des Kali-Bergwerks fürs Museum.

Mit einer Urkunde und einer kleinen Bergmannsfigur wurden Hans Herr, Eugen Schultis, Manfred Gärtner, Adolf Fünfgeld, Fritz Mösinger und Ludwig Benz für ihren unermüdlichen Einsatz von Gerhard Martin ausgezeichnet. Horst Fehrenbach erhielt für die unentgeltliche Bereitstellung eines Baukrans über 18 Monate eine Urkunde und eine Salzsteinuhr. Für ihre ehrenamtliche Tätigkeit beim Neubau des Kali-Museums erhielten Fritz Siegwolf, Arno Müller, Horst Helmert, Klaus Schwäble und Ernst Fehrenbach einen Ehrenbrief und einen kleinen Bergkübel.

Anschließend hatten die Gäste Gelegenheit, sich bei einer Führung durch das Museum davon zu überzeugen, dass hier ein kleines sehenswertes Kulturdenkmal geschaffen wurde.

Autor: Ingeborg Grziwa