Museen, die Ortsgeschichte vermitteln

Volker Münch

Von Volker Münch

Di, 10. Juli 2018

Buggingen

Bugginger Museumstag vermittelt bäuerliches Leben der vergangenen Jahrhunderte sowie Einblicke in den Kalibergbau.

BUGGINGEN. Mit einem traditionellen "Glück auf!" werden die Besucher am Eingang des Kalimuseums beim Bugginger Besuchsstollen begrüßt. Dann beginnt eine Zeitreise ins vergangene Jahrtausend, als der Kalibergbau noch das ganze Dorf bestimmte. Technik und Maschinen aus der Zeit werden in dem Besucherstollen präsentiert. Beim Museumstag in Buggingen lohnte sich auch ein Abstecher ins Bauernmuseum "S’Carli-Matthiese" in der Hauptstraße, eine vorwiegend private Sammlung alter landwirtschaftlicher Geräte.

Das Kalimuseum
Eine Handvoll Bergleute, die selbst noch bis 1973 in die Tiefen der Kalisalzstollen eingefahren sind, entführen ihre Besucher in eine für die meisten Besucher völlig ungewohnte Welt. Stolz tragen die Mitglieder des Bergmannsvereins, die in viel Eigenleistung das Museum samt Besucherstollen erbaut haben, ihre beigefarbene Bergmannkluft. Auch wenn der heutige Stollen "nur" ein Schaustollen ist, werden die Traditionen, die die Bergleute über Jahrzehnte im Bergbaualltag zelebriert haben, beibehalten: Keiner der Bergleute geht ohne Helm in den Stollen, jeder hat eine Grubenlampe dabei und immer ertönt ein "Glück auf" beim Betreten des Stollens, der aus einem alten Eiskeller entwickelt wurde.

Zuerst aber ein Blick in den Ausstellungsraum in dem mit viel Eigenleistung errichteten Gebäude direkt neben dem Zugang zum Stollen: Schautafeln, alte persönliche Gegenstände, Teile der Traditionsuniform, Grubenlampen aus verschiedenen Zeitepochen und vieles mehr sind dort zu sehen. Inmitten des Raums ein großer Quader des Materials, weswegen die Bergleute 60 Jahre lang in den "Berg eingefahren" sind: das orange bis graufarbige Kalisalz. In den Hochzeiten des Kalibergbaus in Buggingen waren bis zu 1200 Mitarbeiter beschäftigt, davon die meisten unter Tage bei der nicht ungefährlichen Mission, das Kalisalz zuletzt aus einer Tiefe von 1100 Metern bei Temperaturen von bis 45 Grad Celsius dem Untergrund abzutrotzen. Die größte Gefahr entstand unter anderem durch den nicht erwarteten Gebirgsdruck, der schnell zum Einsturz hätte führen können.

Über drei Schächte wurde das Salz abgebaut, am 30. April 1974 wurde das Kalisalzbergwerk aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen und die Werksanlagen fast vollständig abgerissen. Heute kann man nur noch am "Monte Kalino", dem kleinen, immer weiter schrumpfenden Abraumberg auf der Westseite der Bundesstraße die große Bergbautradition erahnen. Gegen das Vergessen hat der Bergmannsverein im Jahr 2001 einen alten verfallenen Stollen erworben, wo früher ein Eiskeller gegraben war, der im Zweiten Weltkrieg von den Bürgern zum Luftschutzstollen umfunktioniert wurde. "Wir haben damals unser letztes Erspartes in Höhe von 4500 Mark in den Kauf gesteckt", erinnert sich der Vorsitzende Gerhard Martin. Notwendig wurde das, nachdem die Sammlung in dem überschaubaren Ausstellungsraum in der Dorfmitte aus allen Nähten platzte, und der Verein im Jahr 1998 auch noch einen sperrigen Doppelkettenstegförderer geschenkt bekam. Die Zwangsversteigerung des alten Eiskellers wurde deshalb als einmalige Chance verstanden – und in die Tat umgesetzt. Mehr als drei Jahre legten die ehemaligen Kalikumpel selbst Hand an und bauten den Stollen auf ein Streckennetz mit rund 150 Metern ganz fachmännisch in der Bergbautechnik "Deutscher Türstock" aus. Dabei wurden spezielle Fichten- und Douglasienstämme ineinander gezapft. "Die beste Verbautechnik, die es gibt", erklärt Martin die große Stabilität des traditionellen Stollenausbaus.

So waren auch in den ersten Jahrzehnten die Kalisalzstollen vor dem sogenannten Gebirgsdruck abgefangen worden. Im Stollen werden früher benutzte Gerätschaften wie Bohrgeräte, Sprengeinrichtungen, Belüftungstechnik und Kommunikationstechnik vorgestellt. Ergänzt werden die technischen Anlagen, die zu einem großen Teil auch noch funktionieren, von Originalfotos, die das Leben im Bergwerk dokumentieren und auch an die Silhouette der Fördertürme erinnern. Um das Projekt finanzieren zu können, gaben die Gemeinde 24 000 Euro, das Land Baden-Württemberg 20 000 Euro und der Bergmannsverein selbst nochmals 13 000 Euro an Zuschüsse. Hinzu kamen großzügige Spenden von zahlreichen Firmen aus Buggingen und Umgebung.

Im Stollen selbst gibt es auch eine "Hauerstube", die auch externe Gäste gegen eine Spende für verschiedene Events nutzen können. Das Museum ist jeden ersten Sonntag im Monat von 15 bis 17 Uhr geöffnet, andere Termine können vereinbart werden, der Eintritt ist frei. Weitere Infos unter http://www.bergmannsverein-buggingen.de

Bauernmuseum
Klein, aber mit vielen Exponaten gefüllt ist das Bauernmuseum "S’Carlie-Matthiese" im über 400 Jahre alten denkmalgeschützten Anwesen in der Hauptstraße 23. Das Museum ist normalerweise nur nach Vereinbarung geöffnet. Dann aber gibt Betreiber Hans-Werner Ritter freudig Auskunft über die Ausstellungsobjekte, die er teilweise gemeinsam mit dem Bürgerverein aber auch privat gesammelt und manchmal auch angekauft hat. Viele der Gerätschaften stammen aus der Zeit zwischen den Jahren 1900 bis etwa 1960. Sie lassen erahnen, wie das Leben der Bauern im Dorf in den verschiedenen Jahrzehnten ausgesehen hat.

Landwirtschaft, das zeigen viele Bilddokumente, die begleitend zu den Ausstellungsstücken an Schnüren aneinander gereiht sind, war früher ein sehr kräfteaufreibende Tätigkeit, bei der alle Familienmitglieder von den Kindern bis zu den Senioren mitgearbeitet haben. Die Technik, das zeigen viele der Exponate, waren meist sehr einfach aber auch sehr robust. Zu jedem Exponat weiß Hans-Werner Ritter eine Geschichte zu erzählen, kann für die meisten auch die Herkunft beschreiben und nimmt die Besucher auf eine Zeitreise über die Felder rund um Buggingen und durch die Bauernhöfe mit. Ritter versteht sich, das wird im Gespräch deutlich, als Bewahrer alter Traditionen. Dazu gehört auch die Tradition des Hisgiers, einer Symbolfigur aus Stroh, in die die Dorfjugend am Ostermontag schlüpft und symbolisch den Winter austreibt.

2013 entschloss sich Ritter gemeinsam mit dem Bürgerverein das Museum aufzubauen. Geprägt hatte ihn die Erinnerung an die Familiengeschichte: "Meine Eltern waren die letzten Bauern, die mit einem Arbeitspferd das Land bestellten." Es gibt keine festen Öffnungszeiten. Wer das Bauernmuseum sehen möchte, sollte einen Termin mit Hans-Werner Ritter, Tel. 07631/740605 vereinbaren. Es lohnt sich!