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20. Mai 2008

Geschichte in Farbe und 3D

Ein Architekt und ein Medieninformatiker erschaffen am Computer die Vergangenheit neu – ihre Kunden sind Museen und TV-Sender.

  1. Digitale Archäologie: am PC rekonstruierte Küchenszene aus dem antiken Vindonissa Foto: Privat

  2. Matthias Link von Digitale Archäologie, Freiburg Foto: Privat

  3. Manuel Sättele von Digitale Archäologie, Freiburg Foto: Privat

Was Computerspiele-Zockern recht ist, sollte Historikern und Museumsdirektoren billig sein – diesem Gedanken folgend haucht das Freiburger Unternehmen Digitale Archäologie mit seinen elektronischen 3D-Simulationen längst vergangenen Zeiten neues Leben ein. Die am Rechner erstellten Welten der Visualisierungsexperten Matthias Link und Manuel Sättele könnten der Geschichtswissenschaft das Langweiler-Image nehmen.

"Alles beginnt immer damit, dass uns ein Museum oder ein Fernsehsender einen Ausgrabungsplan, eine Grundrisszeichnung oder ähnliches Datenmaterial zukommen lässt und uns beauftragt, ein bestimmtes Gebäude, eine Stadt oder sogar eine ganze Landschaft so zu simulieren, wie sie früher einmal ausgehen haben." Manuel Sättele hat mittlerweile eine Menge Erfahrung mit der Visualisierung historischer Szenerien gesammelt. Der 30-jährige Medieninformatiker hat zwar erst Anfang 2007 zusammen mit dem Architekten Matthias Link (39) die Firma Digitale Archäologie gegründet, doch die beiden Geschäftspartner bieten ihre Dienste bereits seit rund fünf Jahren gemeinsam an – in den Anfangsjahren allerdings noch als nur lose vernetzte Freiberufler.

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Zur Kundschaft der beiden Firmengründer, die sich in einem 110 Quadratmeter großen Büro in der Wentzingerstraße 16 niedergelassen haben, gehören beispielsweise das Limes-Museum in Aalen, das Kurpfälzische Museum in Heidelberg, die Kantonsarchäologie Aargau mit einem Projekt in Windisch (dem römischen Vindonissa) sowie der History-Channel und der Westdeutsche Rundfunk – aber auch die irische Straßenverkehrsbehörde. Beim Bau einer Autobahn auf der grünen Insel kamen einige historische Überreste unter die Räder. "Quasi als Wiedergutmachung hat die Behörde dann mit unserer Hilfe wenigstens für eine digitale Konservierung der geschichtsträchtigen Orte gesorgt", sagt Sättele.

Die Arbeit von Digitale Archäologie folgt meist dem selben Grundmuster. Anhand der vorliegenden Pläne und in enger Abstimmung mit den Kunden erstellten Link und Sättele mit ihren drei festen und je nach nach Projekt zusätzlichen freien Mitarbeitern zuerst ein so genanntes Drahtgittermodell. Dazu nutzen sie die Visiualisierungssoftware 3D-Studio-Max von Autodesk. "Das Programm kommt auch bei der Entwicklung von Computerspielen und bei Hollywood-Produktionen zum Einsatz", erklärt Sättele. Wenn dieses dreidimensionale, aber noch nackte Abbild der einstigen Wirklichkeit den Ansprüchen der Auftraggeber entspricht, wird es gewissermaßen angemalt: Die Oberflächen erhalten Farbe und Struktur. Außerdem werden die vorhandenen Lichtquellen definiert und so das Spiel von Helligkeit und Schatten festgelegt. Wenn eine Filmsequenz entstehen soll, geben die Visualisierer von Digitale Archäologie auch vor, wo die virtuelle Kamera stehen soll und wie sie sich zu bewegen hat. Dann folgt das so genannte Rendern der Szene, das Berechnen der fertigen Darstellung unter Einbeziehung aller Vorgaben. Sättele: "Das dauert pro Bild etwa 20 Minuten. Für einen Film müssen pro Sekunde 25 Bilder berechnet werden, das macht etwa acht Stunden."

So kommt es, dass Link und Sättele an einzelnen Aufträgen oft monate- und gelegentlich auch jahrelang arbeiten. Die Aufträge belaufen sich auf entsprechend hohe Rechnungsbeträge: Zwischen 5000 und 100 000 Euro liegen typischerweise die Preise für eine 3D-Simulation aus dem Hause Digitale Archäologie.

Autor: Holger Schindler