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08. September 2014

Chilenen zeigen Interesse an Cittaslow

Delegation aus Frutillar in Waldkirch / Leibinger sieht für weitere Partnerschaft keine Kapazitäten.

  1. Bürgermeister Ramón Espinoza (3. von links), Gemeinderäte und Vertreter der chilenischen „Fundación Plades“ besuchten Waldkirch, um sich von Oberbürgermeister Richard Leibinger (4. von links) über nachhaltige Stadtentwicklung zu informieren. Foto: Gabriele Zahn

WALDKIRCH. Die Stadt Frutillar liegt im Süden von Chile und hat 20 000 Einwohner. Bürgermeister Ramón Espinoza, zwei Gemeinderäte und Vertreter der Stiftung "Fundación Plades Frutillar" besuchten Waldkirch, um sich hier über nachhaltigen Tourismus, Abfallmanagement, soziale Integration und Stadtplanung zu informieren. Vermittelt wurde der Kontakt von der Innovation Academy in Freiburg.

Frutillar und Waldkirch sind vergleichbar groß, beschreibt Bürgermeister Espinoza die Gemeinsamkeiten, auch setze er sich zusammen mit der Verwaltung für eine nachhaltige Entwicklung seiner Stadt ein. Wirtschaftlich wichtigstes Standbein sei der Tourismus. Es werde Wert auf eine qualitativ gute Bildung gelegt und auf Landschaftspflege. Deshalb wurde die Stiftung "Fundación Plades Frutillar" gegründet, der neben dem Bürgermeister, Vertreter der Stadt und der Wirtschaft als auch Privatpersonen angehören. Das besondere Interesse der Delegation aus Frutillar galt der Vereinigung Cittaslow. Denn Ziel sei es, als einer der ersten Städte Südamerikas der Internationalen Vereinigung lebenswerter Städte beizutreten, sagte Espinoza.

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Auf zwei Dritteln der Gemarkung Waldkirchs stehe Wald, informierte Oberbürgermeister Richard Leibinger, zusammen mit einem Höhenunterschied von 1000 Metern sei die topographische Situation schwierig. Als großer Waldbesitzer unterhält die Stadt einen Forstbetrieb mit 15 Mitarbeitern. Damit Waldkirch durch die Nähe zu Freiburg nicht zur Schlafstadt wird, habe Leibinger seit seinem Amtsantritt vor 31 Jahren Wert darauf gelegt, Wohnen und Arbeit in Waldkirch gleichwertig zu entwickeln. Die Versuchung sei groß gewesen, nur einwohnermäßig zu wachsen, da die Stadt für die Bereitstellung der Infrastruktur vom Land pro Einwohner Geld bekomme. Beim Gewerbe ist die Stadt auf die Gewerbesteuer angewiesen. Bei der Stadtentwicklung spielten und spielen Baulücken eine wichtige Rolle, die zunächst kartographiert und dann sukzessive entwickelt wurden. Das gelte sowohl für den Bereich Wohnen als auch für Gewerbeflächen. Dass Bildung in Waldkirch einen hohen Stellenwert hat, sehe man an der Höhe der Investitionen in die Schulgebäude: Hier wurde in den vergangenen 15 Jahren 35 Millionen Euro investiert.

Tourismus spiele in Waldkirch heute eine untergeordnete Rolle, dafür habe die Naherholung an Stellenwert gewonnen. Hierbei spielt die Entschleunigung und die Bevorzugung regionaler Produkte eine wichtige Rolle. Zur Cittaslow-Bewegung gehören aber noch sechs weitere Ziele. Das Leitbild von Waldkirch wurde zusammen mit Bürgern vor dem Beitritt zur Internationalen Vereinigung Cittaslow erstellt, nahm also deren Leitgedanken vorweg. Die Bevorzugung regionaler Produkte habe auch dazu geführt, dass es heute, neben der Winzergenossenschaft im Ortsteil Buchholz fünf weitere Weingüter gibt, sagte Leibinger.

Das Abfallmanagement ist laut Leibinger seit den 1980er Jahren Aufgabe des Landkreises. Seither wird der Müll auch nach Nassmüll, Glas, Papier/Kartonagen und anderen Wertstoffen getrennt.

Die Orgelbautradition sei ein Alleinstellungsmerkmal Waldkirchs, welches seit den 1980er Jahren gefördert werde. Die Zahl der Orgelbauwerkstätten ist seither von eine auf vier gewachsen. In diesem Kontext wurde auch aus dem ehemaligen Heimatmuseum das Orgelmuseum entwickelt und das Orgelfest etabliert.

Eine Führung durchs Elztalmuseum zählte zum Programm der Delegation, der auch der Direktor des renommierten Teatro des Lago, Ulrich Bader Schiess, angehörte. Bei einem Treffen mit Orgelbaumeister Wolfgang Brommer, verhandelte er über die Lieferung einer Orgel für das Teatro. Im Anschluss an den informellen Austausch nahmen die Chilenen an einer Stadtführung mit Barbara Kern teil.

Die Bitte um eine Städtepartnerschaft zwischen Frutillar und Waldkirch, mit dem Ziel einer Vertiefung des Austauschs und gegenseitigen Lernens, lehnte Leibinger mit dem Hinweis dezent ab, dass Waldkirch bereits einige Städtepartnerschaften pflege.

Autor: Gabriele Zahn