Wittelsheim

Giftmülllager Stocamine: Sondermüll bleibt weiter im Stollen

Bärbel Nückles

Von Bärbel Nückles

Sa, 25. März 2017 um 00:01 Uhr

Elsass

Die Zeit drängt: Der Zustand des Sondermülllagers Stocamine im Elsass hat sich schneller verschlechtert als erwartet. Bis 2019 soll die unterirdische Deponie versiegelt sein. Doch es gibt Kritik.

Der für das Südelsass verantwortliche Präfekt Laurent Touvet hat die Endlagerung von 42.000 Tonnen Sondermüll genehmigt, der sich in einem ehemaligen Kalibergwerk bei Wittelsheim befindet. Bis 2019 soll die Versiegelung der unterirdischen Deponie beendet sein. Touvet versicherte, man werde ein Maximum des in den Abfällen vorhandenen Quecksilbers bergen.

Die Geschichte des Sondermülllagers Stocamine beginnt Ende der 1990er Jahre, als eines der zahlreichen Kalibergwerke rund um Mulhouse nach seiner Stilllegung in eine unterirdische Deponie umgewidmet wird. Bis zu 320.000 Tonnen Abfälle aus Industrieanlagen und Krankenhäusern hatte man für eine begrenzte Dauer von 30 Jahren einlagern wollen. Ein Brand in einem der Stollen führte zur vorzeitigen Schließung. Zuvor hatte man die Bevölkerung mit der Behauptung beruhigt, in den Salzstollen würden keine brennbaren Substanzen eingelagert.

Zyanid, Asbest, Arsen und Quecksilber

Stocamine ging in den Besitz der elsässischen Kalibergwerke (MDPA) über, deren alleiniger Aktionär der französische Staat ist. 2010 empfahl eine Expertenkommission die vollständige Bergung des Mülls, einschließlich des Brandschutts. Inzwischen war auch klar, dass nach der Stilllegung der Kalimine das Grundwasser in die Stollen zurückkehren würde. Damit drohe im schlimmsten Fall eine Verseuchung des Grundwassers. In Stocamine hatte man auch Abfälle eingelagert, die Zyanid, Asbest, Arsen und Quecksilber enthalten.

Bereits seit 2012 werden quecksilberhaltige Abfälle geborgen – bislang 2200 Tonnen Müll, 49 Prozent des unter Tage ursprünglich vorhandenen Quecksilbers. Angestrebt sind 93 Prozent. Laurent Touvet kündigte an, die Bergung des Quecksilbers werde fortgesetzt. Zudem werde ein Drainageschacht eingerichtet, um aufsteigendes Wasser abzupumpen. Zudem werde der Abfall, der in den Stollen verbleibt, mit Spezialbeton versiegelt. Mit Barrieren zur Abdichtung soll möglichst lange hinausgezögert und bestenfalls verhindert werden, dass aufsteigendes Grundwasser sich nicht nur mit Salz anreichert, sondern mit giftigen Substanzen verseucht wird. "Uns ist bewusst, dass es kein Nullrisiko gibt", sagt der Präfekt. Bislang hat der französische Staat für Stocamine 100 Millionen Euro investiert. Ein identischer Betrag wird Stocamine in den kommenden Jahren kosten.
"Für uns ist die Entscheidung ein Skandal." Bürgerinitiative Destocamine
Die Zeit drängt: Der Zustand der Stollen hat sich schneller als erwartet verschlechtert, so sehr, dass eine vollständige Lösung heute undenkbar ist. "Ohne die Tonnen als Stützen", sagte Touvet, "wären manche Deckenschichten bereits eingestürzt." Vor der Gefahr, die von ihnen für das Grundwasser ausgeht, warnt nun wieder die Bürgerinitiative Destocamine. "Für uns ist die Entscheidung ein Skandal", sagte deren Sprecher Yann Flory am Freitag.

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