Deutschlandfunk ist "ausgespeist"

Rolf Müller

Von Rolf Müller

Fr, 18. Januar 2019

Computer & Medien

Gebührenstreit: Ab Dienstag kein Kabelempfang mehr.

In der Nacht auf den kommenden Dienstag gibt es im Kabelnetz wieder mal einen "Change Day". Mit den neuen HD-Programmen ARD-alpha und Radio Bremen wird das ARD-Programm im Kabelnetz komplettiert. Außerdem wird der US-Wirtschaftskanal CNBC neu eingespeist. "Ausgespeist", so Unitymedia wörtlich, werden dagegen die Hörfunkprogramme des Deutschlandfunks (DLF) sowohl analog als auch digital. Damit ist der Deutschlandfunk, der wie ARD und ZDF aus den Rundfunkgebühren finanziert wird, in Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen nicht mehr über einen Kabelanschluss zu empfangen.

Dazu erklärte Unitymedia auf Anfrage, der Deutschlandfunk habe den Vertrag über die Einspeisung zum Jahresende gekündigt und erklärt, man werde eine weitere Kabelverbreitung "nicht nachfragen". Das Angebot, über eine neue Verbreitung der Programme "gemeinsam" zu verhandeln, habe der Deutschlandfunk nicht angenommen. Deshalb erfolge jetzt die "Ausspeisung". Sollte die öffentlich-rechtliche Anstalt wieder Interesse an der Kabelverbreitung seiner Netze haben, so sei Unitymedia "natürlich jederzeit bereits, mit dem DLF eine neue Vereinbarung… abzuschließen".

Streit um Einspeisgebühren

Beim Deutschlandfunk zeigt man sich erstaunt darüber, dass Unitymedia die wohl als Druckmittel im Streit um Einspeisgebühren gemeinte Kündigung wörtlich genommen hat. Man bedauere die Abschaltung und prüfe derzeit das weitere Vorgehen, so die schmallippige Stellungnahme.

Hintergrund ist der Streit um die Einspeisgebühren zwischen den Kabelnetzbetreibern und den öffentlich-rechtlichen Anstalten. ARD und ZDF hatten die Berechtigung solcher Gebühren grundsätzlich bestritten und nicht zuletzt auf die USA verwiesen, wo die Kabelnetzbetreiber für die Verbreitung ihrer Programme im Unterschied zu europäischen Gepflogenheiten bezahlen müssen. Nach juristischen Niederlagen hatten sich ARD und ZDF im vergangenen Jahr mit den Kabelnetzbetreibern auf einen Kompromiss geeinigt. Dagegen hat sich der Deutschlandfunk offenbar verspekuliert.

So bleiben dem Deutschlandfunk und seinen Hörern vorerst nur der Trost, dass die die drei betroffenen Programme digital weiterhin über DAB+, Internet und Satellit zu empfangen seien, Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur darüber hinaus in vielen Regionen wie bisher via FM.