Neue Sendung

Olli Dittrich persifliert den Fernsehwahnsinn

Martin Wendel

Von Martin Wendel

Mi, 28. Dezember 2016 um 08:28 Uhr

Computer & Medien

Mit seiner witzigen neuen Sendung "Selbstgespräche mit Konstantin Pfau" veralbert Olli Dittrich wieder mal das Fernsehen. Und wieder mal spielt er alle Rollen selbst.

Er gilt als Meister der Verwandlung: Für seine genialen TV-Persiflagen wie "Frühstücksfernsehen" oder "Das Talk-Gespräch" ist Olli Dittrich schon in zahlreiche Rollen geschlüpft und hielt dem allgemeinen Fernsehwahnsinn gnadenlos den Spiegel vor. Jetzt veralbert der Komiker erneut das vielgescholtene Medium, das nicht zuletzt ihn selber groß gemacht hat. In der halbstündigen Satiresendung "Selbstgespräche – mit Konstantin Pfau" knöpft sich Olli Dittrich am Donnerstag zu später Stunde im Ersten eine bestimmte Form der Talkshow vor, die über Jahre von scheinbar besonders einfühlsamen Moderatoren wie Reinhold Beckmann repräsentiert wurde. Es geht um intime Gespräche unter vier Augen, die von einem sensationslüsternen Millionenpublikum zu Hause an den Bildschirmen verfolgt werden.

Interviews mit sich selbst

Der aussagekräftige Titel beinhaltet praktisch schon das ganze Konzept: Nicht von ungefähr heißt der eitle und selbstgefällige Moderator der persiflierten Talkshow Konstantin Pfau, und es sind letztendlich "Selbstgespräche", die er führt, denn wirklich interessiert ist der Mann mit dem schütteren, aber nackenlangen Haupthaar an seinen Gästen nicht. Wie so oft spielt Olli Dittrich alle Rollen selber, er gibt nicht nur den eitlen Pfau, sondern auch die drei Gäste, die sich in Einzelgesprächen bereitwillig befragen lassen. Der vollbärtige Deutsch-Libanese Youssef al Bustani ist ein gescheiterter Imbissbuden-Besitzer aus Berlin, der mit einem Zusammenschnitt diverser Szenen eines großen deutschen Filmstars einen Überraschungshit auf der Internetplattform YouTube gelandet hat. Der Brite Michael Trevor Pitchford unterhält sich mit Konstantin Pfau über den überaus seltenen Gendefekt "Morbus Auri", an dem er leidet und enthüllt Ungeheuerliches über den britischen Außenminister Boris Johnson und den Brexit. Jörn-Philipp Echternach schließlich, zugeknöpfter Diplomat und acht Monate lang deutscher Botschafter in der Türkei, gibt Auskunft über seinen Alltag in Ankara und verblüfft den Moderator mit der Feststellung: "Dass wir unterschiedlicher Auffassung waren und sind, heißt doch keineswegs, verehrter Herr Pfau, dass wir nicht die gleiche Meinung vertreten."

Bei den Dreharbeiten schlüpfte Olli Dittrich zunächst in die Rollen der drei Talkgäste, der Part des Interviewers Konstantin Pfau wurde dabei von einem Mitarbeiter der Produktion übernommen, der zuvor festgelegte Fragen stellte. Dabei improvisierte Dittrich die Antworten der Talkgäste und bewies einmal mehr sein großes Talent, aus dem Stegreif zu agieren. Anschließend verkörperte der Komiker den Moderator Konstantin Pfau, dessen Szenen zum Schluss aufgezeichnet wurden. Dabei kam eine spezielle Kameratechnik zum Einsatz, die es ermöglichte, Schwenks oder Zooms eins zu eins zu wiederholen, so dass die Illusion entstand, dass der von Olli Dittrich gespielte Talkmaster mit seinen ebenfalls von ihm verkörperten Gästen interagierte.
Die Sendung

Donnerstag, 29.12., 23.20 Uhr, ARD: "Selbstgespräche – mit Konstantin Pfau"